Salzwedel l „Wir sitzen alle im selben Boot“, sagt Martina Niesig (52), Mitarbeiterin bei der Salzwedeler Tafel. Ein kleiner Blick in ihre Lebensgeschichte verdeutlicht auch, warum sie diesen Satz so deutlich betonen kann. Die 52-Jährige kam über eine Maßnahme der Arbeitsagentur zu ihrem Job bei der Tafel, den sie mittlerweile so gern macht, dass sie auch nach dem Ende ihrer beruflichen Tätigkeit dort weiter ehrenamtlich helfen will.

„Wir machen hier keinen Unterschied“, lenkt sie den Blick im Gespräch mit der Volksstimme aber schnell auf die Hilfebedürftigen, die wöchentlich Lebensmittel bei der Tafel einkaufen. „Das ist die Solidarität“, sagt Martina Niesig, und ihre Kollegin Yvonne Werth (47) stimmt ihr zu.

Private Probleme

120 bis 140 Menschen kommen derzeit jede Woche zu den freitäglichen Ausgaben. Die Zahlen sind in den vergangenen Monaten stabil geblieben. „Viele Rentner sind manchmal richtig traurig“, weiß Yvonne Werth zu berichten. Ihre Kollegin ergänzt, dass viele dann auch von ihren privaten Problemen berichten. „Da haben wir hier auch einen Ort für“, erklärt Martina Niesig. Doch beide wissen auch, dass manche sich gar nicht trauen, bei der Tafel um Hilfe zu bitten.

Dass ihr Engagement nicht immer einfach ist, wissen die beiden Frauen aus den freitäglichen Erfahrungen. Und vor den Ausgabetagen liegt ja auch noch die eigentliche Arbeit. Lebensmittel müssen sortiert, von Fahrern auch nach Klötze gebracht werden oder vorher bei den Supermärkten abgeholt werden. Fahrer werden immer gesucht. Die Arbeit ist da.

Zusammenhalt

Und kein Ausgabetag ähnelt dem anderen, weiß Ronald Lahmann, bei der Diakonie für die Arbeit der Tafel zuständig. „Es gibt Freitage, da kann man hier die Luft schneiden. An anderen Tagen geht es hier zu wie auf dem Jahrmarkt“, erzählt Lahmann. Die beiden Mitarbeiterinnen versuchen dann, sensibel mit den Stimmungen der Kunden umzugehen, in den schwierigen Momenten die richtigen Worte finden – kurzum: Solidarität zeigen. Dass sie selbst auch Solidarität, ein Miteinander und füreinander Einstehen gefunden haben, spricht Martina Niesig nur kurz an. „Die Aufnahme hier war gleich gut“, erinnert sich die 52-Jährige an ihre ersten Arbeitstage an der Schillerstraße. „Bei uns wird viel gelacht, Scherze gemacht und auch Späße mit den Kunden“, berichtet sie. „Natürlich haben auch wir Höhen und Tiefen. Da ist der Zusammenhalt wichtig“, sagt Niesig. „Ihr seid halt ein wilder Haufen guter Seelen“, wirft Ronald Lahmann ein und die beiden Frauen lachen. „Ja, so kann man das sagen“, sagt Yvonne Werth.

Die beiden Mitarbeiterinnen wollen der Tafel noch so lange erhalten bleiben, wie die Hilfe benötigt wird. „Ich mache so lange weiter, wie der Chef mich ertragen kann“, fügt Yvonne Werth mit einem Schmunzeln an. Auch Martina Niesig will nach dem Ende ihrer Maßnahme der Arbeitsagentur weiter helfen. „Ich komme weiter.“