Salzwedel l Mit einem „blauen Auge“ haben die meisten Handwerker im Altmarkkreis die Corona-Krise überstanden. In einigen Fällen war Einfallsreichtum gefragt, um in der Zeit des Stillstands zu überleben.

„Schauen Sie sich um“, sagt Christine Heuer und deutet auf die Freifläche vor ihrem Floristik-Geschäft in der Salzwedeler Holzmarktstraße: „Was sehen Sie, was Sie nicht auch in einem Gartenmarkt sehen würden?“

Mit einem Kunstgriff war es Heuer gelungen, ihr Unternehmen während des Höhepunktes der Corona-Krise am Leben zu halten. Da Baumärkte einen wichtigen Teil zur Versorgung der Menschen beitragen, waren diese früh von der allgemeinen Abriegelung des Geschäftslebens ausgenommen worden. Kurzerhand hatte die Floristin ihr Gewerbe umgemeldet: Mit einem Federstrich war so aus einem ansehnlichen Floristik-Unternehmen ein kleiner Garten-Baumarkt geworden.

Mit Behörden diskutiert

Der Ummeldung vorangegangen war eine Diskussion mit Ämtern und Behörden: Der Gedanke der Unternehmerin war es, ihr weitläufiges Freigelände, das dicht mit Blumenarrangements, Bäumen und Sträuchern dekoriert ist, als Schaugarten für Besucher zu öffnen. Diese hätten ihre Bestellungen, so der Gedanke von Christine Heuer, im Anschluss telefonisch oder per Internet platzieren können.

„Ob sich die Menschen in einem öffentlichen Park an der Natur freuen oder bei uns durch blühende Blumen und Sträucher spazieren, macht doch keinen Unterschied“, dachte sich Heuer, die eigens einen Rundweg einrichten wollte, damit sich Besucher bei dem geplanten Blumen-Bummel nicht begegnen. Diese Idee aber war, sagt Christine Heuer, war bei der Verwaltung auf wenig Gegenliebe gestoßen. Mit der Auskunft, man wolle vermeiden, die Menschen ins Freie locken, sei der Vorschlag im Sande verlaufen. In der Folge war bei der Unternehmerin der Gedanke entstanden, das Gewerbe umzumelden.

Prompt hätten bei der Wiedereröffnung des Unternehmens als Garten-Baumarkt die Mitarbeiter des Ordnungsamtes vor der Tür gestanden: Unbekannte hatten Christine Heuer wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen die Eindämmungsverordnung angezeigt. Erst nachdem sie die entsprechende Bescheinigung des Gewerbeamtes vorgelegt hatte, habe sich die Situation geklärt.

Tiernahrung verkauft

Zu Beginn der Corona-Krise hatten etliche Unternehmer versucht, der drohenden Schließung ihrer Geschäfte etwa dadurch zu entgehen, dass sie Tiernahrung in ihre Sortimente aufgenommen hatten. Auf den Gedanken, ein bestehendes Gewerbe mit neuem Etikett zu versehen, waren in Salzwedel, während der Monate März, April und Mai, hingegen nur jeweils fünf Unternehmer gekommen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres habe es zwölf (März), sieben (April) und sechs (Mai) Umwidmungen gegeben, berichtet Stadtsprecher Andreas Köhler. Zurückgegangen seien im ersten Halbjahr 2020 die Zahlen der Gewerbe-Abmeldungen. Von Januar bis Juni 2019 hatten 57 Unternehmer im Stadtgebiet beschlossen, dauerhaft „die Segel zu streichen.“ Trotz des Corona-Ausbruchs habe es im laufenden Jahr nur 47 Abmeldungen gegeben. Zum Höhepunkt der Corona-Welle in den Monaten März, April und Mai hätten sich vier (März), vier (April) und acht (Mai) Unternehmer entschieden, ihre Betriebe zu schließen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres habe das Gewerbeamt 13, acht und sieben Abmeldungen registriert.

Sichtbare Spuren hat das Coronavirus lediglich bei der Zahl der neu angemeldeten Gewerbe in Salzwedel hinterlassen: Von März bis Mai 2019 hatte es in der Hansestadt 39 neue Registrierungen gegeben (16, 7, 16). Mit dem Ausbruch des Virus war dem Gründerwillen dann einen Dämpfer versetzt worden: waren im März 2020 noch zwölf Jungunternehmer, in die Selbstständigkeit gestartet, wurden im April eine, und im Mai drei Anmeldungen registriert.