Salzwede l Über dem Gelände von Paradiesfrucht formieren sich dunkle Wolken; vor den Toren gelbe Westen. Grund: Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gastwirtschaft (NGG) protestiert mit Mitarbeitern der Firma. Es geht um transparente Verträge, um Löhne und Arbeitsbedingungen.

Bereits im Juli dieses Jahres forderte die Gewerkschaft die Geschäftsführung zur Aufnahme von Tarifverhandlungen auf. Das Unternehmen steigere die Produktionskapazitäten und habe sich zu einem weltweiten Spezialisten in der verarbeitenden Industrie entwickelt, den Lohn der Mitarbeiter aber nicht erhöht, bemängelte Gewerkschaftssekretär Thomas Gawron.

Protest vor der Firma

Nun, zwei Monate später, verleiht Gawron seinen Worten mit einem Protest vor dem Firmengelände Nachdruck und formuliert erneut die Forderungen der NGG: „Wir wollen transparente und sichere Arbeitsbedingngen.“ Und dies könne aus seiner Sicht nur mit einem ausgehandelten Haustarifvertrag gelingen. Schließlich würde sich mehr als die Hälfte der Belegschaft in dieser Gewerkschaft organisieren.

„Derzeit wissen die Mitarbeiter nicht, was sie am Ende des Monats bekommen“, klagt er und verweist auf die Gesundheitsprämie der Firma. 150 Euro würden nur jene Mitarbeiter bekommen, die keinen Tag im Monat krank sind.

„Das ist eine freiwillige Prämie“, erläutert Paradiesfrucht-Geschäftsführer Bernd Wiesinger: „Wir belohnen für Anwesenheit.“ Wenn die Gewerkschaft dies nicht möchte, könne man es auch lassen.

„Das Werk in Salzwedel ist ausgelastet und Marktführer“, sagt der Gewerkschaftssekretär, „nur nicht bei den Tarifverträgen.“ Der Einstiegslohn würde seit 2017 9,75 Euro betragen. Daher fordert die Gewerschaft „Armutsfeste Löhne“. Diese sehen einen Stundenlohn von mindestens 12,64 Euro vor.

Grenzen der Retabilität

Zum einen würden die Zulagen, die Paradiesfrucht zahle, der NGG nicht mitgeteilt, erzählt Bernd Wiesinger. Zum anderen sei Paradiesfrucht der einzige Gefriertrockner, der die EEG-Umlage zahle. Mit der EEG-Umlage wird der Ausbau der Erneuerbaren Energien finanziert. Demgegenüber stehe die Konkurrenz, die die Umlage nicht zahle und im Ausland nur 600 bis 900 Euro im Monat den Mitarbeitern zahle, so der Geschäftsführer. „Es gibt auch eine Grenze für Rentabilität für Produktionen in Deutschland“, erinnert Wiesinger die NGG.