Salzwedel l Niklas Born liegt auf dem Boden. Er ist beim Kippeln mit seinem Stuhl gestürzt. Während Katharina Tontz ihm tröstend zur Seite steht, sind die Sanitäter Mario Bartsch und Lukas Bongers bereits unterwegs – mitsamt Trage und Verbandstasche. Natürlich sind Mario Bartsch und Lukas Bongers keine Sanitäter, sondern Schüler.

Genau wie Katharina Tontz und Niklas Born, der auch nicht wirklich gestürzt ist. Die Szenerie ist Teil des Comics der Fünft- und Sechstklässler. Den haben sie sich unter der Hilfestellung von Mitarbeitern des Verbands junger Medienmacher ausgedacht. Die wiederum kamen zur Pestalozzi-Schule, weil diese erneut das Berufswahl-Siegel Sachsen-Anhalts gewonnen hat. „Wir sind eine Schule mit vorbildlicher Berufswahlorientierung“, erzählt Lehrerin Kirsten Weißbach.

Belohnung für gute Arbeit

Und das nicht ohne Grund. „Unsere achten und neunten Klassen absolvieren Praktika. Unsere Schule nimmt teil am Girls‘ und Boys‘ Day. Und wir gehen beim ,Grünen Erleben‘ mit unseren zweiten und dritten Klassen auf Bauernhöfe“, erklärt Schulsozialleiterin Annemarie Schulze.

Nun erhält die Schule mit Förderschwerpunkt die Belohnung für ihre Arbeit. Das Projekt bietet Abwechslung für die Schüler und Spaß obendrein. „Es ist toll, weil man viel machen kann und es auch unsere Ideen sind“, sagt Mario Bartsch. Auch Katharina Tontz gefällt es. Sie hat selbst Comics zu Hause. „Ich mag besonders Donald Duck, weil der so lustig ist“, erzählt sie.

Cybermobbing großes Problem

Es ist eines von vielen Projekten des Verbands junger Medienmacher. Seine Mitarbeiter sind in Sachsen-Anhalt unterwegs und besuchen Schulen. Zumeist, um junge Menschen an Schülerzeitungen, Online-Medien, Video-Produktionen oder Hörfunk heranzuführen, aber auch um über den richtigen Umgang mit Medien generell aufzuklären. „Wir möchten Medienkompetenz vermitteln. Insbesondere Cybermobbing und Datenschutz spielen eine große Rolle“, erzählt Jugendbildungsreferentin Juliane Jesse. Mittels Rollenspielen wie an der Pestalozzi-Schule sollen bei den Kindern Empathie und Bewusstsein gefördert werden.

Gerade an Gymnasien stünden oft auch die Themen Hasskommentare im Internet und Populismus im Mittelpunkt, sagt Juliane Jesse. Immer häufiger beobachte sie Unsicherheit bei Eltern, weil diese nicht wüssten, wie sie mit dem Thema Medien umgehen sollen.

Drastische Diskussionskultur

„Das ist auch verständlich, sie sind ja selbst nicht mit Medien aufgewachsen“, betont Jesse. „Es ist aber so, dass analoge und digitale Welt ineinander übergehen. Besonders online sieht man eine Verrohung der Diskussionskultur.“ Aber auch in Schulen sei Mobbing nach wie vor ein großes Problem. Sie wünscht sich deshalb ein Konzept für Sachsen-Anhalt. Schließlich gebe es in anderen Bundesländern Medienkunde sogar als Unterrichtsfach.