Eigenheim

Steingärten sind im Altmarkkreis Salzwedel seit März verboten

Seit dem ersten März 2021 dürfen Steingärten in Sachsen-Anhalt nicht mehr neu angelegt werden. In Einfamilienhausgebieten von Salzwedel sind sie oft zu sehen.

16.07.2021, 01:30
Viel Stein, wenig Grün - Steingärten versprechen, ohne großen Pflegeaufwand ordentlich auszusehen. Doch sie tragen zum Aufheizen der Stadt bei, versiegeln  viel Fläche und lassen der Natur zu wenig Raum. Deshalb dürfen sie nicht mehr neu angelegt werden.
Viel Stein, wenig Grün - Steingärten versprechen, ohne großen Pflegeaufwand ordentlich auszusehen. Doch sie tragen zum Aufheizen der Stadt bei, versiegeln viel Fläche und lassen der Natur zu wenig Raum. Deshalb dürfen sie nicht mehr neu angelegt werden. Foto: Beate Achilles

Von Beate Achilles - Salzwedel

Schotter und Fließ gegen das Unkraut, Sichtschutzpaneele aus Kunststoff statt Hecke. Das Angebot in Bau- und Gartenmärkten für Grundstücksbesitzer, die Zeit und Arbeit sparen wollen, ist vielfältig. Und die Kunden nutzen es gern, wie ein Besuch beispielsweise im Salzwedeler Neubaugebiet nördlich der Bundesstraße 71 zeigt. Vereinzelt gibt es im Umland von Salzwedel sogar Gartenbesitzer, die im Außenbereich zwischen ihre Steinplatten Kunststoffpflanzen gesetzt haben. Wie kommt es zu dieser Entwicklung. Was sagen Experten und die Kreisverwaltung dazu?

Adina Lemke leitet das Gartencenter im Hagebaumarkt Salzwedel. Sie führt die Popularität von Steingärten darauf zurück, dass die Kunden einerseits Zeit sparen wollen, andererseits aber auch auf den Klimawandel reagieren. „Viele Kunden wollen im Vorgarten nicht mehr so viel Unkraut rupfen und gießen. Wo sie vorher Tannen und Koniferen hatten, merken sie, dass diese Pflanzen jetzt wegen Trockenheit eingehen“, berichtet sie. Sie sehe den Trend zum Steingarten jedoch kritisch. „Das kann nicht sein, dann kriegen wir immer weniger Insekten“, warnt die Gartenexpertin.

Gartenbauexperten nicht begeistert

„Es gibt ja Alternativen“, stimmt Gartenunternehmer Peter Schierz aus Salzwedel mit ein. „Man kann auch Pflanzen setzen, die nicht so viel Wasser brauchen.“ Das treffe beispielsweise auf Gräser und Stauden wie Lavendel zu. Heutzutage gebe es außerdem gute Bewässerungssysteme, die nur 25 bis 30 Prozent des Wassers benötigten wie ein Gartenschlauch.

Auch Hecken gebe es immer weniger, beklagt Adina Lemke vom Hagebaumarkt. Stattdessen wählten die Leute lieber Sichtschutzelemente, die es heute aus pflegefreiem, sehr langlebigem Kunststoff gebe. „Hecken sind aber unverzichtbar als Nistplatz für Vögel, als Versteck und als Lebensraum für Insekten“, sagt die Gartenexpertin. Kunststoffpflanzen würde sie aus Prinzip gar nicht erst ins Programm nehmen.

Gartenbauunternehmer Oliver Edelmann aus Salzwedel verzeichnet ebenfalls eine hohe Nachfrage nach pflegeleichten Lösungen. „Steingärten sind gefragt. Aber ich mache das nicht, weil ich es nicht gut finde“, sagt er. „Die Leute wollen Steingärten, um sich Arbeit zu sparen, aber das ist tatsächlich gar nicht der Fall“, gibt Edelmann zu bedenken. Es siedele sich trotzdem wieder Unkraut an und dann seien die Kunden enttäuscht.

Unkrautzupfen bei vielen Hausbesitzern unbeliebt

Dabei seien es weniger die älteren Leute, die Steingärten nachfragen, sondern eher die Berufstätigen in den Neubaugebieten. Sie hätten kleine Gärten und keine Lust, sich mit Unkrautzupfen zu belasten. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) warnt auf seiner Homepage, dass Schottergärten biologisch gesehen häufig tot seien, denn sie böten den meisten Tieren und Pflanzen weder Nahrung noch Lebensraum. Unter den stark verdichteten Oberflächen lebe im Erdreich nichts mehr. Die Bodenfruchtbarkeit gehe dadurch verloren und mit ihr sehr viel wertvoller Boden, der in einer Zukunft mit Ressourcenmangel und Klimawandel fehlen werde.

Die Landesregierung hat inzwischen gesetzgeberisch gegengesteuert. Seit dem 1. März dieses Jahres ist es in Sachsen-Anhalt in aller Regel verboten, einen Schottergarten neu anzulegen. Nicht überbaute Bereiche auf bebauten Grundstücken müssen für Regenwasser aufnahmefähig bleiben und begrünt oder bepflanzt werden.

„Ziel ist, die Versiegelung von Bodenflächen auf das notwendige Maß zu beschränken, um die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und zudem gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse zu sichern“, erläutert Birgit Eurich, Pressesprecherin des Altmarkkreises Salzwedel, auf Nachfrage der Volksstimme. Auch eine Verwendung von „Plastikblumen“ im Außenbereich sei unter Berücksichtigung der genannten Ziele zu prüfen, so die Kreis-Pressesprecherin. Der Altmarkkreis Salzwedel sei als Bauaufsichtsbehörde für die Einhaltung der Vorschriften der Landesbauordnung zuständig.

Altmarkkreis sieht aktuell keine Rechtsverstöße

Würden ihm Rechtsverstöße angezeigt oder durch Ortskontrollen bekannt, würden ordnungsbehördliche Maßnahmen geprüft und eingeleitet. Gegenwärtig lägen ihm dazu jedoch keine Erfahrungen vor. Aktuell sei kein solcher Rechtsverstoß angezeigt. Eine flächendeckende Überwachung sehe der Gesetzgeber jedoch nicht vor.

„Das Gesetz verbietet Steingärten. Aber es wird leider zu wenig dagegen unternommen, und deswegen machen es die Leute“, bringt Oliver Edelmann es auf den Punkt.