Altmarkkreis l Ein freundliches Maskengesicht begrüßt einen zur Zeit auf der Facebookseite „Mandy Schumacher - Bürgermeisterin für Gardelegen“. Es ist die Stadtchefin höchstpersönlich, die für das Foto einen bunten Mund-Nasen-Schutz angelegt hat. Mit einem einfachen Bild erreicht Mandy Schumacher direkt 1047 Menschen, wenn man davon ausgeht, dass ihr keine Fake-Accounts folgen. Und diese Reichweite nutzt Schumacher regelmäßig, um die Gardelegener schnell mit Infos zur versorgen oder auch, um direkte Fragen zu beantworten. Dieser Service im Netz ersetzt keine offiziellen Bekanntmachungen. Es ist ein Zusatzangebot, so versteht es auch die Bürgermeisterin.

Dieses Zusatzangebot benötigt aber auch Zeit. Denn nicht immer sind ihr die Kommentare auf der Seite wohlgesonnen. Auch Beleidigungen gab es schon, weshalb die Bürgermeisterin, das Forum, welches sie den Facebook-Nutzern bietet, auch moderieren muss.

Schumacher allein unterwegs

Mit diesem Angebot steht die Gardelegener Bürgermeisterin im Altmarkkreis allerdings ziemlich allein da. Soziale Medien werden von allen anderen Bürgermeistern der Region vernachlässigt oder bewusst nicht bedient. Dabei gibt es verschiedene Gründe.

Für Salzwedels Bürgermeisterin Sabine Blümel antwortete Stadtsprecher Andreas Köhler auf die Anfrage der Volksstimme. In seinem Schreiben bleibt die Frage offen, ob die Bürgermeisterin der Hansestadt eines der Sozialen Netzwerke Facebook, Twitter oder Instagram privat oder für ihre Arbeit nutzt. Stattdessen verweist Köhler auf die Internetseite www.salzwedel.de und den Facebook-Auftritt des Kulturhauses als Informationsquellen.

Schattenseiten im Blick

„Die sozialen Medien/Netzwerke sind sicherlich ein schneller Informationsweg“, schreibt der Stadtsprecher. Er schränkt aber ein, dass es immer auch um Glaubwürdigkeit der Informationen, die Informationsdichte, die Übersichtlichkeit sowie die Qualität des Austausches gehe. „Diese Grundlagen sind in sozialen Medien nicht immer einzuhalten“, erklärt Köhler. Zudem sieht die Stadtverwaltung wohl Probleme mit dem Datenschutz. „Der Landesdatenschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, Stefan Brink, hatte erst Anfang des Jahres die Frage aufgeworfen, wie datenschutzkonform die Nutzung derartiger Dienste für Behörden sei. Daher wäre eine klare, eindeutige rechtliche Regelung für Kommunen und Amtsträger wünschenswert.“

Verweis auf Stadthomepage

Uwe Bartels, Bürgermeister der Stadt Klötze, begründet seine Nicht-Nutzung sozialer Medien als Amtsträger mit dem Zeitaufwand. Deshalb sei auch in naher Zukunft kein Profil Bartels bei Facebook, Twitter oder Instagram geplant. „Grund dafür ist die ständige Präsenz und Bearbeitung der Anfragen und Austausche. Dieses ist durch unser Personal beziehungsweise den Bürgermeister nicht zu leisten“, schreibt Kerstin Lilienthal im Auftrag des Stadtchefs.

Im Norden des Altmarkkreises verweist das Arendseer Stadtoberhaupt Norman Klebe auf die Internetseite der Kommune sowie auf den Facebook-Auftritt der Luftkurort Arendsee GmbH. „Über die vorbenannten Medien werden auch Pressemitteilungen veröffentlicht“, sagt Klebe. Privat nutze er lediglich Facebook - „und das auch nur minimal“.

Warum man sich auf Stadtebene gegen die Nutzung entschieden hat, beantwortet Norman Klebe nicht.

Keine Bühne geben

Auch in Kalbe wird die Datenleitung für anderes genutzt, als den Informationsaustausch über Soziale Netzwerke. Weder aktuell noch in naher Zukunft werde die Stadt die sozialen Medien institutionell nutzen, schreibt Bürgermeister Karsten Ruth. „Das gilt grundsätzlich auch für mich als Bürgermeister“, fügt er an. Auch Ruth verweist auf den Zeit- und Personalfaktor: „Aktivitäten in den Sozialen Medien bedürfen bei einer sinnhaften und effektiven Anwendung einer sehr zeitnahen und unter Umständen auch ausführlichen Reaktion, die nicht hinreichend vom Rathaus abgesichert werden kann.“ Und der Bürgermeister von Kalbe benennt auch die Schattenseiten im Netz.

So sei festzustellen, dass auf den Plattformen im Internet immer wieder von einigen Nutzern aus der Anonymität heraus unqualifizierte und unsachliche Kommentare abgesetzt würden. Bei den genannten Nutzern sei „offensichtlich eine charakterliche Befähigung zum direkten Kontakt nicht vorhanden“, wird Ruth deutlich. Diesem Klientel solle keine Bühne gebaut werden, meint der Ortschef.

Aus der Verwaltung der Verbandsgemeinde (VG) Beetzendorf-Diesdorf gab es keine Antwort auf die Anfrage der Volksstimme. Profile von VG-Bürgermeister Michael Olms bei einem der genannten Netzwerke sind der Redaktion nicht bekannt.

Positive Beispiele

Im Gegensatz zu ihren Amtskollegen setzt Mandy Schumacher weiter auf die Karte soziale Medien. „Wir werden demnächst eine Kollegin für ein paar Stunden dafür einstellen“, berichtet sie aus ihrer Verwaltung.

Und Schumacher kann bereits einige positive Beispiele nennen, bei denen der schnelle Austausch im Internet der Stadt genützt habe. „Das sehe ich zum Beispiel bei den Antworten auf Stellenanzeigen“, berichtet die Bürgermeisterin. Und ganz aktuell in der Coronakrise, sei der Zuspruch zum neuen Gutschein-Angebot für Gardelegener Einzelhändler bei Facebook groß gewesen. Bei Twitter und Instagram ist Schumacher übrigens auch nicht aktiv, denn auch für sie hat der Tag nur 24 Stunden.