Salzwedel l Im Altmarkkreis ist das Modell der Seniorenassistenz noch weitgehend unbekannt. Katrin Schebesch, die im Salzwedeler Ortsteil Kricheldorf wohnt, wollte sich beruflich noch einmal neu orientieren. Die gebürtiger Stendalerin machte 1987 zuerst eine Lehre zur Kleidungsfacharbeiterin, acht Jahre später legte sie eine Ausbildung zur Arzthelferin nach und arbeitet heute in einer orthopädischen Praxis.

Dann lernte sie eine ältere Dame in Kricheldorf kennen, die sie über mehrere Jahre hinweg bis zu deren Tod betreute. „Dabei ist eine sehr schöne Beziehung entstanden, die mir viel gegeben hat“, erzählt Schebesch. Und damit war der Wunsch geboren, künftig anderen Menschen zu helfen, ihnen zur Seite zu stehen, sie zu motivieren. Ziel: Das Leben als lebenswert zu sehen und sich nicht zu isolieren oder in die Einsamkeit abzurutschen.

Aufmerksamkeit und Zuwendung

„Während der Betreuung habe ich gemerkt, dass Senioren mehr brauchen als nur ein warmes Essen und saubere Kleidung. Gespräche, Spaziergänge, kurz, Begleitung jeglicher Art.“ Deshalb begann Katrin Schebesch eine 120 Stunden umfassende Fortbildung in Hamburg, die sie allerdings selbst finanzieren musste. Nach der erfolgreich abgelegten Prüfung darf sie sich nun Seniorenassistentin nach dem Plöner Modell nennen. Momentan wirkt sie in diesem Bereich noch nebenbei, das Ziel ist allerdings die Selbstständigkeit.

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Aufmerksamkeit, Zuwendung, persönliche Ansprache, anregende Gesellschaft und eine aktive Teilhabe am Leben vermissen zahlreiche Menschen mit zunehmendem Alter am meisten. „Wer einsam ist, dem geht es körperlich und psychisch weniger gut als Menschen, die sich sozial eingebettet fühlen“, heißt es in einer aktuelle Studie aus Finnland.

Häufiger Herzinfarkt

Demnach erleiden sozial isolierte Menschen sogar um 42 Prozent häufiger einen Herzinfarkt und um 39 Prozent häufiger einen Schlaganfall als sozial aktive Menschen. Auch Depression ist ein häufiges Krankheitsbild.

Die professionelle Seniorenassistenz ist eine begleitende Alltagsunterstützung für Senioren und Menschen mit Hilfebedarf. Sie aktiviert und motiviert, schafft Tagesstrukturen und ermöglicht ein selbstbestimmtes Leben. „Seniorenassistenz schließt die Betreuungslücke zwischen Pflege und Hauswirtschaft. Sie unterstützt und entlastet Familien und Angehörige.“ So jedenfalls lautet die eigene Definition der Bundesvereinigung der Seniorenassistenten Deutschland, kurz BdSAD, in der Seniorenassistenten organisiert sind. Bundesweit sind etwa 1000 Menschen – Frauen und Männer – in dieser Funk- tion unterwegs, im Altmark- kreis ist Katrin Schebesch die erste, die diesen Weg geht. „Es gibt allerdings noch Kolleginnen, die in Stendal, Tangerhütte und Tangermünde tätig sind“, berichtet die Mutter von Zwillingen.

Lebensumstände verbessern

Zu einem würdigen und erfüllten Leben gehören Wertschätzung, Anerkennung, geistige Anregungen und soziale Beziehungen. Dinge, die das Leben lebenswert machen. „Als Seniorenassistent geht es vor allem darum, die lebensbegleitenden Umstände der Menschen zu verbessern“, sieht sich die Kricheldorferin und ihre Kollegen in der Pflicht. Der Bedarf in der Betreuung der älteren Menschen ist groß, wird immer größer und ist durch ehrenamtlich Tätige allein nicht mehr zu decken. Dazu gehören unter anderem die Begleitung bei Arztbesuchen, beim Einkaufsbummel oder andere Formen der Unterstützung.

Das Angebot ist allerdings nicht kostenlos. Seniorenassistenten können einmalig, regelmäßig, stunden- oder tageweise angefordert werden. Je nach Erfordernissen. Die Abrechnung der Dienstleistung erfolgt über die Pflegekasse ab Pflegegrad 1 oder aber per Barzahlung.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter den Adressen www.bdsad.de (Bundesvereinigung der Seniorenassistenten Deutschland) und www.die-senioren-assistenten.de