Salzwedel l Mit Rabatten „50 Prozent auf Osterartikel – 20 Prozent auf den Rest“, wirbt Christoph Ladewig für den Ausverkauf seines Bastelgeschäftes in der Breiten Straße. Nach 21 Jahren schließt, am 30. Juni, der Laden, der sich, nach Auskunft seines Inhabers, mit allerlei Hobbyartikeln eine Stammkundschaft in der Hansestadt erarbeitet hatte.

„Es lohnt sich einfach nicht mehr“, sagt Ladewig, der, nach eigenen Angaben, das Geschäft schön längere Zeit aus Idealismus und im Interesse der Salzwedeler Bevölkerung geführt habe. Da die Stadt aber nach und nach selbst von den hinteren Plätzen der Liste mit touristischen Zielen verschwunden sei und er jahrelang vergeblich darauf gewartet habe, dass die Verwaltung dieser Entwicklung entgegen steuere, sei das Aus am 30. Juni beschlossene Sache. Den Geschäftseinbruch durch das Coronavirus sieht Ladewig als endgültige Bestätigung einer langen Reihe von Warnlichtern für den Einzelhandel.

50 Prozent Nachlass lockt den Sommer

Eine von denen, die den Geschäftseinbruch, den das Coronavirus den meisten Einzelhändlern der Hansestadt beschert hat, lockerer nimmt, ist Ines Eggers. Ihr Bekleidungsgeschäft wirbt mit Nachlässen von 20 bis 50 Prozent auf ausgewählte Röcke, Kleider, Blusen und Hosen. Die Ware stamme aus der aktuellem Kollektion, erzählt Eggers, die ihr Fachgeschäft seit 26 Jahren in Salzwedel führt.

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Auffällige Schilder mit dem ausgewiesenen Rabatten zieren zahlreiche Ständer und Regale in dem Geschäft. Auf den Bügeln finden sich vor allem Kleidungsstücke mit dreiviertel- und langem Arm. „Das sind durchweg Sachen, die ich normalerweise von März bis Mai verkauft hätte“, sagt Eggers und erinnert daran, dass diese ersten Monate des Jahres einen wichtigen Teil zum Jahresumsatz beigetragen hätten. „Im Frühling ist es Zeit, zu schauen, was im Kleiderschrank fehlt“, sagt Eggers: Hochzeiten, der 1. Mai, Ostern und Pfingsten markierten wichtige Meilensteine im Geschäftsjahr. „Das ist nun vorbei“, sagt sie. Nun gelte es, Platz für die Sommerkollektion zu machen. Ihre Rabatt-Aktion wertet Eggers als zusätzliche Motivation für die Kunden. Das Interesse halte sich aber in Grenzen, denn es seien spürbar weniger Menschen in der Stadt unterwegs.

Aus der Schockstarre geweckt

Eine ähnliche Auskunft gibt Bianca Wernecke. Letztere ist die Filialleiterin von Moden Borghaus in Salzwedel. Die ersten zwei Wochen nach der Wiedereröffnung des Geschäftes hatte ein Nachlass von 20 Prozent auf das gesamte Sortiment dafür gesorgt, dass Stammkunden die Corona bedingte Schockstarre überwunden und wieder auf Schnäppchenjagd gegangen seien. Nach Auskunft von Bianca Wernecke habe der Umsatz inzwischen nahezu den Stand erreicht, den das Geschäft vor Ausbruch der Krise verzeichnet hatte. Weil zahlreiche Lieferanten die Bestellungen während der Zwangs-Schließung der Geschäfte von sich aus storniert hätten, laufe das Geschäft, ohne dass sich größere Bestände an Frühjahrsware gesammelt hätten.

Für die Salzwedeler Filiale eines bundesweit tätigen Schuhhändlers startete am Montag, 18. März, schon die dritte Rabatt-Aktion nach der Wiedereröffnung des Geschäftes am 20. April. Die Regale präsentieren durchweg modisches Schuhwerk für die kommende, warme Jahreszeit. Die sogenannten Sneaker gehen mit Preisnachlässen zwischen 20 und 50 Prozent über den Ladentisch. „Das ist bei uns nichts besonderes“, sagt die stellvertretende Filialleiterin, Kristin Dölle. Auch sie merkt an, dass deutlich weniger Menschen auf der Straße seien, als es nach der Wiedereröffnung der Geschäfte der Fall war.

Maske verdirbt Spaß am Einkauf

Offenbar erweise sich auch die Pflicht, beim Einkauf einen Mund- und Nasenschutz zu tragen, als nachteilig auf das Einkaufserlebnis. Für viele Kunden gehöre der unbeschwerte Schwatz mit der Verkäuferin zu einem gelungenen Einkaufserlebnis. Diese Gefühl scheine sich unter der Maske nur widerwillig einstellen zu wollen.

Diesen Eindruck teilt die Inhaberin von Spowa, dem Fachgeschäft für Sport, Spielwaren und Modellbau. Silke Kräuter möchte den Erfolg ihrer Rabatt-Aktion nicht bewerten: „Wir wissen ja nicht, wie das Geschäft ohne den Nachlass gelaufen wäre“, sagt sie. Wichtig sei es in jedem Fall, ein sichtbares Zeichen für den Erhalt der Innenstadt zu setzen und die Menschen daran zu erinnern, dass der Einzelhandel einen Alternative zum Bestellen im Internet bietet.

„Wir haben eine so schöne Stadt“, sagt Kräuter, es sei um jedes Geschäft und Lokal schade, das nun geschlossen werde, was einen Einschnitt in die Lebensqualität für alleEinwohner bedeute.