Schönebeck l Kein Staubkorn darf auf dem Nachttisch zu finden sein, das Bett muss tadellos gemacht sein und das Bad sollte idealerweise wie neu aussehen. Für mich war es als Hotelgast bis jetzt immer eine Selbstverständlichkeit, dass meine Zimmer tipptopp hergerichtet sind. Zugegebenermaßen habe ich nie richtig darüber nachgedacht, dass ich dies einer bestimmten Berufsgruppe zu verdanken habe. Tagtäglich säubern sie Zimmer für Zimmer und bereiten diese für den nächsten Gast im Idealfall so vor, dass beim Betreten dieses Luxusgefühl entsteht, das ein gutes Hotel zu einem guten Hotel macht. Um ansatzweise zu verstehen, wie viel Mühe und Anstrengung dahintersteckt, schlüpfte ich selbst für einen Tag in die Rolle einer Reinigungskraft.

Nervosität verfliegt schnell

Aufgeregt warte ich kurz vor 8 Uhr an der Rezeption des Kurpark Hotels in Bad Salzelmen. Werde ich es hinkriegen, die Zimmer so herzurichten, dass sie dem hohen Standard entsprechen? Auch mache ich mir Sorgen darüber, ob ich vielleicht zu langsam sein werde. Die Nervosität verfliegt jedoch sofort, als Gabriela Kausch und Doreen Sterner mich freundlich begrüßen. Mit ihnen werde ich an diesem Vormittag knapp 40 Hotelzimmer putzen.

„Du kannst schonmal Staub wischen“, sagt Sterner zu mir, als wir die Tür zu Zimmer 36 öffnen. „Kein Problem“, denke ich mir und wische von Fensterbrett bis zum Nachttischchen alle Flächen des Zimmers ab. Gekonnt und schnell richtet Sterner währenddessen Kissen her und faltet eine Blume aus einem Handtuch. „Oh je, ob ich das später so hinbekomme“, denke ich mir. Nach drei Zimmern Staubwischen, sagt Sterner zu mir: „Du kannst ja schonmal in Zimmer 31 gehen und mit dem Bett anfangen.“ Ich tue erst so, als hätte ich es überhört, meine Putz-Kollegin sagt jedoch: „Emily, ich meine schon Dich.“ Ich klopfe an die Tür und rufe erst, wie es mir vorgemacht wurde, „Housekeeping“, bevor ich reingehe. Ich habe Glück. In Nummer 31 wohnt ein „Bleiber“. So heißen die Zimmerbewohner, die noch für mindestens eine Nacht bleiben. Bei ihnen muss man das Bettzeug nur falten und nicht alles frisch beziehen.

Bilder

Doch auch dies ist leichter gesagt als getan. „Man muss da die richtige Technik anwenden“, sagt Sterner und boxt gekonnt in das Kissen, so dass es aufrecht steht und damit optisch den entscheidenden Unterschied zwischem meinen Kissen daheim und einem Hotel-Kissen macht. Um die Technik zu erlernen, brauche ich schon etwa fünf Zimmer, bis Sterner und Kausch zufrieden mit dem Ergebnis sind. „Man sieht noch, welche Seite Du gemacht hast, aber für den Anfang schon nicht schlecht“, lobt Sterner und ich merke, wie mir vor Stolz etwas warm um die Wangen wird.

Arbeit als Putzfrau ist anstrengend

Vielleicht kommt die Wärme aber auch von der harten Arbeit. Den ganzen Morgen Betten zu machen und Staub zu saugen, kann nämlich ganz schön anstrengend sein. „Morgen hast Du auf jeden Fall Muskelkater“, meint Kausch zu mir. Doch das Putzen ist nicht nur ermüdend, sondern auch unterhaltsam. Meine Kolleginnen erzählen von einigen Dauergästen, bei denen sie rätseln, warum sie für mehrere Monate im Hotel eingebucht sind. Spannend finde ich es jedesmal, wenn ich die Tür eines Zimmers öffne. Kausch und Sterner können davon ein Lied singen. „Manchmal liegt eine Packung Pralinen als Dank auf dem Bett, manchmal warten aber auch benutzte Kondome oder ein total verdrecktes Laken auf uns“, erzählt Kausch.

Nach etwa 20 Zimmern kann ich ein komplettes Bett inklusive dekorativer Handtuch-Blume herrichten. Meine Arme tun bereits weh vom Betten beziehen, und ich bin ganz schön müde. Dass Kausch und Sterner zum Reha-Sport gehen, um Rückenproblemen vorzubeugen, kann ich verstehen.

Hotel-Frühstück ist ein großer Bonus

Trotz Ermüdungserscheinungen verlasse ich nach dem Morgen strahlend das Hotel. Das liegt nicht nur an dem leckeren Hotel-Frühstück, das wir in der Pause essen dürfen, sondern auch an den lieben Kolleginnen, die ich an dem Morgen hatte. „Du warst schon eine richtige Hilfe“, bedankt sich Kausch bei mir. Zu Lernen gäbe es trotzdem noch viel. Sterner sagt augenzwinkernd zum Abschied: „Wenn Du jetzt bei uns anfangen willst, müsstest Du Dich aber schon noch etwas mehr anstrengen.“