Bäder

Schwimmunterricht an den Grundschulen in Salzwedel wegen Corona-Pandemie gefährdet

Die Situation an den Grundschulen in der Corona-Pandemie hat auch den Schwimmunterricht beeinträchtigt. In Salzwedel wollen die Schulleiter nun einen neuen Weg gehen. Das Versäumte in den Ferien mit professioneller Hilfe nachzuholen, dürfte schwierig werden.

Von Beate Achilles, Antje Mewes und Christian Ziems
Die meisten Kinder lieben es zu baden. Sicher schwimmen zu können, sorgt dabei für mehr Sicherheit.
Die meisten Kinder lieben es zu baden. Sicher schwimmen zu können, sorgt dabei für mehr Sicherheit. Foto: Malte Schmidt

Arendsee/ Salzwedel - Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) schlägt Alarm. Immer weniger Kinder können beim Verlassen der Grundschule sicher schwimmen. Die Corona-Pandemie habe das Problem verschärft, warnte DLRG-Präsident Achim Haag in einer Pressemitteilung. 2020 habe die Gesellschaft bundesweit bis zu 75 Prozent weniger Schwimmprüfungen abgenommen.

An der Lessing-Grundschule in Salzwedel hat es vor allem die jetzigen dritten Klassen getroffen, die so gut wie gar keinen Schwimmunterricht hatten, schätzt Schulleiterin Lydia Hartmann ein. Erst habe die Schwimmhalle später geöffnet, dann sei sie aufgrund der Corona-Auflagen geschlossen worden. Da die Schule im Ausweich-Domizil an der Sonnenstraße untergebracht ist, sei es logistisch nicht möglich gewesen, die Freibadsaison zu nutzen, bedauert sie.

Momentan werde ein Tag im Freibad für die Lessing-Drittklässler organisiert, damit sie sich mit dem nassen Element vertraut machen und Ängste abbauen können, sagt sie. Grundsätzlich sollen die Jungen und Mädchen in der vierten Klasse den Schwimmunterricht absolvieren. „Es wäre ja katastrophal, wenn ein ganzer Jahrgang nicht schwimmen lernt“, so die Schulleiterin. Sie habe darüber auch mit den Kollegen der anderen Schulen gesprochen. Ihr Vorschlag sei auf Zustimmung gestoßen.

In der vierten Klasse

Das bestätigt Angela Ritter-Hundt, Leiterin der Perver-Grundschule. Dort nutzten die Lehrer seit Freibadöffnung die Zeit, um ausgefallene Übungseinheiten nachzuholen. Zukünftig werde der Schwimmunterricht in die vierte Klasse geschoben. „Das ist in der derzeitigen Situation die beste Lösung und bleibt dann künftig auch so“, erklärt die Schulleiterin. Wichtig sei nun, über den Sommer Kinder, die ängstlich sind, einfühlsam an Wasser zu gewöhnen.

An der Jenny-Marx-Grundschule gab es Schwimmunterricht mit den dritten Klassen bis kurz vor Weihnachten, als die Schwimmhalle in Salzwedel geschlossen wurde, berichtet Schulleiter Falko Pabst. Jetzt seien die Drittklässler seit Anfang Juni wieder zweimal die Woche im Freibad. Ab dem kommenden Schuljahr will die Schule den vierten Klassen ebenfalls Schwimmunterricht anbieten. 14-tägig im Wechsel, kündigt Pabst an.

Die meisten Drittklässler hätten bereits ihr erstes Schwimmabzeichen, und auch für die übrigen sei er optimistisch: „Wir sind gut im Plan und gehen davon aus, dass im nächsten Jahr alle ihr Seepferdchen haben werden“, betont der Pädagoge.

An der evangelischen Grundschule Salzwedel gibt es mit dem Schwimmunterricht laut Schulleiterin Christine Börner keine größeren Probleme wegen der Corona-Krise. „Wir haben in jüngster Zeit das schöne Wetter im Freibad genutzt. Dieses Jahr war bei uns die zweite Klasse mit dem Schwimmunterricht dran“, sagt sie. Da hätten schon viele Kinder schwimmen gekonnt. Börner: „Unsere Eltern achten darauf und setzen sich dafür ein.“ Am Ende der vierten Klasse müsse jeder Schüler ein Jahr Schwimmunterricht gehabt haben. Erst nach der dritten damit anzufangen, findet sie deshalb ein bisschen spät. „An unserer Schule haben wir durch den Corona-Lockdown keine Defizite bei den Schwimmfähigkeiten unserer Schüler“, schätzt sie ein.

Keine Kapazitäten

Das Wichtigste sei, dass die Kinder keine Angst vor dem Wasser haben, meint Falko Pabst. Allerdings: Auch Kinder, die das Seepferdchen hätten, dürften nur unter Aufsicht im tiefen Wasser schwimmen. „Das Abzeichen heißt ja nur, dass ein Kind die Grundlagen erlernt hat. Es bedeutet nicht, dass es perfekt schwimmen kann“, unterstreicht der Schulleiter.

Die Grundschule Arendsee nutzt das kommunale Strandbad an der Blauen Perle alljährlich, um dort Schwimmunterricht für die Schüler anzubieten – so auch 2021. Darüber hinaus gibt es aber derzeit keine weitere Möglichkeit. Die Luftkurort Arendsee GmbH, die die Einrichtung betreibt, könne Schwimmunterricht aus personellen Gründen nicht gewährleisten, erklärte Sonja Nowak, kommissarische Geschäftsführerin der Luftkurort Arendsee GmbH. Denn dafür müsste ein Mitarbeiter abgestellt werden. Der Markt mit zur Verfügung stehenden Fachleuten sei relativ leergefegt. Der laufende Betrieb und die Sicherheit aller Gäste gingen erstmal vor. Der neue Strandbadleiter Jens Dittberner kümmere sich darum, und seine Arbeitskraft sei damit ausgeschöpft. Es gebe aber die Idee, zumindest die Abzeichen abnehmen zu können. Dafür müssten die Teilnehmer aber bereits alles Nötige beherrschen. Wie sich dies konkret im laufenden Betrieb umsetzen lasse, soll noch geklärt werden. „Wir arbeiten daran“, so Sonja Nowak.

Auch im Salzwedeler Freibad wird in den Sommerferien kein Schwimmunterricht angeboten, wie Stadtsprecher Andreas Köhler auf Anfrage mitteilt. „Dieser findet regelmäßig während der Hallenbadsaison in der Salzwedeler Schwimmhalle statt“, erklärt er.