Salzwedel l Endlich mal wieder verreisen: Eigentlich ein schöner Gedanke, besonders nach dem vergangenen Jahr. Gerade wegen des Coronajahres ist das Reisen komplizierter geworden, mit Reisewarnungen für Risikogebiete oder notwendiger Quarantäne nach der Rückkehr. Zudem ist das eine nicht unbedingt nötige Ausgabe in Zeiten finanzieller Unsicherheiten. Dementsprechend ist es bei den Reisebüros deutlich ruhiger geworden, nicht nur wegen gekürzter Öffenungszeiten und Umzug ins Homeoffice.

So wäre der Januar normalerweise eine Hochphase gewesen, erklärt zum Beispiel Hiltraud Walden aus dem Holiday Land – dem Reisebüro „Alte Jeetze“. Die Urlaubsplanung sei in den Unternehmen weitestgehend durch. Die Mitarbeiter wissen also, wann sie frei haben – und wann sie theoretisch verreisen können.

Kunden sind zurückhaltend

Trotz Corona werden laut Walden noch Reisen im Holiday Land gebucht – „wenn auch sehr, sehr zurückhaltend“, merkt sie dazu an. Es herrsche Unsicherheit, „weil niemand so richtig weiß, wie sich das entwickeln wird“. Das Geschäft sei auf zehn Prozent geschrumpft.

Dennoch rät Walden dazu, zeitnah zu buchen, sollte jemand in diesem Jahr verreisen wollen. Klar, man kann sich denken, dass ein Reisebüro Interesse daran hat, das Geschäft anzukurbeln. Aber abseits davon nennt sie andere Faktoren: Zum Einen sei bereits ein Anstieg der Preise zu merken. Zum Anderen seien viele Ziele bald ausgebucht – auch wegen Umbuchungen aus dem vergangenen Jahr. Zudem gebe es die Möglichkeit, kurz vor Reiseantritt zu stornieren, sollte man sich bei der aktuellen Lage doch anders entscheiden.

Im Vergleich dazu mussten Altmärker in der Corona-Anfangszeit erst warten, bis ihr Ziel zum Risikogebiet erklärt wurde, ehe sie ihre Reisen kostenfrei absagen konnten – dies beschrieben alle drei befragten Reisebüros fast identisch. Die Zeit seitdem beschreibt Walden als anstrengend und belastend, betont aber auch, dass die Kunden sehr verständnisvoll reagiert hätten. Diese rufen sogar gelegentlich an, einfach um sich nach den Büro-Mitarbeitern zu erkundigen, schildert sie. Aktuell habe sie „erkannt, dass die Leute so schnell wie möglich wieder los wollen“, beschreibt Walden. „Man muss nur diese Zeit durchhalten.“

Kreuzfahrten im Fokus

„Die Reiselust ist ungebrochen“, lautet die Einschätzung von Annett Frenkel aus dem Tui-Reisebüro. Die Lust überträgt sich aber offenbar nicht direkt in Käufe, denn auch sie berichtet von eher zurückhaltenden Kunden. Wenn doch gebucht wird, seien das zum Beispiel Kreuzfahrten für das nächste Jahr oder Reiseziele wie die Kanarischen Inseln, Österreich und welche in Deutschland.

Während das Holiday-Land- und Tui-Büro zu Ketten gehören, betreibt Nadine Winterhoff ihr Reisebüro privat. Hier kam das Geschäft nach ihrer Schilderung komplett zum Stillstand, wie sie beschreibt. „Sonst habe ich Nachtschichten im Büro gehabt“, schildert sie die normale Hochsaison. Jetzt kämen kaum noch Anrufe. Die letzte Buchung hätte jemand vor zwei Wochen bei ihr gemacht.

Winterhoff zeigt sich merklich frustriert, besonders, wenn ihr andere die fehlende Arbeit als eigenen Urlaub verkaufen wollen, erzählt sie.„Wisst ihr, was es heißt, nicht arbeiten zu können?“, lautet da ihre Gegenfrage. Besonders dass das Geschäftstief nicht in ihrer Macht liegt, belaste sie, schildert Winterhoff.