Schönebeck l Ganz pragmatisch sieht es Helga Herbst. Die 87-jährige Rentnerin greift am Dienstagmorgen selbst zum Straßenbesen, um den Schnee vor ihrer Haustür in der Lutherstraße vom Fußweg zu kehren. „Unser Hausmeister schafft das doch gar nicht alles. Und warum soll ich ihm damit nicht ein bisschen helfen?“ Eine ähnliche „soziale Einstellung“ hat Franz Dülken, als er am Morgen vor der Hellgestraße Nummer 114 den Schnee schiebt: Nämlich nicht nur vor seiner Haustür, sondern auch vor der seines Nachbarn. „Der ist im Urlaub und freut sich sicherlich, wenn alles ordentlich ist“, sagt er.

Das sind zwei von vielen Schönebeckern, die am Dienstag nicht nur am Morgen, sondern den ganzen Tag über zu Schieber und Besen greifen. Schon am Montagabend deutete sich ein Wetterumschwung mit einem Wintereinbruch an. Langsam und leise hüllt Väterchen Frost in den Nachtstunden die Region in zartes Weiß. Doch erst am Morgen startet der Winterdienst landauf landab. „Um 5 Uhr am Dienstag haben wir unsere Leute alarmiert“, sagt Werner Herrler, Leiter des Städtischen Bauhofes in Schönebeck.

Autobahnzubringer voller Schnee

Zu diesem Zeitpunkt lag bereits gut Schnee, auch auf Straßen, die die Stadt nicht betreut. So kritisiert Leserin Britta Reinhardt aus Schönebeck: „Selbst die Autobahnzubringer in Schönebeck sind nicht geschoben, ebenso die Straßen der Innenstadt.“ Doch der dauernde Schneefall fordert ein Einsehen: Dort, wo die Fahrzeuge mit ihrem Streugut langgefahren sind, hat sich kurze zeit später erneut eine dünne Schneedecke gebildet.

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Mit einer kleinen Havarie haben die Mitarbeiter des Bauhofes noch am Montagabend zu kämpfen: Bei einem Großfahrzeug funktioniert die Bremsanlage nicht. „Damit konnten wir nicht rausfahren“, so Herrler. Noch am Abend kommt der Laster in eine Werkstatt am Stremsgraben und wird repariert. „Das war eine klasse Leistung der Kollegen dort“, bedankt sich der Bauhof-Chef.

Auch bei einem Kleinfahrzeug tritt ein kleinerer Schaden auf: Der Salzstreuer lässt sich nicht richtig regulieren, so dass bei einem Stillstand unaufhörlich Salz fällt. Aber auch dieser Fehler ist schnell behoben.

Dienstleister ebenfalls unterwegs

Nicht nur Privatleute und der Bauhof sind in diesen Tagen im Einsatz, sondern auch die Hausmeister und Winterdienstler der Wohnungsvermieter. Sie fahren mit ihren Kleinfahrzeugen die Wege ab und sind zu Fuß unterwegs.

Nach den milden Temperaturen im Dezember und zu Weihnachten (den Wetterrückblick des Vormonats können Sie auf Seite 18 lesen) sind der leichte Frost und der Schnee ein willkommene Abwechslung. Auch deshalb, weil zum Zeitpunkt am Montagabend und Dienstag noch Ferien waren. Ab Heute müssen die Kinder und Jugendlichen wieder die Schulbank drücken. So nutzen am Dienstagnachmittag viele Spaziergänger sowie Eltern mit ihren Kindern das winterliche Wetter im Bad Salzelmener Kurpark. Während die Kleinen auf dem Schlitten sitzen, müssen die Großen ziehen.

Offensichtlich hat der Frost nur ein Stelldichein gegeben. Ab heute Nachmittag sagen die Meteorologen Temperaturen bei 3 Grad Celsius voraus. Am Freitag soll sich teilweise wieder die Sonne sehen lassen bei ähnlichen Temperaturen. Das könnte eine kurze Verschnaufpause für die Bauhof-Leute bedeuten.