Pretzier l Dem Start in das Schuljahr 1968/69 dürften die Schüler in Pretzier mit besonderer Spannung entgegen geblickt haben. Immerhin durften sie damals ein nagelneues Schulgebäude in Besitz nehmen. 50 Jahre später beschäftigen sich die heutigen Grundschüler im Rahmen einer Projektwoche vom 11. bis 15. Juni mit dem Ereignis. Am Sonnabend, 16. Juni, steht ab 10 Uhr die öffentliche Feier mit einem Tag der offenen Tür auf dem Plan.

Der 8. September 1968 war für Pretzier ein besonderer Tag. Mit einer großen Feierstunde wurde die neue Polytechnische Oberschule als zentrale Bildungseinrichtung offiziell ihrer Bestimmung übergeben, gut ein Jahr nach der Grundsteinlegung. Die Geschichte des Ortes vor den Toren Salzwedels als Schulstandort ist allerdings wesentlich älter. Bereits 1894 ist die Entscheidung für eine Schule in Pretzier gefallen.

Acht Klassen in einem Raum

Wie in Dorfschulen üblich, erhielten die Klassenstufen 1 bis 8 gemeinsam in einem Raum ihren Unterricht. Erst 1953 kam ein zweites Unterrichtszimmer hinzu. Ein zeitgemäßer Unterricht konnte jedoch auch damit auf Dauer nicht abgesichert werden. Ein modernes Gebäude musste her. Die dazu notwendigen Schülerzahlen konnten über die Zusammenlegung mit mehreren Dorfschulen erreicht werden.

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Nach dem Ende des DDR-Bildungssystems gab es bis zum Schuljahr 2004/05 zwei Schulen unter einem Dach: die Grund- und die Sekundarschule. Seit 2005 sind die Klassenstufen 1 bis 4 unter sich. Um die weitere Zukunft der Bildungseinrichtung ist Schulleiterin Sabine Just nicht bange. Die Zahl von rund 80 Schülern ist weitgehend stabil. Da nunmehr auch Mahlsdorf, Maxdorf und Buchwitz zum Pretzierer Einzugsgebiet gehören, dürfte sich daran in den kommenden Jahren wenig ändern.

Familiäres Miteinander

„Was die Pretzierer Grundschule als einzügige Bildungseinrichtung besonders auszeichnet ist der familiäre Charakter des Miteinanders. Hier kennt jeder jeden. Viele ehemalige Schüler haben heute ihre Kinder bei uns“, stellte die Schulleiterin fest.

Bliebe noch die Frage, ob die Kinder vor 50 Jahren wirklich fleißiger und lernwilliger waren als heute. Ein Blick in die alten Klassenbucheinträge in der Schulchronik gibt darauf jedenfalls keine eindeutige Antwort. So ist dort für den Jahrgang 69/70 vermerkt, dass J. und F. während des Chemieunterrichts Russisch lernten. Ob die Liebe zur russischen Sprache oder eher vergessene Hausaufgaben der Antrieb waren, hat der Chronist nicht festgehalten.

Wenig Lob für ihr Tun während des Unterrichts ernteten auch W., R. und M.. Statt begierig den Ausführungen des Lehrers zu lauschen, spielten die drei Schüler Karten. Da der Gewinner der Runde nicht vermerkt ist, steht die Vermutung im Raum, dass der Lehrer das Spiel unterbrochen haben muss.

Eine Erwähnung wert ist in der Schulchronik zudem das ausgiebige Frühstück von S.L. im Schuljahr 82/83. Dieses war so üppig, das selbst die 4. Stunde nur mit 5 Minuten Verspätung erreicht werden konnte.

Am 16. Juni gibt es sicher reichlich Raum um über diese und andere Begebenheit beim großen Jubiläumsfest zu sprechen. Los geht es um 10 Uhr. Spiel, Spaß und Sport stehen im Mittelpunkt. Die Pretzierer Fußballer laden zu einem kleinen Turnier, die Jugendwehr ist mit Aktionen vor Ort und die Briefmarkenfreunde stellen ihr Hobby vor. Die Versorgung der Gäste sichern die Eltern ab. Die Schüler freuen sich darauf, bei dieser Gelegenheit ihre Schule zu präsentieren.