Schönebeck l 16, 17 und 18 Jahre alt sind die Musiker der Band Jazzy‘s. Auch wenn die zwei Jungs und zwei Mädels noch Jugendliche sind, so können sie im Musikergeschäft schon als erfahrene „Hasen“ gezählt werden. Denn im Schnitt spielen sie schon zehn Jahre und mehr ihre Instrumente. Das ist auch eine Voraussetzung dafür, dass sie überhaupt Mitglied in der Band Jazzy‘s sein dürfen. Denn so hart das auch klingen mag, aber für Anfänger ist diese Gruppierung einfach nichts.

„Jazz lebt von Improvisationen“, sagt Nobert Behrens, der die junge Truppe anleitet. Er gilt neben den vier Jugendlichen als der „Berufsjugendliche“. Während die jungen Leute nämlich wöchentlich zur Kreismusikschule kommen, um ihre Instrumente zu lernen, arbeitet Norbert Behrens hier als Klavierlehrer. 1999 hat er die „Jazzy‘s“ gegründet. Seither wechseln die Mitglieder - geschuldet dem Umstand, dass die Gruppe ausschließlich aus Kreismusikschulanhängern gebildet wird. Einzige Konstante über die Jahre ist Norbert Behrens.

„Ich spiele immer den Bass“, sagt er. Das Instrument beherrscht er. Trotzdem wünsche er sich manchmal doch einen Musikschüler, der das Musizieren für den „Alten“ übernimmt. „Der Dirigent bei einem Orchester spielt ja auch nicht selbst mit“, nennt der Klavierlehrer einen passenden Vergleich. Das Problem: In der Kreismusikschule gibt es keine Bassausbildung.

Also bleibt dem „Berufsjugendlichen“ nichts anderes übrig, als sein junges Team nicht vom Dirigentenpodest, sondern vom Bass aus anzuleiten. So sind es seine „Jazzy‘s“-Kollegen gewöhnt und so funktionert es auch. Beim Talentewettbewerb aller Musikschulstandorte des Salzlandkreises hat die Gruppe sich einen Ehrenpokal in der Kategorie „Gemischtes Ensemble“ erspielt. Darauf kann man stolz sein und damit sind die Fünf auch sehr zufrieden.

Eben eine Schulband ...

Dabei sind sie es gar nicht gewohnt, vor großem Publikum aufzutreten. Eigentlich spielen sie fast nie vor anderen Leuten. „Wir sind eben eine Musikschulband“, erklärt Norbert Behrens, dass öffentliche Auftritte eher die Ausnahme bilden. Es fehle am Repertoire, um ein eigenes Konzert zu gestalten. Das ist für die Musiker nicht schlimm. Ihre Motivation, sich immer donnerstagabends in der Aula der Schönebecker Kreismusikschule zu treffen, hängt nicht vom Applaus des Publikums ab. Bei ihnen stehen ganz klar die Leidenschaft und der Gefallen an einer ganz bestimmten Musikrichtung im Vordergrund. Und genau jene Musikart lässt sich einfach erkennen. Schließlich ist davon der verniedlichte Bandname abgeleitet.

Jazz ist eine Musikrichtung, die um 1900 überwiegend von Afroamerikanern gespielt wurde. Bis heute wurde Jazz-Musik immer wieder weiterentwickelt. Jazz lässt sich im Grunde schwer definieren, da er groovie sein kann, genauso geprägt ist er von Swing. Ebenso finden lateinamerikanische Stile ihren Niederschlag. Das Besondere am Jazz: Er lebt von Improvisationen. „Das ist es auch, weshalb wir bei den ‚Jazzy‘s‘ nur mit Fortgeschrittenen spielen können“, erklärt Nobert Behrens.

Seit ungefähr einem Jahr besteht die Gruppe in ihrer heutigen Besetzung. Das sind Anna-Lena Schiemann (17, Klavier) aus Eggersdorf, Louisa Koch (16, Gesang) aus Glinde sowie Leonard Schmidt (18, Trompeter) und Jonas Ranft (17, Schlagzeug), beide aus Schönebeck.

Jazz ist groovie, Swing und viel Improvisation.

„Ich möchte nicht immer nur Solostücke oder Klassik spielen“, sagt Leonard Schmidt, der die „Jazzy‘s“ mit der Trompete bereichert. Seit zehn Jahren befasst er sich mit diesem Blasinstrument. „Er ist ein Naturtalent“, sagt Norbert Behrens über den 18-Jährigen. So sei es seiner Aussage nach ein Wunder, wenn ein Schüler direkt beim ersten Versuch einen Ton aus einer Trompete bekommt.

Für Anna-Lena Schiemann steht das Wir-Gefühl im Fokus. Vor zehn Jahren hat sie mit dem Klavierspielen begonnen. Jazz empfindet die 17-Jährige als gelungene Abwechslung. „Ich höre das gern“, sagt sie. Die Eggersdorferin ist recht talentiert, nicht umsonst gehört sie zu dem „Cash‘n fun Talent‘s“-Team der Salzlandsparkasse, in dem junge Menschen und ihr Können gefördert werden.

Louisa ist die Stimme

Die Stimme der „Jazzy‘s“ ist Louisa Koch. Die 16-Jährige, die neben dem Gesang auch Klavier an der Kreismusikschule lernt, fühlt sich in vielen Genres zuhause. Jazz, irische Musik, Musical, zählt sie einige Beispiele auf. „Obwohl die Gruppe von der Schule gebildet wird, ist es eine lockere Atmosphäre“, lobt die 16-Jährige.

Mit positiven Worten hebt auch Jonas Ranft diese Gruppe hervor. „Sonst spiele ich eher rockige Sachen, deshalb ist der Jazz das passende Andere für mich“, sagt der 17-Jährige. Den Schlagzeuger reizt vor allem das Improvisieren.

„Wir spielen eben nicht jeden Fliegendreck“, formuliert es der Gruppenleiter eher flappsig und meint, dass sie nicht jede einzelne Note spielen. Der Grundrhythmus eines jeden Werkes werde eingehalten. Was dann zwischen den Zeilen passiere, sei den Musikern überlassen. „Jazz ist eben sehr flexibel“, sagt Norbert Behrens.

Genauso flexibel ist auch die Besetzung. So oft sie schon in der Vergangenheit gewechselt wurde, so wird es auch in Zukunft sein. Das hat Vor- und Nachteile. Für den Musikschul-Lehrer gilt: „Als Lehrer ist man es gewohnt, dass die Schüler irgendwann gehen.“