Fitness

Salzwedeler Sportstudios starten nach dem Lockdown

Die Pandemie hat finanziell und physisch bei Betreibern und Kunden der Fitnesstempel in Salzwedel deutliche Spuren hinterlassen.

Von Beate Achilles
Petra Appel und Michael Zauske  stehen nach der  Corona-Zwangspause jetzt  manchmal vor  einem leeren Trainingsraum in der Gesundheitsoase. Die  älteren Mitglieder sind vormittags noch nicht wieder so aktiv wie vor dem Lockdown. Viele  sagen: ?Ich warte mal noch ab?, berichtet Petra Appel.
Petra Appel und Michael Zauske stehen nach der Corona-Zwangspause jetzt manchmal vor einem leeren Trainingsraum in der Gesundheitsoase. Die älteren Mitglieder sind vormittags noch nicht wieder so aktiv wie vor dem Lockdown. Viele sagen: ?Ich warte mal noch ab?, berichtet Petra Appel. Fotos: Beate Achilles

Salzwedel - „Die Leute haben fast alle zugenommen und klagen wieder über Schmerzen, die sie vor der Pandemie durch Training bereits überwunden hatten.“ So fasst Fitness-Unternehmerin Petra Appel von der Gesundheitsoase Salzwedel das körperliche Ergebnis von sieben Monaten Lockdown in ihrem Sportclub zusammen. „Der Blutdruck ist bei vielen wieder angestiegen, die Ausdauer ist weg und viele klagen, dass sie sich steif fühlen“, ergänzt Ehemann Michael Zauske.

In der Gesundheitsoase geht es also wieder ganz von vorne los mit dem Training. Und das gilt nicht nur für die Kunden des Sportstudios: „Auch wir selbst und unsere Kursleiter müssen erstmal wieder trainieren, um unsere alte Fitness zu erreichen“, sagt Petra Appel. „Wir spüren jetzt nach den Kursen auch unsere eigenen Muskeln.“ Um die vorgeschriebenen Abstandsregeln einzuhalten, gibt sie ihre Kurse jetzt mit halbierter Teilnehmerzahl in zwei Durchgängen. Für sie persönlich bedeutet das, ein doppelt so hohes Pensum an Kursen zu bewältigen. „Das ist körperlich sehr herausfordernd, aber wir versuchen, alles irgendwie möglich zu machen“, sagt Appel.

Schlechter Zeitpunkt für Wiedereröffnung

Auch wirtschaftlich habe der Coronalockdown in der Gesundheitsoase Spuren hinterlassen. „Viele Verträge sind in dieser Zeit ausgelaufen, ohne dass die Möglichkeit bestand, mit den Kunden noch mal ein Gespräch zu führen. Diese Mitglieder bekommen wir nicht wieder zurück“, erwartet Petra Appel. Insgesamt sieben Monate waren die Fitnessstudios jetzt geschlossen. Nun dürfen sie zu einem für sie denkbar ungünstigen Zeitpunkt wieder aufmachen. „Die Sommermonate sind im Fitnessbereich immer eher schwach“, erklärt Michael Zauske. Die Leute seien dann lieber im Freien, viele seien auch verreist. Wirtschaftlich wäre es sinnvoller gewesen, im Juni noch nicht wieder zu öffnen. „Aber wir wollten ja starten, die Kunden warteten darauf“, so die Fitnessunternehmer.

Auf wirtschaftliche Probleme infolge der Coronakrise deutete dieser Tage auch ein Inserat auf der Plattform eines Onlineaktionshauses hin. Dort wurde das Life-Line Fitnessstudio in Salzwedel zum Verkauf angeboten. Ein Anruf bei Studiochefin Ilka Meyer brachte Klarheit: „Dieses Inserat eines Maklers dürfte dort gar nicht mehr auftauchen. Der Plan, das Studio zu verkaufen, hat sich schon lange erledigt“, sagt die Unternehmerin.

Sie habe im vergangenen Jahr wegen der Coronakrise jedoch tatsächlich über eine Veräußerung des Studios nachgedacht. Verschiedene Faktoren hätten zu dieser Überlegung geführt. „Einerseits hat bereits der erste Lockdown den ohnehin herrschenden Trainermangel verschärft. Dann durfte das Studio nur über die Sommermonate öffnen. Und schließlich gab es auch noch jede Menge zusätzliche Hygieneauflagen wegen Corona“, listet Meyer die Widrigkeiten auf, mit denen sie sich auseinandersetzen musste. „Ich wollte zu diesem Zeitpunkt eigentlich weniger arbeiten. Stattdessen stand ich nun wieder von früh bis spät im Studio“, so die Unternehmerin.

Krisenbewältigung mit digitaler Technik

Deshalb sei ihr der Gedanke an den Verkauf gekommen. „Es fand sich aber kein Käufer, der einen realistischen Preis bezahlen wollte“, so Meyer. Also suchte sie nach einer anderen Lösung – und fand sie in der Digitalisierung. Sie stattete ihr Studio während der Schließung mit moderner Sicherheitstechnik aus und kann es nun, abgesehen von einigen freiberuflichen Kursleitern, mit vertretbarem Zeitaufwand alleine führen. Selbst die Kontrolle von Coronatests, Impfbescheinigungen und Genesenenausweisen funktioniert damit recht effizient. Die Öffnungszeiten konnte sie dank Zugang über ein Chipsystem sogar ausweiten. Viele Kunden trainieren nach der Ersteinweisung mit Fitness-Apps. Selbst leite sie nur noch Kurse für medizinisches Gerätetraining mit Senioren an, sagt Meyer. „Das erspart mir den Muskelkater, den andere jetzt haben“, ist sie erleichtert.