Salzwedel l Lessing-Schulleiterin Heike Herrmann bügelte in ihrem Büro bunte selbstgenähte Masken. Zu diesem Zeitpunkt lief der Unterricht bereits. Sie und ihre Kollegen erweisen sich als geschickte Schneider. Denn es war nicht klar, ob alle Schüler ausreichend mit Schutzmaterial ausgestattet sind. Der Kreis hat unterstützt, mit Einwegmasken. Die bunten Selbstgebauten sind zum Wiederverwenden geeignet.

Schon auf der Auffahrt erwarteten die Zehntklässler mit Kreide auf den Beton geschriebene Regeln: „Einzeln gehen, Abstand halten, Aushänge am Tor beachten.“ Trotzdem war es schwer, die Jugendlichen „im Zaum zu halten“, wie die Schulleiterin erklärt. Die Wiedersehensfreude war groß. „Und da ist es nicht einfach, auf zwei voneinander getrennten Pausenarealen zu sein“, sagt sie verständnisvoll. Im Großen und Ganzen habe es aber geklappt. Auch wenn die Zehntklässler ziemlich aufgeregt waren. „Sie haben sich echt gefreut, hier zu sein, und sind dankbar, wieder von ihren Lehrern unterrichtet zu werden“, erzählt sie.

Organisatorisch war alles vorbereitet, die Trennung in Gruppen noch kein Problem. Anders sieht es bei den Fachlehrern aus, die zum Teil zu Risikogruppen gehören und nicht arbeiten können. Richtig schwierig werde es, wenn die 9. Klassen Anfang Mai wieder in den normalen Schulbetrieb starten. „20 Prozent der Lehrer fehlen“, macht sie deutlich.

Bilder

Genug Platz gibt es auch in der Jeetzeschule, wie deren Leiter Berthold Schulze betont. Aufgrund des Schulkonzeptes, das viel Freiarbeit beinhaltet, seien es die Schüler gewohnt, selbstständig zu arbeiten. Das sei jetzt hilfreich, weil ein Lehrer gut mehrere Gruppen betreuen könne. Dennoch hätten die Abiturienten und Zehntklässler wegen der Schulschließung viel wertvolle Vorbereitungszeit in direktem Kontakt mit den Lehrern verloren. Deshalb bleibe er bei seiner Meinung, dass es besser gewesen wäre, die Abschlüsse in diesem Jahr ohne Prüfungen zu vergeben.

Schüler diszipliniert

So richtig zufrieden ist Norbert Hundt, Leiter der Comeniusschule, mit dem Schulstart für die Schulabgänger nicht. „Ich hätte mit dem Unterricht noch bis zum 4. Mai gewartet.“ Doch auch seine Schule musste am Donnerstag wieder anlaufen – zumindest für 41 Zehntklässler in der Prüfungsvorbereitung. „Dafür habe ich ein Konzept erstellt, mit dem das Kollegium einverstanden ist.“ Dieses beginnt, wie an allen Schulen, mit einer Unterschrift. „Die Eltern bestätigen, dass ihre Kinder weder erkältet sind noch Corona-Symptome zeigen oder zuvor im Urlaub waren.“

Wer das nicht tut, komme nicht in den Klassenraum. Wer es unterschrieben hat, den erwartet ein durchgetakteter Plan von 7.30 bis 10.50 Uhr. Nach jedem Unterricht, der 60 statt 45 Minuten geht, wartet eine zehnminütige Pause. Auch die Toilettenpausen sind im Rhythmus geregelt. „So gewährleisten wir, dass maximal zwei Schüler auf Toilette gehen.“ Eine Hofpause für alle entfällt. Erfreut zeigt sich der Schulleiter darüber, dass der Landkreis für alle Schüler und Lehrkräfte Schutzmasken und Desinfektionsmittel bereitgestellt hat. Das lobt auch die Lessing-Schulleiterin. Die Zusammenarbeit funktioniere gut. Die Masken selbst können in der Comeniusschule freiwillig getragen werden. Einige Schüler tragen welche, andere nicht. „Unsere Lehrer haben sich alle dafür entschieden.“

Ob und wie künftig aber ein Vollunterricht stattfinden soll oder kann, bleibt für Norbert Hundt offen. Zumindest die Zehntklässler würden sich derzeit diszipliniert verhalten.

System mit Klebestreifen

Am Jahn-Gymnasium profitieren Schüler und Lehrer von den Erfahrungen, die die Schule beim Ablegen der Abitur-Vorprüfungen am 14. März gesammelt hatte. Begleitet von 18 Lehrern und verteilt über zwölf Klassenzimmer starteten die Absolventen nun zum vorläufigen Endspurt ihrer schulischen Laufbahn.

„Abhängig von den Schülerzahlen je Prüfungsfach bieten unsere Klassenräume Platz für bis zu neun Schüler“, rechnet Direktor Ralf Hoppstock. Den Zugang zu den Unterrichtsräumen regelt ein System von Klebestreifen auf dem Fußboden, ähnlich dem an der Kasse im Supermarkt. Auch einige Schutzmasken, die das Bildungsministerium der Schule hatte zukommen lassen, würden nur in Ausnahmefällen gebraucht. „Die meisten Schüler haben ihre eigene Maske“, sagt Hoppstock.

Daran, die Hände regelmäßig zu waschen, müsse man die Schüler nicht gesondert erinnern. Ralf Hoppstock: „Bei uns ist allen bewusst, dass ein Ausbrechen des Virus während der Prüfungsphase einen spürbaren Einschnitt in die Lebensplanung der Absolventen bedeutet.“ Auch der Beginn eines Studiums ist an Fristen gebunden, erinnert der Schulleiter. Würden diese Termine verpasst, verlören die jungen Leute bis zu einem Jahr.

Geregelt worden sei auch, dass Schüler, die, etwa während der Pausen, die Kontaktgrenzen überschreiten, die Schule verlassen müssen. Geplant sei, die Schule ab Montag, 4. Mai, auch für die 11. Klassen wieder zu öffnen. Mit einem geregelten Unterricht sei aber vor dem Beginn der Sommerferien kaum zu rechnen.

Konsultationstag

An den Berufsbildenden Schulen gab es einen Konsultationstag für die Schüler, die die Fachhochschulreife erwerben wollen. Sie hätten zuvor bereits ständig mit ihren Lehrern in Kontakt gestanden und auf sie zugeschnittene Aufgaben erhalten, die dann kontrolliert werden, erklärt die amtierende Schulleiterin Annerose Rode. Ihr erster Prüfungstag ist bereits am 4. Mai im Fach Deutsch.

Am Montag kommen weitere Prüfungsklassen und Auszubildende im dritten Lehrjahr in die Schule. So die angehenden Erzieherinnen, Verkäufer und Büromanager, die im Juni ihre Prüfungen absolvieren. Sie werden bis dahin künftig einmal pro Woche an der Schule sein. Ab 4. Mai geht es dann für die dritten Lehrjahre der anderen Berufe langsam los mit der Vorbereitung auf die Abschlüsse. Für die vorgeschriebenen Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen sei auch an der BBS gesorgt.