Salzwedel l Die für Besucher der Stadtratssitzung bereitgestellten Stühle waren am Mittwochabend (16. September) gut besetzt. Bereits eine Stunde vor Beginn war der Kulturhausvorplatz von Demonstranten bevölkert. Mit Sprechchören forderten sie den Erhalt des Waldbades und sammelten Unterschriften, mit denen sie ihrer Forderung Nachdruck verleihen wollen. Auch Bürgermeisterin Sabine Blümel unterschrieb, als sie auf ihrem Weg ins Kulturhaus an den Protestierenden vorbei kam und angesprochen wurde. Rund 1000 Unterschriften wurden ihr wenig später übergeben.

Hörbarer Unmut

Dass es nach gut zwei Jahren seit der Schließung der beliebten Freizeitstätte immer noch keine Lösung für eine baldige Wiedereröffnung gibt, sorgte für hörbaren Unmut. Die Liestener nutzten die Einwohnerfragestunde, um zu erfahren, warum es nicht vorwärtsgeht. Für Cornelia Schwertfeger aus Liesten war es wichtig, dass ein Nutzungsvertrag mit dem Förderverein für das Waldbad zustande kommt. „Er liegt der Stadtverwaltung seit zwei Jahren und es wäre für beide Parteien gut, wenn er endlich unterschrieben wird“, sagte sie. Dann könne der Verein in Eigenregie Fördergeld akquirieren, beispielsweise von Lotto-Toto.

Die Stadt habe dem Verein einen Vertrag vorgelegt, aber es sei nicht zum Abschluss gekommen, entgegnete die Bürgermeisterin. Angeboten worden seien Kauf oder Pacht. Um nicht mehr auf die Stadt angewiesen zu sein, komme nur ein Kauf für den symbolischen einen Euro in Frage. Bei einem Nutzungsvertrag „hänge die Stadt mit der Haftung drin.“ Mit den 250  000 Euro Sponsorengeld, über die der Verein verfügen könne, sei es nicht getan. „Das ist ein kompletter Neubau“, konstatierte Blümel.

Fragen an die Bürgermeisterin

Auf das Problem mit dem immer noch nicht abgeschlossenen Nutzungsvertrag kam auch Lisa Schulz aus Liesten zu sprechen. Es sei schon lange eine korrigierte Version an die Stadtverwaltung zurückgegeben worden. „Aber wir haben seitdem nichts mehr gehört“, mahnte sie. Es sei für den Waldbad-Verein aber immens wichtig, dahingehend Sicherheit zu haben.

Was sie denn in den überhaupt für das Waldbad getan habe, wollte ein weiterer Liestener von der Bürgermeisterin wissen. „Ich habe mich zwei Jahre lang weit aus dem Fenster gelegt, um das Bad offen zu halten“, polterte Blümel zurück. Im Sommer 2017 war es mitten in der Saison wegen Baumängeln geschlossen und seitdem nicht mehr geöffnet worden.

Seitenhieb auf Stadträte

Einen Seitenhieb gab es auch in Richtung Stadtrat. Sie gehe davon aus, dass die knapp 40 Leute als gewählte Vertreter eine eigene Meinung haben und „mal dagegen halten“, sagte eine Einwohnerin von Liesten. Aber augenscheinlich gelte nur das Wort der Bürgermeisterin.

Die konnte mit einer versöhnlichen Botschaft aufwarten. Die Stadtverwaltung sei intensiv bemüht, ein passendes Förderprogramm für das Waldbad zu finden. Das einzige, bei dem die Voraussetzungen erfüllt werden könnten, sei das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“.

Bis zum 30. Oktober entscheide sich, ob das Bad in Liesten für den Projektaufruf 2020 berücksichtigt wird. Wenn nicht, sollen für 2021 erneut Anträge gestellt werden, nicht nur für das Waldbad, sondern auch für das Salzwedeler Freibad, die Schwimmhalle und das Mehrgenerationenhaus. Das hatte Blümel bereits in ihrem Bericht angekündigt. Dafür stünden dann bundesweit 400 Millionen Euro zur Verfügung. In diesem Jahr sind es 600 Millionen Euro. Ob die Anträge gestellt werden oder nicht, entscheide der Stadtrat.