Salzwedel l Sie sind bedeutende Zeugnisse kirchlichen und weltlichen Lebens. „Und sie Zeugen von mittelalterlicher Frömmigkeit und sind damit für die Denkmalpflege von immensem Wert“, erklärte Elisabeth Rüber-Schütte vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie am Dienstagnachmittag im Lorenzsaal der St. Marien-Gemeinde in Salzwedel. Gemeint sind mehr als 70 mittelalterliche Wandmalereien in altmärkischen Kirchen.

In einem gebietsübergreifenden Kooperationsprojekt – beteiligt sind die Kirchenkreise Salzwedel und Stendal sowie das Landesamt für Denkmalpflege mit diversen wissenschaftlichen Mitarbeitern – werden die teilweise mehrere Jahrhunderte alten Wandmalereien nun katalogisiert. „Auf der Basis vorhandener restauratorischer Voruntersuchungen sollen die Wandmalereien aus kunsthistorischer, bau- und restaurationsgeschichtlicher sowie kunsttechnologischer Sicht erforscht werden“, heißt es in der Projektbeschreibung.

Am Dienstag wurden die ersten Erkenntnisse der Öffentlichkeit vorgestellt. Zuvor hatten alle beteiligten Wissenschaftlter, Vertreter der Kirchenkreise und des Landesamtes sowie Vertreter der Leader-Aktionsgruppen „Mittlere Altmark“ und „Uchte-Tanger-Elbe“ den aktuellen Stand der Arbeiten besprochen. Mit EU-Leadermitteln wird das Projekt mit rund 100 000 Euro gefördert. Begrüßt wurden die Wissenschaftler und Besucher von Superintendent Matthias Heinrich.

Besonderes Interesse

Anhand einiger Bilder wurden einige Wandmalereien in der Präsentation besonders hervorgehoben. Darunter unter anderem die relativ einfachen Tierdarstellungen in der Jübarer Dorfkirche. Auch Darstellungen der sogenannten Butterhexe, wie in der Kirche in Wistedt, erregen das besondere Interesse der Forscher. Ein Ergebnis, des seit einem Jahr laufenden Projektes, sind zudem die Funde zweier weiterer Malereien. Sie wurden in den Kirchen in Krüden und Krumke (beide Landkreis Stendal) entdeckt. Oftmals sind die Malereien auch unter dem Putz versteckt. Teilweise eventuell als Folge der Reformation.

Nach der Vorstellung des Projektes nutzte unter anderem Sigrun Pawelzik vom Gemeindekirchenrat in Bombeck die Chance zu Nachfragen. „Wir können bei uns in der Kirche keine Spinnweben mehr von den Wänden fegen, weil sonst die Farbe mit herunter kommt“, berichtete sie. Pawelzik wollte wissen, ob das Projekt auch in restauratorischer Sicht vielleicht einen Nutzen mit sich bringt. Doch da mussten die Mitarbeiter des Landesamtes die Hoffnungen etwas dämpfen. Eine Notsicherung sei eventuell möglich, die finanziellen Mittel allerdings sehr beschränkt, hieß es.

Bitte um Informationen

Die Projektträger und die Forscher würden sich über Informationen aus der Bevölkerung zu einigen Wandmalereien sehr freuen. Diese werden gebeten ihre Erkenntnisse zunächst dem jeweiligen Gemeindekirchenrat mitzuteilen.

Nach Abschluss des Projekts ist eine Publikation der Wandmalereien und der Forschungsergebnisse durch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt geplant. Wer noch etwas mehr erfahren will, kann dies im Internet unter www.wandmalereien.lda-lsa.de.