Calbe l Es war bei weitem kein unbekannter Ort, zu dem die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Calbe am Sonnabend mitten in der Nacht ausrücken mussten. Schon wieder war der westliche Stadtteil von einem Feuer betroffen. In den vergangenen zwei Jahren brannten dort mehrmals Gartenlauben, Wohnhauskeller, Container und eben auch leer stehende Gebäude, wie am Bahnhof Calge (West). Silvester 2013, März und September 2014 war die ehemalige Spedition Noske betroffen. Nun war die ausgebrannte Ruine, in der illegal viel Unrat lagert, wieder an der Reihe. Die Flammen schlugen meterhoch inmitten der Mauern empor, das Areal brannte in voller Ausdehnung. „Wir mussten die Kameraden aus Schwarz und Barby nachalarmieren“, sagt der stellvertretende Wehrleiter Lars Roschkowski. Mit zwei Drehleitern kämpften insgesamt 54 Einsatzkräfte stundenlang gegen die Flammen. Personen kamen nicht zu Schaden.

Das „röhrende Monster“

Ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Garagen konnte verhindert werden. „Eine spontane Selbstentzündung kann man bei dieser Witterung wohl ausschließen“, sagt Lars Roschkowski, ohne den Ermittlungsergebnissen der Polizei vorgreifen zu wollen. Nach dem jüngsten Bränden steigt unter den Kameraden die Befürchtung, dass der Calbenser Feuerteufel wieder stärker aktiv wird. Gegen 8.30 Uhr wurde der Einsatz offiziell beendet.

Zeit zum Ausruhen gab es für die Calbenser nicht. Es wartete mit dem Zwischenstopp einer der weltweit schnellsten Dampflokomotiven in der Saalestadt ein weiterer Einsatz auf die Wehr. Kurz nach 9 Uhr hielt die Schnellzugdampflok „03 1010“ am Bahnhof Calbe (Ost). Ihr Spitzname „röhrendes Monster“ kommt nicht von ungefähr: 1900 Pferdestärken können den 163 Tonnen schweren Koloss (Baujahr 1940) mit viel Dampf auf 140 Stundenkilometer Höchgeschwindigkeit katapultieren. Bis zu zehn Tonnen Kohle und bis 34 Kubikmeter Wasser kann die Lokomotive tanken. Für das Auffüllen des Wasservorrats an diesem Tag waren die Calbenser Kameraden zuständig. „Das gibt es nicht alle Tage“, freut sich Kamerad Hans-Peter Männicke. Zahlreiche Neugierige säumten die Gleise oder nutzten die Chance, einen kurzen Blick in das Führerhaus zu werfen.

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„Wir sind von Staßfurt auf dem Weg zum Erfurter Weihnachtsmarkt“, erklärt Kevin Guderjahn. Er ist Mitglied bei den Eisenbahnfreunden Traditionsbahnbetriebswerk Staßfurt, die zu dieser Sonderfahrt mit rund 200 Teilnehmern eingeladen hatten. Die Lokomotive aus Halle/Saale zog drei Personenwaggons, einen Mitropa-, einen Aggregat- und einen Personalwaggon in die thüringische Landeshauptstadt – und am gleichen Tag auch wieder zurück. So fuhren die Calbenser Kameraden für den durstigen Koloss am Sonnabend gegen 20 Uhr noch einmal zum Ostbahnhof, um ihn wieder für die Weiterfahrt mit Wasser zu versorgen.

Für die Calbenser Kameraden ging an diesem Tag ein wahrer Marathon-Einsatz zu Ende, mit einer lästigen aber auch mit einer schönen Seite, die in Erinnerung bleiben wird.