Salzwedel l Momentan ist der Bundestagswahlkreis Altmark mit vier Abgeordneten in Berlin vertreten. Der Wahlkreis 66 umfasst den Altmarkkreis Salzwedel und den Landkreis Stendal. Mit fast 472 000 Hektar Fläche ist er mit Abstand der größte in Sachsen-Anhalt. Er hat aber im Vergleich zu anderen Wahlkreisen mit rund 201 000 Menschen die wenigsten Einwohner.

Doch bald könnten fünf Bundestagsabgeordnete daraus werden – so viele wie noch nie. Möglich würde diese Situation, sobald sich Marina Kermer (SPD) dafür entscheidet, als Nachfolgerin von Burkhard Lischka dessen Bundestagsmandat anzutreten und die altmärkischen Farben in Berlin zu vertreten. Doch das scheint nicht so einfach zu sein.

Rückzug angekündigt

Zwar hatte bereits Anfang Januar der Magdeburger Abgeordnete Lischka seinen Rückzug als Landeschef der SPD angekündigt. „Mein Ziel war es immer, mich nie gänzlich von der hauptamtlichen Politik abhängig zu machen und irgendwann einmal in meinen alten Beruf als Notar zurückzukehren“, begründete Lischka seine Entscheidung. Deutlich überraschender für die Genossen dagegen war im Januar sein erklärter Verzicht auf das Bundestagsmandat, das er „in der zweiten Jahreshälfte aufgeben“ wolle, ohne einen genauen Zeitpunkt zu bestimmen.

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Problem: unbestimmte Zeitangabe

Doch gerade darin liegt des Pudels Kern. Später war zu hören, Lischka höre im Herbst auf. Diese unbestimmte Zeitangabe stellt für Marina Kermer, die bereits von 2013 bis 2017 Mitglied des Bundestags war, ein Problem dar. Sie steht als Nachrückerin an erster Stelle. Ob sie das Mandat annehmen wird, das steht noch nicht fest. „Erst wenn ich das Datum schwarz auf weiß habe, kann ich eine Entscheidung treffen“, sagte Kermer gegenüber der Volksstimme. Und darin liegt das Dilemma der SPD und der Genossen in der Altmark. Weil der eine (Lischka) nichts Konkretes sagen will, kann deshalb die andere (Kermer) nicht entscheiden.

Licht ins Dunkel bringt auch nicht unbedingt eine Nachfrage im Berliner Büro Lischkas. „Es gibt immer noch den gleichen Stand, mehr können wir momentan nicht sagen“, heißt es dort lediglich.

Das bedeutet, irgendwann im Herbst will Lischka aufhören. Das könnte sich ziehen, denn der Winter beginnt am 1. Dezember – zumindest für die Meteorologen. Der kalendarische oder astronomische Winteranfang ist noch später – am 21. oder 22. Dezember.

Keine Spekulationen

„Bis zur offiziellen Mandatsniederlegung kann die Frage, ob Marina Kermer antritt oder nicht, offen bleiben“, sagte Martin Krems-Möbbeck, Pressesprecher der Landes-SPD. Dem Landesverband liege bislang weder eine Erklärung von Burkhard Lischka noch Marina Kermers vor. Zu beiden Personalien wollte Krems-Möbbeck nichts weiter sagen. „Ich beteilige mich nicht an Spekulationen.“

Sollte Kermer Nein zum Mandat sagen, wären Dr. Eberhard Brecht aus dem Wahlkreis 68 (Harz) und Dr. Franziska Kersten (Wahlkreis 67: Börde – Jerichower Land) an der Reihe. Nach Informationen der Volksstimme sollen allerdings beide keine große Lust auf das Mandat verspüren. Der Nächste in der Reihe wäre dann Steffen Globig (Wahlkreis 71 Anhalt). Eine Kontaktaufnahme zu dem Trio hat es laut Landes-SPD noch nicht gegeben.