Schönebeck l Ein Strahlemäuschen ist die sechsjährige Visandra. Ihr Lächeln ist einfach gewinnend, und sie hat auch allen Grund zum Freuen. Denn ihre Mama Vitore hat ihr gerade ein neues Langarmshirt in rosa gekauft. Welch Mädchenherz schlägt da nicht höher? Solche Momente erleben Sieglinde Menzel und ihre Mitstreiter für den Verein „Kaleb“ oft. Denn sie betreiben eine Kleiderkammer für Kindersachen in der Straße der Jugend. Ursprünglich haben dieses Angebot nur Schönebecker Bedürftige genutzt. Inzwischen zählen mehr und mehr Flüchtlingsfamilien ebenso zu den Besuchern.

Für die Ehrenamtlichen spielt es keine Rolle, ob die Nutzer ihres Angebotes Einheimische oder Asylbewerber sind. „Wir sind für alle offen“, sagt Sieglinde Menzel. Einzige Eingrenzung: Die Sachen sind ausschließlich für Kinder. „Kleinere Erwachsenengrößen nehmen wir trotzdem gern an, weil ja manche Kinder auch schon sehr groß sind für ihr Alter“, sagt die Vereinsvorsitzende. Denn: Die Regionalgruppe hat sich zur Aufgabe gemacht, geborene und ungeborene Kinder, Schwangere, Familien und Alleinerziehende zu unterstützen.

Dabei soll die Kleiderkammer nicht etwa als ein Kaufhaus oder gar Ramschladen gesehen werden. „Wir achten auf die Sachen“, sagt Sieglinde Menzel. Und die Shirts, Hosen, Pullover und Co. werden für einen Obolus im Cent-Bereich verkauft, so dass die Käufer die Sachen zu schätzen wissen. Jedoch, das betont die sympathische Frau, können in der Kleiderkammer nicht immer alle Wünsche gedeckt werden. „Wir können nur das weitergeben, was uns gespendet wird“, erklärt sie. Momentan müssen die Ehrenamtlichen niemanden mit leeren Händen nach Hause schicken. „Derzeit haben wir alles da“, sagt sie. Seit 1991 ist die Regionalgruppe in Schönebeck aktiv. Und heute noch staunt die Vereinschefin immer wieder, wie viele Menschen ihre Sachen spenden. Für die Ehrenamtlichen ist das Engagement ein wichtiger Baustein ihrer Arbeit. Einer Arbeit, die inzwischen riesige Ausmaße annimmt.

Breites Angebot

Täglich - außer donnerstags - ist die Kammer von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Nachmittags steht die Einrichtung jeweils am Donnerstag von 14 bis 17 Uhr zur Verfügung. Diese Zeiten verlangen fast schon einen hauptberuflichen Mitarbeiter. Doch das ist nicht möglich. Dafür freut sich Sieglinde Menzel, dass sie Hannelore Michler, die sich bereits ehrenamtlich über die Maßen für dieses Angebot einsetzt, inzwischen als Mini-Jobber gewinnen konnte. „Ich brauche hier jemanden, der alle Fäden in der Hand hält“, erklärt die Vereinschefin. Finanziert wird diese Mini-Job-Stelle aus Spendengeldern und den Mitgliedsbeiträgen. Zusätzlich hilft bei „Kaleb“ Hanka Galinski als Ein-Euro-Jobber aus.

Das sind zwei Erleichterungen, führt die Schönebeckerin aus. Insgesamt zählt sie in ihrem Team fünf Ehrenamtliche, die die Kleiderkammer aufrecht halten. „Man muss hier Herzblut investieren“, sagt Sieglinde Menzel. Auch wenn sie ihren eigenen horrenden Einsatz gern unter den Teppich kehrt, so ist die Senioren ebenfalls fast täglich am Vereinssitz in der Straße der Jugend anzutreffen. Zu tun gibt es hier immer etwas - gerade auch, seitdem vermehrt Flüchtlinge die Kleiderkammer nutzen.

Woher wissen Asylbewerber überhaupt, dass es „Kaleb“ in Schönebeck gibt? „Es spricht sich rum“, sagt Sieglinde Menzel ohne zu überlegen. Vor allem werde der Verein wohl auch von den Soziallotsen, die als Ansprechpartner für die Flüchtlinge gelten, empfohlen. Für die Schönebeckerin ist es mit der Versorgung durch Kindersachen längst nicht getan. So werden in den Vereinsräumen schon seit Jahren Deutschkurse für Flüchtlinge von Ehrenamtlichen angeboten.

Und wer eine Frage - egal welcher Couleur hat - dem wird genauso versucht zu helfen. Das geht bei Wegbeschreibungen los und führt weiter zum gemeinsamen Ausfällen von diversen Anträgen. Dass es dabei oft an den Sprachkenntnisse auf beiden Seiten hapert, das ist selbstverständlich. „Dann unterhalten wir uns mit Füßen und Händen“, umschreibt Sieglinde Menzel und erntet ein zustimmendes Nicken von Hannelore Michler. Was bei der Ausgabe an der Kleiderkammer noch halbwegs einfach zu händeln ist, verlangt bei manch einem Bürokratendeutsch in den Anträgen schon nahezu akrobatisches Geschick. Auch dieser Herausforderung stellen sich die Ehrenamtlichen - natürlich mit Herzblut. „Egal wie groß die Arbeit für uns wird, wir wollen weiter freundlich bleiben, schließlich haben die Flüchtlinge genug Leid ertragen“, nennt sie die Devise.