Salzwedel l Bürgermeisterin Sabine Blümel hatte schon im Finanzausschuss klargestellt, dass sie um den Betrieb des Tierheims in Hoyersburg keine Diskussion mehr wolle. Die Fraktionsvorsitzenden hätten sich einstimmig für Verhandlungen mit dem Tierschutzverein Ahlum ausgesprochen. Dem Auftrag sei sie nachgekommen.

Ausschreibung und nicht das dickste Portmonee

Verhandlungen aufzunehmen heiße nicht gleich, sich auf einen Verkauf festzulegen und ändere nichts an dem Antrag, den Tierschutzverein mit dem besten Konzept zu beauftragen, entgegnete Nils Krümmel, Vorsitzender der Freien Fraktion. Das sah auch Marco Heide von den Linken so. Beim Tierschutz sollte „nicht der Bewerber mit dem dicksten Portmonee“ zum Zuge kommen, sagte er und auch nicht hinter verschlossenen Türen entschieden werden. Bisher hätten die Bürger keine Möglichkeit gehabt, sich zu informieren. „Das beschäftigt die Öffentlichkeit“, erinnerte der Linken-Stadtrat die Gremiumsmitglieder.

Nur wenn die Stadt das Objekt in ihrem Eigentum behalte, habe sie die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, mahnte Sascha Gille von der Freien Fraktion. „Wenn wir das aus der Hand geben, ist das vorbei“, betonte er mit Blick auf die Querelen der letzten Monate.

Unabhängige Ausschreibung

Sascha Gille regte eine unabhängige Ausschreibung an, um die Konzepte vergleichen zu können. Schließlich haben neben dem Tierhilfsdienst aus Ahlum auch der alte Betreiber, der Tierschutzverein Salzwedel und der Verein Pfotenhilfe um Ex-Tierheim-Chefin Nancy Schulz, ihren Hut in den Ring geworfen. Dafür sprach sich auch seine Fraktionskollegin, Sabine Danicke aus. „Damit wir vergleichen können“, betonte sie. Die Freie Fraktion hatte zum Groll der Bürgermeisterin die Tierheim-Debatte auf die Tagesordnung des Stadtrates gebracht.

„Wir hatten bisher auch keinen Einfluss“, entgegnete die Bürgermeisterin auf den Einwand von Gille. Was in den zurückliegenden Jahren mit den internen Streitigkeiten im Tierschutzverein Salzwedel los gewesen und an die Öffentlichkeit gedrungen sei, habe dem Ansehen der Stadt geschadet.

Unterhaltungsstau im sechsstelligen Bereich

„Gucken Sie in den Haushalt“, betonte Blümel mit Blick in Richtung Marco Heide. Im Tierheim gebe es einen Unterhaltungsstau im sechsstelligen Bereich. „Wir waren uns einig“, mahnte sie in Richtung der Fraktionen und: „Die Gebäude unterhalten dann andere“.

Dem Tierwohl sei Genüge getan. Der Ahlumer Verein habe Referenzen vorzuweisen und wolle auf dem Gelände eine Tierpension und ein Heim einrichten. Schon jetzt erfülle er für die Stadt die Pflichtaufgabe Tierschutz, so Sabine Blümel. Künftig soll dies mit einer fallbezogenen Pauschal je Tier erfolgen. Bislang hatte die Stadt jährlich eine Summe von 56  200 Euro an den Tierschutzverein Salzwedel gezahlt. Wie hoch diese Pauschale schlussendlich ist, hinterfragten die Stadträte in der Sitzung nicht. Auch dem aktuellen Haushaltsentwurf ist die Höhe nicht zu entnehmen.

„Das ist die günstigste Variante“, befand SPD-Fraktionsvorsitzender Norbert Hundt. Das sah auch sein Mitstreiter Holger Lahne so. Im Tierschutzverein Salzwedel und Umgebung gebe es schon so lange Zwistigkeiten, es sei an der Zeit, einen Schlusspunkt zu setzen. Arne Beckmann (Land bis Stadt) sprach von einem „Vertrauensvorschuss“, der der Bürgermeisterin für die Verhandlungen zugestanden werden sollte. Außerdem regte er an, dass die Stadträte sich mit den Kassenprüfern des Tierschutzvereins unterhalten sollten, um sich ein vollständiges Bild der Lage zu machen.

Werteausgleich-Forderung nicht thematisiert

Letztendlich verlief die Abstimmung, den Betrieb des Tierheims auszuschreiben, knapp. Dennoch wurde er mehrheitlich abgelehnt. Damit ist der Weg für den Verkauf des Tierheimgeländes frei.

Was gar nicht thematisiert wurde, war die Forderung des Tierschutzvereins. Dieser verlangt von der Stadt einen Wertausgleich in Höhe von 190 000 Euro für Investitionen in der Vergangenheit. Daher ist das letzte Wort in der Causa Tierheim wohl nicht gesprochen.