Salzwedel/Gorleben l Woodstock-Atmosphäre im Salinas-Wald vor dem Erkundungsbergwerk bei Gorleben: Musikfetzen wechseln sich mit Wortbeiträgen ab, Chöre, Trommler und Gaukler sorgen für Farbtupfer, sogar die Haare konnte man sich schneiden lassen. Menschen aus ganz Deutschland feierten mit der Bürgerinitiative Umweltschutz die „Kulturelle Widerstandspartie“. Am Ende waren es rund 2000 Menschen, die sich auf der bis in die Nacht dauernden Party einfanden.

Wer das „Fest zum Protest“ im Gorlebener Wald besuchte, fühlte sich ein wenig in der Zeit versetzt. Die Atmosphäre auf dem Gelände rings um das Greenpeace-Schiff „Beluga“ atmete den Charme der Hippiezeit. Auf zwei Bühnen gab es den ganzen Tag ein buntes Musikprogramm zwischen Folkrock und Chorgesang, Straßenkünstler wie der legendäre „Klaus der Geiger“ boten Amüsantes und Musikalisches. Der schattige Wald wurde zum Rast- und Picknickplatz zahlreicher Besucher.

Geschichte des Endlagers

Nicht nur auf Treckertouren der Bäuerlichen Notgemeinschaft rund um das Zwischenlager erfuhren die Mitfahrenden einiges über Geschichte und aktuelle Probleme des – immer noch nicht beerdigten – Endlagerstandortes Gorleben.

Bilder

Auf der Bühne erinnerte BI-Vorsitzender Martin Donat daran, dass das Thema „Endlagerung in Gorleben“ längst nicht erledigt ist. Derzeit ist die Zukunft des Zwischenlagers in Gorleben Thema aktueller Diskussionen. „Wir müssen mit einer Verlängerung der Lagerungszeiten von mehreren Jahrzehnten rechnen,“ so Donat. „Das bedeutet, dass die Lagerkonzepte grundsätzlich überdacht werden müssen. Denn von der zugelassenen Zwischenlagerzeit sind teilweise jetzt schon 20 Jahre vergangen.“

Anlage betriebsbereit

Auch die immer noch mit einer Betriebsgenehmigung ausgestattete Pilotkonditionierungsanlage (PKA) bereitet den Gorlebengegnern Bauchschmerzen. „Niemand weiß, wozu die betriebsbereite Anlage genutzt werden soll,“ befürchtet Donat.

Am Freitag interessierten sich allerdings mehr Menschen für die Podiumsgespräche verschiedener Initiativen, die sich mit Klimaschutz und nachhaltiger Entwicklung der Region beschäftigten als für die Probleme der Endlagerung. Auf dem Sofa im Infozelt ging es um Klimaschutz, dem Aufbau von bürgernahem Vertragsanbau von Gemüse oder Wohnen in verbindlichen Nachbarschaften. Lichtblick und die Elektrizitätswerke Schönau nutzten den Tag für die Werbung neuer Kunden, Anti-Atom-Initiativen informierten über ihre Aktivitäten. Auch ein versprengtes Trüppchen sogenannter „Autonomer“ zog schwarz vermummt mit der lautstarken Forderung nach „Internationaler Solidarität“ übers Gelände – gefolgt von vier Polizeibeamten. Kurz darauf hatte sich das „schwarze“ Blöckchen allerdings auch schon wieder aufgelöst.

Bands traten auf

Wer nun gar nicht an gesellschaftspolitischem Input interessiert war, fand auf dem Gelände zahlreiche Möglichkeiten des Vergnügens. Ob das Kettensägen-Orchester der Bäuerlichen Notgemeinschaft, die Auftritte des „Chaos Varieté“ oder die Auftritte zahlreicher Musikbands wie Mud Studded aus Dannenberg – es gab viel zu erleben. Nicht zu vergessen, die „Strahlenden Videos“ von Professor Albert Schrödinger.