Fotovoltaik

Solarpark: Skepsis überwiegt in Rockenthin

Das nächste Solarpark-Projekt in der Einheitsgemeinde Salzwedel sorgt für Diskussionen. Bei Rockenthin sollen entlang der Bahnstrecke auf 20 Hektar Fotovoltaik-Anlagen aufgestellt werden.

Von Antje Mewes
Auf der rot eingezeichneten Fläche entlang der Bahnlinie soll der 20 Hektar große Solarpark bei Rockenthin entstehen.
Auf der rot eingezeichneten Fläche entlang der Bahnlinie soll der 20 Hektar große Solarpark bei Rockenthin entstehen. Foto: Google Satellite/Wattner Projektentwicklung

Rockenthin - Wie stehen die Rockenthiner zu einem Solarpark, der in der Nähe ihres Dorfes gebaut werden soll? Das wollten die Ortschaftsräte am Dienstag erfahren. An dem Abend wurde das Projekt vorgestellt (siehe Infokasten). Auch einige Stadträte waren zu einer Informationsveranstaltung in das Dorfgemeinschaftshaus gekommen. Denn letztendlich entscheidet der Stadtrat, ob die erforderlichen Beschlüsse zur Planung gefasst werden.

Projektleiter Patrick Ingwer informierte, dass die Pachtverträge für die benötigte Fläche von 20 Hektar zu 90 Prozent abgeschlossen seien. Zudem führte er einen Fakt ins Feld, der überzeugen sollte. Die Steuereinnahmen bleiben zu 90 Prozent in Salzwedel. Zudem kann die Stadt über eine erst kürzlich vom Bund beschlossene Änderung im Erneuerbaren Energien-Gesetz (EEG) an den Einnahmen aus dem erzeugten Strom beteiligt werden. „Mit 0,2 Cent ab der ersten Kilowattstunde“, erklärte er. Das seien pro Hektar 2000 Euro im Jahr, macht bei 20 Hektar 40 000 Euro und nach 20 Jahren habe die Stadt 800 000 Euro mitverdient.

Dann versuchten er und der Geschäftsführer des Unternehmens, Guido Ingwer, mit Umweltaspekten zu überzeugen. In einem Solarpark entwickle sich ein ganz eigenes Biotop. Da keine Raubtiere eindringen können, siedelten sich in erster Linie Vögel, oft auch seltenen Arten an. Es komme zu einer Beruhigung des Bodens und es erfolge, wissenschaftlich belegt, ein Humusaufbau. Werde das Areal mit Schafen beweidet, könne der Landwirt, Ausgleichszahlungen der EU weiter beantragen. Es erfolge keine Versiegelung des Bodens, außer im Bereich der Trafohäuschen. Die Anlagen verursachten keine Emissionen. „Sie sind nicht zu sehen und nicht zu hören“, betonte Guido Ingwer. Sein Unternehmen hat bereits 90 dieser Kraftwerke in ganz Deutschland gebaut.

Diese Argumente konnten bei den Skeptikern im Saal nicht punkten. Was die jährlichen Einnahmen anbelangt, waren sich die meisten sicher, dass in Rockenthin nicht viel davon ankommen werde. Als schlechtes Beispiel musste erneut Liesten herhalten, wo die Bewohner vergebens für ihr Freibad kämpfen. „Das Geld versickert doch wieder bloß in der Stadtkasse“, bemerkte ein Einwohner.

Strombezug nicht möglich

Eine Aussage, die Stadtratsvorsitzenden Gerd Schönfeld auf den Plan rief. Er verwehrte sich gegen den Begriff versickern. „Ich bin dafür, dass ein hoher Anteil nach Rockenthin fließt“, sagte er. Es sei dabei zu bedenken, dass alle Ortsteile von der Stadt profitieren, als Beispiel nannte er die Grundschulen.

Ein weiterer Punkt, den die Einwohner anführten: Sie hätten die Solarplatten vor der Haustür, aber haben nichts davon. „Es ist grauenvoll, darauf zu gucken“, so ein Rockenthiner. Der Strompreis steige und steige. Warum könne der Ort nicht angeschlossen werden und die Bürger günstig den erzeugten Strom beziehen?, lautete eine Frage.

Das sei gesetzlich nicht möglich, entgegnete Ingwer. Eine E-Ladesäule für den Ort aber schon. Was die Sichtbeeinträchtigung anbelange, so habe die Bahn im Zuge des zweigleisigen Ausbaus der Strecke angekündigt, eine mindestens vier Meter hohe Lärmschutzwand in dem Bereich zu bauen. „Dann ist gar nichts mehr zu sehen“, betonte er und versprach, eine entsprechende Simulation zu erarbeiten.

Rahmenbedingungen wichtig

Aussagen die bei den Zweiflern ebenso wenig auf fruchtbaren Boden fielen, wie der Hinweis von Grünen-Stadtrat Martin Schulz auf die aus dem Klimawandel resultierenden Natur-Katastrophen in Süddeutschland.

Wichtig sei nun, „die Rahmenbedingungen zu erfahren“, sprich wieviel Geld Rockenthin erhält. Der Ortschaftsrat wolle weitere Unterlagen sichten, Für und Wider diskutieren und dann eine Entscheiung fällen, so Ortsbürgermeister Holger Schmidt.

Projektleiter Patrick Ingwer stand den Ortschaftsräten und den Einwohnern Rede und Antwort zu geplanten Solarpark.
Projektleiter Patrick Ingwer stand den Ortschaftsräten und den Einwohnern Rede und Antwort zu geplanten Solarpark.
Foto:.Antje Mewes