Pferdeschänder

Stute Flocke mit Stichen verletzt

Ein Unbekannter hat auf einer Weide bei Hanum eine Stute mit Stichen in den Genitalbereich verletzt. Pferdehalter sind in Sorge.

Von Antje Mewes

Hanum l Inzwischen geht es Flocke wieder besser. Die Wunden, die der Oldenburger Stute zugefügt worden sind, verheilen. Geschwollene Stellen im Genitalbereich zeugen von den Verletzungen, die das Tier erlitten hat. Sogar in der Scheide hat der Tierarzt Stichwunden festgestellt. Besitzer Mario Greilich war entsetzt, als er am vorigen Sonnabend auf die Koppel kam. Das gesamte Hinterteil des Pferdes war blutverschmiert, um die Fliegen zu vertreiben hatte die Stute mit dem Schweif das Blut bis zum Brustkorb auf ihrem weißen Fell verteilt. Zunächst konnte er sich keinen Reim darauf machen, bis er die Stichwunden sah. Dass sich das Pferd selbst verletzt hat, sei ausgeschlossen. Das habe der Tierarzt bestätigt. Den Zeitraum, in dem die Tat geschehen sein muss, kann Mario Greilich genau eingrenzen. Er hatte am Vorabend nach den Tieren gesehen. Und sich am nächsten Tag gewundert, warum Flocke in der Ecke steht und die anderen Tiere der Herde um sie herum. Warum ausgerechnet die Schimmelstute? Sie ist mit vier weiteren Pferden zusammen auf der Weide. „Wir nehmen an, weil sie die Größte ist“, sagt Mario Greilich.

Er ist froh, dass an jenem Tag seine Tochter nicht mit ihm auf die Koppel gefahren ist. Flocke ist das Lieblingspferd der Elfjährigen, die am Montag Geburtstag hatte. „Auf ihr ist sie zum ersten Mal Galopp geritten“, sagt der Vater lächelnd.

Die 20-jährige Schimmelstute hat es in ihrem Leben nicht immer so gut gehabt wie auf der „OpenYourSoulRanch“ der Familie Greilich. Sie stammt aus einer schlechten Haltung. Kam abgemagert und verängstigt in Hanum an. „Wir haben sie mühsam wieder aufgebaut und nun das“, sagt der Pferdebesitzer, der therapeutische Ausbildung für Reiter und Pferd anbietet.

Das Tier habe inzwischen tiefes Vertrauen zu Menschen gefasst. Als ihr Besitzer sie ruft, dreht Flocke sich sofort um und kommt herbei getrottet, lässt sich auch ohne Halfter führen. Sie steht ganz ruhig mit leicht gesenktem Kopf, als Mario Greilich den Schweif zur Seite nimmt und die hässlichen, schmerzhaften Wunden zeigt, die das Tier davongetragen hat. Vielleicht ist ihr diese Zutraulichkeit zum Verhängnis geworden? „So sind alle unsere Pferde. Sie sind unsere Freunde und Familienmitglieder“, betont Greilich. Aus dieser Sicht hätte es also auch Flockes Weidegenossen treffen können.

Das tiefe Unverständnis über die Tat paart sich mit Sorge. Zum einen davor, dass der Täter erneut zuschlagen könnte. Zum Anderen: „Wer sich an einem harmlosen Tier vergreift, schreckt vielleicht auch nicht davor zurück mit Menschen das Gleiche zu machen“, sagt der Hanumer. Er empfiehlt demjenigen „dringend einen Psychologen aufzusuchen.“

Gleichzeitig hoffen die Greilichs und alle anderen Hanumer Pferdehalter, dass der oder die Täter ermittelt werden. Bis dahin versuchen sie, verstärkt auf die Tiere auf den Weiden außerhalb des Dorfes zu achten und auch auf Fremde, die dort möglicherweise unterwegs sind. Die Familie Greilich betreut 15 Pferde, neun eigene und sechs ihnen anvertraute. „Die fremden Pferde stehen alle am Hof, die haben wir immer im Blick“, sagte Mario Greilich. Allerdings bleibt die traurige Gewissheit, dass ein absoluter Schutz vor solchen Untaten nicht möglich ist.

Das sieht auch Elmar Baur so, der gemeinsam mit Kristina Gerber Inhaber des Gutes Hanum ist. Dort ist auch das Jübarer Gemeindepferd, die Lippizanerstute Ariosa, untergebracht. „Wir können nur hoffen, dass es nicht noch einmal passiert“, sagt er. Er sieht keinen Chance, auf den sechs Hektar großen Wiesen des Gutes die Tiere umfassend zu schützen.

Die Polizei ermittelt weiter in dem Fall, wie Gerd Schönfeld, Pressebeauftragter des Salzwedeler Polizeireviers auf Volksstimme-Anfrage informiert. Die Beamten sind dabei auf Hinweise angewiesen und bitten darum, mögliche Beobachtungen, die mit der Tat zusammenhängen könnten, unter Telefon: 03901/84 80 mitzuteilen.