Salzwedel l Meist im Oktober ist es für Naturfreunde ein imposantes Schauspiel, wenn plötzlich zehn oder mehr Rotmilane über den Feldern kreisen. Sie sind dann auf dem Zug in wärmere Länder. Ihr Ziel: die iberische Halbinsel, Mitteleuropa oder Südfrankreich. Dennoch lassen sich die eleganten Greifvögel rund um Salzwedel noch am Himmel beobachten, wenn sie auf der Suche nach Beute oder Kadavern sind.

Auch Kraniche stehen vereinzelt auf den Äckern, wie bei Klein Gartz und an der Elbe in Polte kommt ein Storch regelmäßig zum dort befindlichen Horst zurück. Eigentliche Abflugzeit für die Adebare: August/September.

Bei Christoph Kaatz vom Storchenhof in Loburg sind schon mehrere Meldungen über Störche eingegangen, die anscheinend keine Lust auf den langen Flug nach Afrika oder Südspanien haben. Sie sind in Gruppen beispielsweise in Dessau an der Elbe und Mulde gesichtet worden. Im Südwesten Deutschlands sehen einige Störche ebenfalls keine Veranlassung, die anstrengende und gefährliche Reise anzutreten und bleiben lieber „daheim“, wie der Storchenvater aus Loburg weiß. Ob das bereits die Auswirkungen des Klimawandels sind, vermag er nicht einzuschätzen. Anscheinend finden die Störche noch genug zu Fressen. Klug, wie sie sind, erschließen sie sich auch andere Nahrungsquellen, wie beispielsweise in Tiergärten und in einigen Fällen werden sie gefüttert. Künstliche Futterquellen, wie offene Müllkippen, sorgen ebenfalls für ein abweichendes Zugverhalten, wie der Fachmann erklärt

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Überwinterung in Spanien

Den Ornithologen Olaf Oljenik vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) wundert es nicht, dass Kraniche und Milane in der Region geblieben sind. „Das ist nichts Besonderes und auf die milde Witterung zurückzuführen“, sagt er. Einige Kraniche haben auch auf dem Zug von Skandinavien kommend hier gestoppt. Es sei für sie nicht leicht, über die Mittelgebirge und Frankreich in ihre Überwinterungszonen in Spanien zu gelangen. Rund 90 Prozent der Kraniche ziehen in diese Gebiete. Ein beliebtes Ziel der Vögel sei die Extremadura in Westspanien, wo sie in den mediterranen Eichenwäldern reichlich Eicheln als Nahrung finden.

Wenn die Umstände es zulassen, bleiben einige in der Altmark. Auf noch nicht bestellten ehemaligen Maisfläche finden sie Futter, und auch die flachen Gewässer zum Übernachten sind nach den Regenfällen der Herbstmonate wieder gefüllt. Zwar seien es nicht Hunderte, aber sogar einige Standpaare bleiben in ihrem Revier, hat er beobachtet.

Gute Bedingungen

Der Milan finde aktuell ebenfalls noch gute Bedingungen vor. Die Wiesen seien im Herbst meist noch einmal gemäht worden und auch auf den Feldern sei noch Beute vorhanden.

Wintergäste aus dem Norden sind neben Wildgänsen beispielsweise Bachstelzen oder Wachholderdrosseln, die sich momentan hier wohlfühlen. Die Wachholderdrosseln finden im feuchten lockeren Boden noch Würmer, erklärt er. Zudem ernähren sie sich von noch nicht verfaultem Fallobst und Schwarzdornfrüchten und anderen Beeren. Weitere Wintergäste, die auf Feldern zu beobachten sind, sind die imposanten Singschwäne.

Weniger Wildgänse

Die Zahl der in der rund am Arendsee und an der Elbe überwinternden Wildgänse sei stark zurückgegangen. Warum das so ist, sei bisher nicht bekannt. Es wird vermutet, dass sie an den Niederrhein und nach Holland weiterziehen, erklärt Oljenik.

Ein gutes Jahr mit überdurchschnittlichen Bruterfolgen war 2019 für Bodenbrüter, wie beispielsweise Rebhühner, Braun- und Schwarzkehlchen oder Grauammern. Sie profitierten von der warmen trockenen Witterung. Ebenso alle Vögel, die sich von Mäusen ernähren wie Greife und Eulen. Schlecht war das zweite Dürrejahr in Folge für alle Gefiederten die auf naturnahe Feuchtgebiete als Lebensraum angewiesen sind, wie Schnepfenartige, wie die Bekassine und Kiebitze.