Diesdorf l Wenn in der Zeitung über die Aufgabe eines Geschäftes in der Altmark berichtet wird, dann war es in der jüngeren Vergangenheit häufig so, dass sich die Türen des Ladens auch für immer schlossen. Einen Nachfolger zu finden, bleibt für viele Geschäftsinhaber der Region eine sehr schwierige Aufgabe. Den Schritt in die Selbstständigkeit trauen sich nur wenige zu, Geschäftsübergaben in der eigenen Familie werden seltener. Doch in Diesdorf kam es nun zu einem kleinen Wunder.

Ab Februar geschlossen

„Ja, das ist es“, sagt Mandy Struhs (40) im Gespräch mit der Volksstimme. Die Höddelsenerin übernimmt den „Nah und Gut“-Lebensmitteladen, bisher Edeka, in Diesdorf, der zunächst am 31. Januar schließt. Dort wurde sie vor 24 Jahren selbst ausgebildet.

Bereits Ende 2018 entschied dessen bisherige Inhaberin Sabine Gebhardt (59) das Geschäft abzugeben. „Ich ziehe mich einfach zurück“, sagt die Frau, die 1993 den Supermarkt selbst bauen ließ und sich früh für die Zusammenarbeit mit der Edeka entschied. „Ich war damals schon im Einzelhandel und habe dann beschlossen, für Diesdorf etwas zu machen“, erzählt die 59-Jährige. 26 Jahre später will die Geschäftsinhaberin nun beruflich kürzer treten. „Man muss zur rechten Zeit den Absprung schaffen“, sagt sie. Sabine Gebhardt will „einfach etwas ruhiger treten, das Leben genießen“.

Im Sommer 2019 ging Gebhardt dann gezielter auf die Suche nach einer Nachfolge. Und dabei traf sie auf ihre ehemalige Auszubildende Mandy Struhs. Die 40-Jährige war nach 21 Jahren als Filialleiterin bei Lidl in Bad Bodenteich ausgeschieden und auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Schon länger habe sie mit der Selbstständigkeit geliebäugelt, berichtet sie.

„Da bin ich einfach mal nach Diesdorf gefahren und stand nach 24 Jahren wieder vor meiner ehemaligen Chefin“, erzählt Mandy Struhs, mit der sie schnell wieder auf einer Wellenlänge war. Ergebnis der Gespräche: Die Frau aus Höddelsen kauft den Supermarkt komplett. Allerdings endet die Zusammenarbeit mit Edeka zum 31. Januar.

Neueröffnung im April

„Dann wird richtig umgebaut“, berichtet Struhs vom Konzept des neuen Partners Rewe. „Wir sind als Nahversorger so etwas wie die kleine Schwester der großen Rewe-Märkte“, sagt die Einzelhandelsexpertin. „Alles, was man braucht“, soll es im neuen Laden geben. So werde eine neue Backstation aufgebaut, aber auch der Landbäcker werde in seine bestehende Filiale im Laden investieren. Modernisiert werde das komplette Erscheinungsbild: Neue Regale, Maler- und Elektrikerarbeiten zählt die neue Chefin auf. Auch die Öffnungszeiten werden angepasst. Ab Freitag, 3. April, dann soll die Neueröffnung gefeiert werden, hat der Supermarkt montags bis sonnabends von 7 bis 19 Uhr geöffnet. „Es heißt dann Nahkauf“, erzählt Mandy Struhs.

„Ich bin überglücklich“, betont Sabine Gebhardt, auch wenn sie weiß, dass einige Stammkunden auch über ihren Weggang traurig sind. „Doch ich habe ja das Glück, eine Nachfolgerin gefunden zu haben“, betont sie.

Das Glück haben in diesem Fall auch einige ihrer bisherigen Mitarbeiter. „Sie konnten sich bei Rewe bewerben“, berichtet Gebhardt. Mandy Struhs beabsichtigt, auch sie zu übernehmen. Doch nicht alle machen den Wechsel mit, haben sich teilweise anders entschieden. Acht Mitarbeiter sollen dann ab April im modernisierten Geschäft tätig sein.

Mandy Struhs geht mit großem Optimismus an ihre neue Aufgabe heran. Sie ist alleinstehend, hat eine zehnjährige Tochter. „Meine Familie steht dahinter“, sieht sich die 40-Jährige gewappnet für die Zukunft und: „Die Diesdorfer kennen mich.“