Ritze l Der Platz, an dem bis vor wenigen Wochen die Kirche in Klein Chüden stand, ist leer. Ein Anblick, an den sich zehn Bewohner des kleinen Ortes erst gewöhnen müssen. Später soll dort eine Gedenkplatte an das Gotteshaus erinnern, das 1793 in regionaltypischer Fachwerkbauweise errichtet worden ist. Die Klein Chüdener haben ihre Kirche aber nicht ganz verloren. Sie wurde nicht abgerissen, sondern abgebaut und wird für den Wiederaufbau aufbereitet. Im kommenden Jahr soll sie das Museumsdorf in Diesdorf komplettieren. Dann werde es dort zu besonderen Anlässen auch wieder Gottesdienste in der Kirche geben, hatte der Leiter der Kreismuseen Jochen Alexander Hofmann bereits angekündigt.

Eigentlich nur ein Fachwerkhaus

Bis es soweit ist, wartet noch jede Menge Arbeit auf die Fachleute, die das historische Bauwerk umsetzen. Ausgebreitet und durchnummeriert liegen die Balken momentan in einer Halle in der Zimmerei von Nils Gnoth. Viel Platz ist dort jetzt nicht mehr, wie er schmunzelnd anmerkt. Immerhin hat eine ganze Kirche dort Platz gefunden. Auch wenn es das erste Mal ist, dass er so ein ambitioniertes Projekt in die Tat umsetzt, geht er unaufgeregt an die Sache heran. „Eigentlich ist es auch nur ein Fachwerkhaus“, sagt der Zimmerermeister und Restaurator, der sich auf die Sanierung von Altbauten und Kirchen spezialisiert hat.

Auch wenn die Klein Chüdener Kirche nicht ganz so alt ist, wie viele andere der rund 500 Gotteshäuser in der Altmark, ist die Zeit nicht spurlos an dem hölzernen Ständerwerk vorbei gegangen. So werden die Schwellen komplett erneuert. Einige Balken sind zum Teil verfault oder Holzwürmer haben ihr zerstörerisches Werk getan. Aber: „Fachwerkhäuser sind zäh“, weiß der Fachmann. Sein Ziel ist, soviel der historischen Substanz zu erhalten, wie möglich. Etwa 25 Prozent der Hölzer müssen ausgetauscht werden, um die Standsicherheit für die Zukunft zu gewährleisten.

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Spannendes Erlebnis für Azubis

Für die Auszubildenden Paul Busse und Mio Thoms ist es etwas Besonderes, an dem weit und breit einmaligen Vorhaben mitzuarbeiten. „Das ist echt spannend und macht richtig Spaß“, sagt Paul, als er ein sogenanntes Hakenblatt in einen der Eichenbalken für die Schwellen einarbeitet.

„Über Weihnachten wird sie noch bei uns bleiben“, blickt Nils Gnoth voraus. Denn einiges ist noch zu tun, damit das Ständerwerk und der Dachstuhl im kommenden Frühjahr im Freilichtmuseum wieder aufgebaut werden können. Die Ziegelsteine für Wände und Dach befinden sich bereits sortiert und auf Paletten gelagert auf dem Museumsgelände.

Die Kosten betragen insgesamt rund 208.000 Euro, rund 117.500 Euro sind Fördergeld der EU und 90.438 Euro Eigenanteil des Kreises.