Salzwedel l Ein ungewohntes Bild bot die Kreuzung am alten Wasserturm für Besucher der Salzwedeler Innenstadt am Sonnabendvormittag. Rund 60 Gäste waren der Einladung zu einem Protest-Picknick am „Tag der offenen Gesellschaft“ gefolgt: Zwischen Plakaten, Blumen und Musik lagerten Jung und Alt auf Decken und im mitgebrachten Klappstuhl. Ziel war es, Passanten nach der Corona-Pause, an die Gemeinsamkeiten der Menschen in einer vernetzten Welt zu erinnern.

„Natürlich achten wir auf den Corona-Abstand“, sagt Karolin Lemme, „das ist total wichtig.“ Mindestens ebenso wichtig sei es aber, nicht zu vergessen, dass die oft beklagten Einschränkungen, die Corona für die Menschen in Deutschland gebracht haben, Nichts seien, verglichen mit der Not derjenigen, die Krieg, Not und Hunger aus ihrer Heimat vertrieben haben.

Kräfte gebündelt

Diese Ansicht teilen Manjana Mertens, Lena Wallwitz und Leah Schönwald. Im Namen der örtlichen Fridays for Future-Gruppe hatten die jungen Frauen zu entspanntem Miteinander und handgemachter Musik auf den Vorplatz des Kulturhauses eingeladen: „Wir haben uns bislang auf das Thema der Klimagerechtigkeit konzentriert“, sagt Schönwald. Künftig werde sich die Gruppe auch um Kontakt zu Menschen bemühen, die sich in der Altmark gegen Rassismus, Ausgrenzung und rechte Politik wenden. „Als junge weiße Frau habe ich keinen Rassismus erlebt“, sagt Schönwald. Es sei aber offensichtlich, dass der Schutz der Erde nur möglich sei, wenn sich deren Bewohner ohne Vorurteile begegnen und gemeinsam für den Klimaschutz eintreten. Erfahrungen von Menschen, deren Alltag von rassistischen Anfeindungen bestimmt ist, verlasen die jungen Frauen vor rund 20 Zuhörern, die sich gegen 11 Uhr vor dem Kulturhaus niedergelassen hatten.

Bilder

Beim Ordnungsamt angemeldet hatte das gemeinsame Picknick, zu dem sich die Teilnehmer zeitgleich an mehreren Orten in Salzwedel zusammengefunden hatten, der 38-jährige Philipp Schikora. Die Nachricht zu der Aktion habe sich durch die sozialen Medien und über persönliche Kontakte verbreitet. „Wichtig sei“, sagt Philipp Schikora, „dass überhaupt etwas passiert.“ In großen Städten gäbe es immer wieder Aktionen die dazu einladen, über den eigenen Tellerrand zu schauen. „In der Altmark muss man die Leute von Zeit zu Zeit daran erinnern, dass es keine einfache Lösung für das Zusammenleben von Menschen gibt und nicht derjenige Recht hat, der auf der Straße am lautesten schreit.“