Salzwedel l „Jede Krise hat auch etwas Positives“, betont Heike Herrmann und ihre Erleichterung ist spürbar. „Die Prüfungsergebnisse sind besser als erwartet“, berichtet die Direktorin der Lessing-Ganztagsschule. Die Zehntklässler waren die ersten Schüler, die nach dem Corona-Stopp Ende April wieder in die Schulen durften. Nach mehreren Wochen ohne Unterricht waren die Befürchtungen groß, dass die Noten bei den diesjährigen Abschlüssen an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen absacken. Doch zumindest in Salzwedel ist in den Prüfungsfächern Mathematik, Deutsch und Englisch eher das Gegenteil eingetreten. Wie konnten die Jugendlichen den vermeintlich verpassten Stoff so schnell aufholen?

Das erklärt Herrmanns Stellvertreter Stefan Hübner. „Wir haben die Schüler wie Wettkämpfer vorbereitet“, sagt der Pädagoge. Das heißt, die angehenden Absolventen haben sich gut zwei Wochen lang, ab dem 24. April, ganz intensiv auf ihre Prüfungsfächer vorbereitet.

Intensiv-Training

Allein durch die Regelungen zum Abstand ergab sich die Situation, dass nicht mehr als zehn Schüler in einer Klasse zusammen kamen. Zudem waren mehr Lehrkräfte frei, weil die anderen Klassen noch nicht wieder in die Bildungseinrichtungen zurückkehren konnten. „Das war wie ein Power-Workout“, beschreibt es der stellvertretende Schulleiter, frei übersetzt: ein Intensiv-Training.

Besonders stolz ist Hübner auch auf die Schüler, die unter besonderen Bedingungen mitgearbeitet haben. „Die Schüler haben einfach mitgemacht und die Lehrer haben mir gesagt: Das hat Spaß gemacht“, berichtet Hübner von einem guten Lernklima in dieser Zeit.

Ziel erreicht

Abschließend kann der Pädagoge erfreulicherweise feststellen: „Corona hatte keine negativen Auswirkungen. Das können wir sicher belegen. Ziel erreicht.“

Nun wünschen sich die Lehrer, dass das System mit den Kleingruppen und intensiven Lernwochen auf das nächste Jahr übertragen werden kann. Doch Hübner ist genau wie seinen Kollegen dabei klar, dass dies eine Herausforderung wird, weil natürlich die Personalsituation passen muss.

Gemeinsame Herangehensweise

Die Herangehensweise während der Corona-Krise hatten die Lessing-Ganztagsschule und die Comeniusschule übrigens abgesprochen, berichtet Hübner. Und so kann auch Norbert Hundt, Schulleiter an der Neutorstraße, positives berichten.

So sagt Hundt über die Vorbereitung auf die Prüfungen an der Comeniusschule, dass es deutlich besser gelaufen sei, als vielleicht im Vorfeld erwartet. Auch dort habe sich der intensive Unterricht positiv auf die Noten ausgewirkt. So seien fast alle Prüfungszensuren im Fach Mathematik besser ausgefallen als die Vorbenotung.

Für den langjährigen Schulchef ist diese Tatsache ein explizites Beispiel für ein Modell, dass schon lange bekannt ist: „Kleinere Lerngruppen bringen größere Erfolge.“

Insgesamt sprechen die Pädagogen von guten Abschlüssen an den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen. Rund 50 Prozent der Lessing-Schüler erreichen einen erweiterten Realschulabschluss. Dieser ist Berechtigung für den Besuch der gymnasialen Oberstufe.

Positiv überrascht

„Ich bin positiv überrascht“, heißt es zu den Ergebnissen von Stefan Thurmann, Sprecher des Bildungsministeriums. Ob sich diese auch landesweit widerspiegeln, konnte Thurmann noch nicht sagen. Dazu fehle noch die Datengrundlage. Erst in der zweiten Junihälfte sollen die landesweiten Ergebnisse vorliegen. Dennoch erklärt Thurmann: „Die Ergebnisse aus Salzwedel sind auch ein Resultat der engagierten Arbeit der Lehrkräfte und der Leistungsbereitschaft der Schüler.“

Im übrigen erklärt der Sprecher, dass es für die Absolventen der Prüfungen in diesem Jahr keine Sonderregelungen, also Erleichterungen gegeben habe. „Vorstellbar ist jedoch, dass die Konzentration ausschließlich auf die schriftlichen Prüfungsfächer in Verbindung mit den Corona-Kleingruppen zu einem positiven Effekt geführt hat.“