Eggersdorf l Die Biber beschäftigen weiter die Bördeland-Verwaltung, die Bürger in Eggersdorf und die Naturschützer. Zuletzt hatte die Volksstimme am 12. November mit „Biberstaudämme aus dem Mortzgraben entfernt“ getitelt. Im Nachhinein stellt sich offensichtlich heraus, dass bei dieser Aktion nicht alles rechtens abgelaufen ist. Wer die Verantwortung dafür trägt, das ist nicht eindeutig.

Was ist überhaupt passiert? Neun Biberdämme wurden Anfang November im Mortzgraben entfernt. Dadurch kann das Gewässer im Graben wieder fließen. Das freut die einen, andere wundern sich. Denn der Biber ist ein zu schützendes Tier. Deshalb müssen gewisse Grundsätze eingehalten werden.

„Eine Beseitigung von Dämmen, die dem Schutz der Wohnbauten des Bibers dienten, war nicht vorgesehen“, schreibt Christiane von Wagner, Fachdienstleiterin Umwelt und Natur, auf Volksstimme-Nachfrage. Demnach sei von der Unteren Naturschutzbehöre Anfang November lediglich mündlich die Genehmigung erteilt worden, „Biberdämme abzutragen, die ausschließlich der Stabilisierung des Wasserstandes dienten“, informiert sie weiter.

Das sieht Hubert Strese, Bauingenieur beim Unterhaltungsverband, anders. „Wir handeln nicht illegal“, sagt er der Volksstimme. Jegliches Handeln erfolge immer nur in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde, betont der Mitarbeiter des Unterhaltungsverbandes Elbaue.

Liegt hier also ein Kommunikationsfehler zwischen Landkreis und Verband vor? Fest steht jedenfalls: Anfang November wurden nicht nur die Dämme, die der Wasserhaltung dienen, beseitigt, sondern es ist auch die Wohnstätte des Bibers trocken gelegt worden. „Das ist nicht erlaubt“, sagt die Fachdienstleiterin. Deshalb, sagt Christiane von Wagner, sei dem Unterhaltungsverband auferlegt worden, den Anstau im Bereich des Baus sofort wiederherzustellen. „Hier war der Biber jedoch schneller und hat selbst wieder einen entsprechenden Anstau angelegt, mit dem der Zugang zum Bau wieder gewährleistet war“, schreibt sie weiter.

Was ist das Problem?

Was ist überhaupt das Problem?

Der Biber ist eine streng geschützte Art. Jedoch kann die Lebensweise des Bibers an einzelnen Standorten durchaus auch Konflikte auslösen. Ein in diesem Sinne bekannter Standort ist der Mortzgraben im Abschnitt zwischen Eggersdorf und den Schachtteichen Eggersdorf. „Hier lebt der Biber seit einigen Jahren und hier hat er auch immer wieder mittels Biberdämmen das Wasser angestaut“, beschreibt Christiane von Wagner die Bedingungen vor Ort. Zunächst sind diese Tätigkeiten des Bibers ohne erhebliche Auswirkungen geblieben, weil zu beiden Seiten des Mortzgrabens ein breiter krautiger und mit Gehölzen bestandener Grünstreifen besteht und eine Überschwemmung der Ackerflächen nicht eingetreten ist.

„In der Folge wurde festgestellt, dass der Biber den Brückendurchlass an der Kreisstraße 1296 verstopft hat und auch Teilflächen des angrenzenden Ackers überschwemmt waren“, teilt sie Auswirkungen mit.

Was ist zu tun?

Der Salzlandkreis als Naturschutzbehörde hat verschiedene Maßnahmen geprüft mit der Zielgabe, den hohen Schutzstatus des Bibers und die Begrenzung von Schäden am Gewässer miteinander zu verbinden. „Im Ergebnis dieser Prüfung wurden dem Unterhaltungsverband bereits in den vergangenen Jahren Genehmigungen erteilt, einzelne Dämme teilweise abzutragen und zu entfernen und so den Wasserabfluss im Gebiet zu verbessern ohne dabei den Lebensraum des Bibers zu beeinträchtigen beziehungsweise zu zerstören“, blickt die Fachdienstleiterin zurück. Der Unterhaltungsverband Elbaue habe darüber hinaus an der Brücke der Kreisstraße Gitter eingebaut, um eine Verstopfung zu verhindern.

Doch der Biber bleibt nicht auf der faulen Haut. Schon allein deshalb hatte die Gemeindeverwaltung von Bördeland im Frühjahr 2015 ein Gutachten in Auftrag gegeben, um Möglichkeiten auszuloten.

Dabei wurde beispielsweise die Variante, einen neuen Graben zu ziehen, in Betracht gezogen. Das Ergebnis des Gutachtens steht noch aus, sagt Bördeland-Bürgermeister Bernd Nimmich auf Volksstimme-Nachfrage. Seiner Aussage nach liege das Gutachten inzwischen beim Salzlandkreis vor. Bisher habe der Bürgermeister nur den Zwischenbescheid, dass das Schreiben innerhalb der Kreisverwaltung überprüft werde.

Derweil wurde „dem Salzlandkreis wieder angezeigt, dass durch die Bautätigkeit des Bibers Flächen überschwemmt waren, die Schachtteiche bei Eggersdorf nicht abflossen und auch die Brücke an der Kreisstraße wieder beeinträchtigt war“, zählt Christiane von Wagner mehrere Kritikpunkte auf, die in den vergangenen Jahren wiederholt auftraten - und vermutlich auch in Zukunft weiter auftreten werden.