Salzwedel/Jahrsau l Auf dem Ortsausgangsschild des Dorfes Jeebel bei Salzwedel steht: Jahrsau, drei Kilometer. Wer auf dem holprigen Kopfsteinpflaster an Feldern und Obstbäumenen vorbeifährt, kommt dort aber nie an. Von Jahrsau ist weit und breit nichts zu sehen. Stattdessen stehen dort Informationsschilder mit der Aufschrift: „Wüstung Jahrsau“. Das Dorf Jahrsau gibt es nicht mehr. Die deutsche Teilung machte ihm 1970 ein Ende.

1375 wurde das Rundlingsdorf urkundlich erwähnt. Versteckt zwischen Auenwäldern und Sumpfwiesen, hatte der Ort mehrere Kriege überstanden, bis die DDR ihm den Garaus machte. Bereits bei der Aktion „Ungeziefer“ 1952 hatte das Regime drei Familien zwangsumgesiedelt. Grund: Jahrsau lag zu nah an der Zonengrenze. Damit war das Schicksal des Dorfs besiegelt. 1961 zwang die DDR-Regierung schließlich auch die verbliebenen Dorfbewohner, ihre Heimat endgültig zu verlassen. Doch nicht nur sie mussten weichen. Neun Jahre später rückten die Abrisskommandos an. Nur die Kirchenglocke überlebte – in der Kirche des benachbarten Klein Chüden.

Denkmal

Heute sind Jahrsaus Überreste ein stummer Zeuge der wechselhaften deutschen Geschichte. Sie erinnern an die Zwänge, denen die Menschen ausgeliefert waren. Das Landesamt für Denkmalpflege hat die Wüstung Jahrsau samt Zaunabschnitt der ehemaligen Grenze als Zeugnis der Teilung in die Liste der Denkmale des Landes aufgenommen.

Vergessene Orte - Jahrsau

Salzwedel/Jahrsau (ao) l 1375 erstmals urkundlich erwähnt, verschwand Jahrsau bei Salzwedel 1970 von der Landkarte. Der DDR-Führung lag der Ort zu nah an der damaligen innerdeutschen Grenze. Übrig blieb eine Wüstung.

  • Ein Stein erinnert an das Dorf Jahrsau. Foto: Alexander Rekow

    Ein Stein erinnert an das Dorf Jahrsau. Foto: Alexander Rekow

  • Treppenstufen führen ins Nichts. Foto: Alexander Rekow

    Treppenstufen führen ins Nichts. Foto: Alexander Rekow

  • Der Wegweiser zur Wüstung. Foto: Alexander Rekow

    Der Wegweiser zur Wüstung. Foto: Alexander Rekow

  • Die Grundmauern eines Gehöftes haben die Jahrzehnte überstanden. Foto: Alexander Rekow

    Die Grundmauern eines Gehöftes haben die Jahrzehnte überstanden. Foto: Alexander Rekow

  • Die alten Mauern sind von Moos überzogen. Foto: Alexander Rekow

    Die alten Mauern sind von Moos überzogen. Foto: Alexander Rekow

  • Feldgeschirr erinnert an die Grenzer, die in der Altmark ihren Dienst taten. Foto: Alexander Rekow

    Feldgeschirr erinnert an die Grenzer, die in der Altmark ihren Dienst taten. Foto: Alexander Rekow

  • DDR-Dosenfisch aus Sassnitz – eine von vielen Konserven. Foto: Alexander Rekow

    DDR-Dosenfisch aus Sassnitz – eine von vielen Konserven. Foto: Alexander Rekow

  • Schilder verweisen auf die ehemaligen Höfe. Foto: Alexander Rekow

    Schilder verweisen auf die ehemaligen Höfe. Foto: Alexander Rekow

  • Der Stuhl stand einst in einem Bauernhaus. Foto: Alexander Rekow

    Der Stuhl stand einst in einem Bauernhaus. Foto: Alexander Rekow

  • Der weiße Draht diente den Grenzern als Stolperschnur und löste Platzpatronen aus. Foto: Alexander Rekow

    Der weiße Draht diente den Grenzern als Stolperschnur und löste Platzpatronen aus. Foto...

  • Schmalzfleisch gehörte zur Grundausstattung der Grenztruppen. Foto: Alexander Rekow

    Schmalzfleisch gehörte zur Grundausstattung der Grenztruppen. Foto: Alexander Rekow

  • Hier planschen nur noch Vögel. Foto: Alexander Rekow

    Hier planschen nur noch Vögel. Foto: Alexander Rekow