Sanierung

Salzwedel: Im Zeichen des Fachwerks

Umfangreiche Sanierungsarbeiten finden derzeit an der Altperverstraße statt. Der Verein Arbeitskreis Salzwedeler Altstadt saniert ein historisches Fachwerkhaus im Stadtzentrum. Unter anderem soll eine uralte Apotheke in dem Gebäude ihren Platz erhalten.

Von Alexander Rekow
Bruno Sill (80) übernimmt für den Arbeitskreis Salzwedeler Altstadt, kurz ASA, unter anderem die anfallenden Schmiedearbeiten. Derzeit ist er, wie die anderen Vereinsmitglieder, in die Sanierungsarbeiten eingebunden.
Bruno Sill (80) übernimmt für den Arbeitskreis Salzwedeler Altstadt, kurz ASA, unter anderem die anfallenden Schmiedearbeiten. Derzeit ist er, wie die anderen Vereinsmitglieder, in die Sanierungsarbeiten eingebunden. Foto: Alexander Rekow

Salzwedel - Wer in die Altperverstraße 28 von Salzwedel geht, hat gewissermaßen einen Zeitsprung gemacht. Schon im Flur wird klar: Hier sieht es aus wie beim Ur-Großvater. Handwerksutensilien, Geräte aus der Landwirtschaft, alte Flaschen und Töpfe – etwa um 1900. Eine Etage höher ein ähnliches Bild. Spinnräder, historisches Schulmaterial, Werkzeug vom Schuster und vieles mehr. Es gleicht einem Gang durchs Museum. Wäre da nicht der Baustellencharme, den sowohl die Nummer 28 als auch die 26 in der Altperverstraße derzeit ausstrahlen. Und das ist schon an der Außenfassade zu sehen, wo ein Gerüst aufgebaut ist.

Statik gefährdet

„Das Fachwerkhaus Nummer 28 wird gerade saniert“, beginnt Enrico Dannies (47) zu erzählen. Er ist eines von 30 Mitgliedern des Vereins Arbeitskreis Salzwedeler Altstadt, das sich dem Erhalt alter Bausubstanz im Stadtgebiet verschrieben hat. Und die Sanierung sei nur möglich, weil Fördermittel fließen, ergänzt der 80-jährige Bruno Sill. 156.000 Euro seien ihnen bewilligt worden. Die Summe reiche aber nur für die Hausnummer 28 mit dem Gerüst, so Dannies weiter: „Da ist die Bausubstanz des Daches sehr schlecht.“ Unterm Strich sei die Statik gefährdet, weshalb auch Zimmermänner in das Projekt eingebunden sind und bereits die ersten Sicherungsarbeiten erledigt haben.

Enrico Dannies (47) auf dem Dachboden der Altperverstraße 28: Bei den Sanierungsarbeiten ist eine Falltür zum Vorschein gekommen.
Enrico Dannies (47) auf dem Dachboden der Altperverstraße 28: Bei den Sanierungsarbeiten ist eine Falltür zum Vorschein gekommen.
Foto: Alexander Rekow

Doch so alt wie das Haus ist, so lang scheint die Mängelliste, welche die Mitglieder abarbeiten wollen. Das Dach muss neu gedeckt, das Gebälk teils getauscht und die Fassade gestrichen werden. Die alten Fenster sollen noch aufgearbeitet, das Oberlicht im Eingang wieder auf Vordermann gebracht und Türen mit neuen Beschlägen ausgestattet werden. Und das ist nur ein Teil dessen, der auf die Vereinsmitglieder und die eingespannten Firmen wartet.

Alte Laternen nach Muster von 1895 geschmiedet

Eines der engagierten Vereinsmitglieder ist Bruno Sill. Sein Wissen ist für den Verein unverzichtbar. „Ich habe 1956 meine Ausbildung zum Schmied begonnen“, sagt der 80-Jährige, der trotz des hohen Alters durch das Gebälk im Dachgeschoss krabbelt. Seine Arbeiten sind teils prägend im Salzwedeler Stadtgebiet zu sehen. Denn der passionierte Schmied hat die Laternen am Lüchower Tor gefertigt. „Nach einem Muster von 1895.“ Die Optik jener Gaslaterne befindet sich auch an der Fassade des Fachwerkhauses an der Altperverstraße. Mittlerweile ohne Kupferdeckel. „Den haben sie uns gestohlen“, ärgert sich der Senior.

In einem Raum stehen unzählige kleine grüne Kisten. Myrrah steht auf einer, Hydrangeas auf der anderen. Es sind unzählige dieser Kisten. „Die stammen alle aus der Adler-Apotheke“, sagt Enrico Dannies. Mit eben diesen und weiteren Ampullen soll ein Raum als alte Apotheke hergerichtet werden. Künftige Besucher können sich also auf ein weiteres Highlight bei einem Rundgang freuen,

156.000 Euro Fördermittel fließen in die Sanierung des historischen Fachwerkhauses.
156.000 Euro Fördermittel fließen in die Sanierung des historischen Fachwerkhauses.
Foto: Alexander Rekow

Zum Ursprung der Häuser, die an die Alte Münze grenzen, kann Enrico Dannies gar nicht so viel sagen. Aufgrund von altem Gemäuer spekuliert er auf das 17. Jahrhundert. Das könne möglich sein, sagt Stadtarchivar Steffen Langusch. Aber auch älter oder jünger. Aufzeichnungen dazu habe er nicht, weshalb auch er nur mutmaßen könne. Übrigens: Der Verein ist für weitere Mitglieder offen, so Dannies. Wer wie die Mitglieder Interesse an historischer Bausubstanz oder altem Handwerk habe und die Leidenschaft mit Gleichgesinnten teilen möchte, könne sich gern bei ihm melden. Denn zu tun ist immer was, so Bruno Sill.