Hilmsen l Der erste 3D-Druck sei schon fertig, erzählt Luke Sides und stellt ein kleines blaues Schwein auf den Tisch. Dann fügt er augenzwinkernd hinzu, dass er „leckere“ Kunst machen wolle. „Die Doktoren haben zu mir gesagt, dass ich vieles nicht mehr essen soll. Für mich sind die Arbeiten wie eine Erinnerung daran, aber auch ein Mahnmal für das, was schmeckt“, sagt der Lehrer für Skulptur, 3D- und Metall-Design sowie Schweißen, der in der Nähe von Dallas in Texas unterrichtet.

Er sei zum zweiten Mal in Hilmsen. Im Vorjahr, so erinnert er sich, habe er mit Kurt Dyrhaug darüber geredet, dass das Atelierhaus das passende Ambiente für ein Symposium biete. Denn hier gebe es gute Möglichkeiten, dass Künstler und Masterstudenten kreativ arbeiten könnten. „Das wird total cool, aber auch heiß“, blickt Luke Sides voraus.

Wundervolle Menschen in der Altmark

Kurt Dyrhaug aus Beaumont in Texas ist schon das fünfte Mal in der Altmark. „Hier gibt es wundervolle Menschen und eine wundervolle Communité“, begründet er seine Anhänglichkeit. In Hilmsen hat der Amerikaner mit dafür gesorgt, dass sich die kunstinteressierten Altmärker etwas unter Eisenguss vorstellen können. Diesmal wolle er sich im 3D-Druck ausprobieren, eine Arbeit in Bronze, die anderen in Eisen gießen. Und er wolle wieder Zeichnungen mit Patinierung fertigen, das Dargestellte sozusagen altern lassen.

„Hier gibt es keine Ablenkung. Der Raum zum Kreativsein steht jederzeit zur Verfügung“, hebt er den Vorteil des Symposiums im Atelierhaus hervor. Dies sei jedoch nur möglich, weil die Familien die Reise nach Deutschland unterstützen würden. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Kurt Dyrhaug.

Etwas über sich lernen

Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Künstlern und drei Masterstudenten. „Wir sind alle Profis, haben aber hier die Chance, etwas über uns zu lernen. Das wird aufregend“, fügt er hinzu.

Gemeinsam mit seinem Freund und Künstler Hans Molzberger werde er das Symposium leiten. „Wir werden elf Künstler da haben, die alle Erfahrung mit Metallgüssen haben. Jeder hat seine eigenen Stärken und Stile. Da kann man viel voneinander lernen“, ergänzt der Hilmsener.

Cliff Tresner, der Zeichnen und Malen, aber auch Bildhauerei an der Univerity of Lousiana in Monroe unterrichtet, findet alles im Atelierhaus „sehr beeindruckend“. Nach einem dreitägigen Aufenthalt in München sei er gerade erst in der Altmark angekommen. Gehört habe er von dem Symposium übrigens an seiner Universität, an der Kurt Dyrhaug eine Ausstellung hatte. „Er hat so gut darüber geredet, dass es mich einfach interessiert hat“, erzählt er. Was er genau machen wolle, das ergebe sich noch. Aber eins weiß Cliff Tresner bereits: „Ich freue mich darauf zu sehen, was mit Eisen bei einem Guss passiert. Und ich möchte Erfahrungen im 3D-Druck sammeln.“ Das neue Wissen wolle er dann mit seinen Studenten teilen.

Landschaft wie in der Kindheit

Die Landschaft in Hilmsen erinnert Austin ShePPard aus Duart (North Carolina) an seine Kindheit. „Ich bin auf einer Farm aufgewachsen. Dort sah es ähnlich aus. Deshalb kommt es mir bekannt vor“, schildert der Lehrer, der Skulptur und Malerei unterrichtet. Er habe schon einige Ideen. Aber die würden sich jetzt erst noch entwickeln, auch durch den täglichen Kontakt mit den Kollegen. „Solch ein Symposium bereichert meine Arbeit, lässt mich kreativ werden“, fügt er hinzu.

Im Laufe der Woche reisen die weiteren Teilnehmer des Symposiums an: Michael Baggarly und Hunter Mollenkopf aus Tennessee, Carl Billingsly und Trip Jarvis aus North Carolina, Christen Bouffard und Wendy Croskrey aus Alaska, Matthew Eaton aus New Mexico, Lauren Koch aus Georgia, David Marquez aus Kentucky sowie Evelyn Neumann aus Deutschland.

Studio steht am 1. August offen

„Wer sehen möchte, was hier so entsteht, ist am Mittwoch, 1. August, ab 19 Uhr zu einem offenen Studio nach Hilmsen Nr. 1 eingeladen“, sagt Hans Molzberger. Und noch einen zweiten Termin wird es während des Symposiums geben: einen öffentlichen Eisenguss, der am Sonntag, 5. August, um 14 Uhr auf dem Gelände des Atelierhauses beginnt. Dann werden auch die Arbeiten, die bislang entstanden seien, ausgestellt sein.