Salzwedel l „Sie sagten: ,Mal Drogen probieren ist völlig okay‘. Ist das Ihre persönliche Meinung?“, wollte Volker Holtmeier, beratendes Mitglied im Jugendhilfeausschuss, am Mittwoch von Dörte Metelmann wissen. „Das ist meine pädagogische Einstellung“, entgegnete diese. Das Probieren lasse sich nicht verhindern, vor allem in der Pubertät. Abstinenz sei nicht erzwingbar. Aber es sei möglich, den Beginn hinauszuzögern oder durch Prävention gemeinsam darauf hinzuwirken, dass bewusster entschieden werde.

Die Sozialpädagogin, die die Fachstelle für Suchtprävention bei der Awo-Sozialdienst GmbH, zu finden in der Gartenstraße 27 in Gardelegen, leitet, stellte dem Ausschuss ihre Angebote vor. Ziel sei es, Wissen über Drogen zu vermitteln. Vor allem legale Suchtmittel wie Nikotin und Alkohol würden Probleme bereiten.

Nein-Sagen lernen

Zur erfolgreichen Suchtprävention gehöre, Lebenskompetenzen zu vermitteln und auch das Nein-Sagen zu lernen, erklärte Dörte Metelmann. „Kinder müssen stark gemacht werden. Das geht nur durch kontinuierliche Arbeit über Jahre“, fügte sie hinzu. Ansetzen wolle sie ab der fünften Klasse – in Kooperation mit den Schulsozialarbeitern. In der achten Klasse würde beispielsweise das Thema Jugendschutz im Mittelpunkt stehen. „Da finden die Jugendweihen statt. Aber mit 14 Jahren ist Alkoholkonsum noch nicht erlaubt“, nannte die Sozialpädagogin ein Beispiel.

Sie wolle die Erzieher-Klassen in den Berufsbildenden Schulen Salzwedel (BBS) besuchen, um Wissen zu vermitteln. Von den Absolventen erhoffe sie sich das Weiternutzen der Informationen in den künftigen Arbeitsstellen. Ansprechpartner wolle sie auch für Schüler des Berufsvorbereitungsjahres der BBS sein. Bei einigen gebe es ein hohes Potential zur Sucht.

Geplante Veranstaltungen

Einige Veranstaltungen rund um die Suchtprävention seien schon geplant. So solle es am 1. Juni in Gardelegen ein großes Familienfest geben. Gardelegener Gymnasiasten absolvieren am 28. Juni und 1. Juli, Miester Sekundarschüler am 3. Juli den sogenannten Klar-Sicht-Parcour, bei dem es um Alkohol und Nikotin geht. Am 13. November wird Ex-Junkie Dominik Forster in Gardelegen zu Gast sein, der über seine Chrystal-Meth-Drogensucht spricht. Vormittags würde er mit Neunt- und Zehntklässlern ins Gespräch kommen, später mit den Eltern. Die Kooperation mit den Erziehungsberechtigten sei ebenfalls eine Säule einer erfolgreichen Suchtprävention, die mit thematischen Abenden verstärkt umgesetzt werden solle.

„Wichtig ist mir auch die Weiterbildung von Lehrkräften. Diese soll im August beginnen“, sagte Dörte Metelmann. Diese würden unter anderem im Umgang mit suchtkranken Eltern, die statistisch jedes sechste Kind habe, geschult. Fachkräfte aus Kinder- und Jugendheimen würden ebenfalls Wissen rund um Süchte an die Hand bekommen. Mädchen, die in Heimen leben, würden dreimal so oft rauchen wie Mädchen, die in intakten Familien heranwachsen, nannte sie das Ergebnis einer Studie.

Arbeitskreis wiederbeleben

Die Sozialpädagogin hat noch ein weiteres Ziel: Sie will den Arbeitskreis Prävention Altmark-West wiederbelegen, den einst Claudia Masuch geführt hatte. Das sei die Chance, um Bildungsträger, psychiatrische Kliniken und Schulsozialarbeiter zusammenzuführen, um gemeinsam eine Strategie gegen das Suchtverhalten zu entwickeln. Wichtig sei es heutzutage, dass die Angebote Projektcharakter hätten und möglichst außerhalb des gewohnten Umfeldes stattfinden.

Ausschussmitglied Dr. Hans-Joachim Becker erinnerte daran, dass der Jugendhilfe- und der Sozialausschuss „zur dringlichen Notwendigkeit der Stelle beigetragen“ hätten. Er riet Dörte Metelmann, die Zusammenarbeit mit allen Beratungsstellen im Blick zu behalten. Denn auch die Schuldner-, Familien- und Schwangerenberatung könne wertvolle Hilfe geben.