Salzwedel l Zweieinhalb Monate sind vergangen, seit die Straße im Südbockhorn zunächst teilweise wieder befahrbar war. Für die Anwohner stand das Bauvorhaben von Anfang an unter keinem guten Stern und auch nach der Fertigstellung reißt die Kritik nicht ab. „Es ist eine Katastrophe. Ich bin enttäuscht, wie das hier abläuft“, sagt die Vorsitzende des Bauausschusses, Sabine Danicke (Freie Fraktion).

Starkes Gefälle

Selbst Anwohnerin der Straße sei sie davon ausgegangen, dass die Mängel aufgenommen und schnellstmöglich abgestellt werden. Vor allem das zu starke Gefälle der Gehwege von der Neuperverstraße bis zur Einmündung des Nordbockhorns sei aus ihrer Sicht zügig zu beheben. Die Anwohner haben ermittelt, dass es zwischen 7 und 16 Prozent beträgt. Ausgeschrieben seien 2,5 Prozent gewesen, wie Stadtsprecher Andreas Köhler Ende Mai erklärt hatte. Auf die Anfrage, in welchem Umfang die Gehwege neu gestaltet werden müssen, wann dies erfolgt und welche Beeinträchtigungen sich daraus ergeben, teilte er mit: „Der Gehwegbereich zwischen Neuperverstraße und Nordbockhorn ist von der Stadtverwaltung noch nicht abgenommen“.

Zwölf Tage Frist

Laut Baurecht gilt dafür eine Frist von zwölf Werktagen, die mit einer Vereinbarung verlängert werden kann. Ob eine Verlängerung abgesprochen ist, wisse sie nicht, sagt Sabine Danicke. Die Stadtverwaltung komme ihrer Informationspflicht in keiner Weise nach. „So schlimm habe ich mir das auch nicht vorgestellt“, betont sie. Selbst als Ausschussvorsitzende erhalte sie keine Antworten. Die Bürger ebenfalls nicht und darüber herrsche große Unzufriedenheit. „Das mit dem schrägen Gehweg geht gar nicht“, sagt sie. Es müsse bis zum Winter abgestellt sein. „Sonst laufen die Leute bei Glätte auf der Straße“, befürchtet sie. Passanten mit Rollator, Kinderwagen oder Rollstuhl haben in einigen Bereichen Mühe, nicht in Richtung Fahrbahn abzudriften.

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Lampe falsch gesetzt

Der Bürgersteig ist nur das eine. Am Nordockhorner Winkel sei eine Lampe falsch gesetzt worden, obwohl die Kabel vorhanden waren. Sie habe darum kämpfen müssen, dass der Fehler behoben wurde. Das Setzen der neuen Bäume, das eigentlich im Frühjahr geplant war, ist auf den Herbst verschoben worden. Die dafür vorgesehenen Flächen verkrauten und müssen von Mitarbeitern des Bauhofes bearbeitet werden. „Das alles verursacht zusätzliche Kosten“, sagt Danicke. Dabei wolle sie den Neubau gar nicht schlecht reden. Im Großen und Ganzen sei die Straße „ganz schön“ geworden.

Das findet auch Ingo Drechsel, der die Anwohner im Kampf gegen die Straßenausbaubeiträge maßgeblich vertreten hat. „Wir warten jetzt auf die Entscheidung im Landtag“, sagt er. Die Koalitionsfraktionen der Landesregierung hatten sich Anfang Juni darauf verständigt, die Beiträge rückwirkend zum 1. Januar 2020 abzuschaffen.

Nicht alles gelungen

Nicht alles bei dem Bauvorhaben sei gelungen. Die Anwohner erwarteten, dass die Baumängel beseitigt werden. Auch die Wohnhäuser sind nicht verschont geblieben. Die schwere Technik hat Erschütterung und damit Risse in Gebäuden verursacht. Seines Wissens nach, sei jedes zweite Haus betroffen. Ein Gutachter habe die Schäden dokumentiert. Die Eigentümer der betroffenen Häuser warten nun darauf, wie die Gewährleistung geregelt wird, wollen Handwerker bestellen und die Reparaturen auf den Weg bringen. Doch bislang gebe es keine Informationen dazu. Die Kommunikation zwischen Anwohnern, Verwaltung und Planerin sei von Anfang an schlecht gewesen. Mit den Mitarbeitern der Baufirma sei es besser gelaufen. „Das war okay“, findet Drechsel.

Allerdings gibt es noch ein Ärgernis. Seit die Straße fertig ist, werde dort gerast. Deshalb wollen die Anlieger eine Tempo-30-Zone erwirken. Die in Aussicht gestellte Verkehrsberuhigung, weil die Radfahrer auf der Fahrbahn fahren müssen, da es keinen separaten Radweg gibt, sei nicht eingetreten. Im Gegenteil, für Radler sei es nicht ungefährlich dort unterwegs zu sein. Erst Recht nach den Sperrungen für die Bauarbeiten an der Ortsdurchfahrt. Einheimische würden jetzt verstärkt durch den Südbockhorn fahren, das Verkehrsaufkommen habe sich erhöht.