Groß Rosenburg l Das Wichtigste zu Beginn: Das Schwarze Australorp von Carsten Baunack aus Barby ist das Tier aller Tiere. Jedenfalls auf der Rassegeflügelschau von Groß Rosenburg. Der Vertreter jener Haushuhnrasse, die erst um 1920 in Australien erzüchtet wurde, war das einzige „V-Tier“. Das bedeutet: Höchstnote „Vorzüglich“. 15 Mal wurde die Zweitmarke „Hervorragend“ vergeben. 268 Enten, Gänse, Hühner und Tauben präsentierten sich in den Käfigen, rund 200 Besucher zählte die Schau.

Soweit zur Statistik.

„Zu unseren Hühnern haben die ein gespanntes Verhältnis. Wären sie beispielsweise mit Enten auf dem Gelände, würde das böse ausgehen.“

Wie so oft bei Kleintierausstellungen gräbt der interessierte Besucher auch Geschichten am Rande aus. So zum Beispiel jene, warum Schafzüchter Martin Rehse auf Gänse umsattelte. Für den Mann aus Sachsendorf-Patzetz sei das ursprünglich eine „Notlösung“ gewesen. „Aus gesundheitlichen Gründen ging das mit den Schafen nicht mehr“, gestand er. Da er aber ein großes Grundstück hat, dessen Rasen mit dem Traktor kurz gehalten werden müsste, stand der Patzetzer vor der Frage: Was tun? Weil aber dem bodenständigen Menschen das Herz blutet, wenn saftiges Gras nur schnöde gemäht, aber nicht genutzt wird, suchte Martin Rehse nach einer Alternative. Und die – der geneigte Leser wird es sich denken können – bot sich in Form von Gänsen an. Denn das Federvieh kommt nach Schafen gleich auf Platz zwei in Sachen tierischer Rasenmäher. (Außerdem sind sie wachsam bei der Verteidigung ihres Reviers gegen Eindringlinge.)

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Quirlige Hunde

Apropos, wachsam.

Das sind Martin Rehses Zwerg-Langhaardackel, die er züchtet, auch. Die quirligen Hundchen haben es faustdick hinter den Ohren. „Zu unseren Hühnern haben die ein gespanntes Verhältnis. Wären sie beispielsweise mit Enten auf dem Gelände, würde das böse ausgehen“, sagt Rehse.

Wie jetzt, böse …?

„Sie würden sie alle tot beißen!“

Oha.

Offenbar provozieren die behäbigen Schnatterer den Jagdtrieb der Dackel, so dass die mit blank liegenden Nerven zubeißen. Was bei den Fränkischen Landgänsen nicht anders seien würde - hier komme aber das „Gleichgewicht der Kräfte“ ins Spiel. Soll heißen: Das wehrhafte Federvieh weist aufgeregte Dackel in ihre Schranken, lässt sich von ihnen nichts so schnell gefallen.

Eine perfekte Symbiose, auf Rehses Dackel-Gänse-Hof, sozusagen.

Die Frankengans gehört zu den flugfähigen Rassen, das heißt, sie fliegt auch mal über einen Gartenzaun. Diese Erfahrung musste auch Martin Rehse erschreckt machen. „Normalerweise sind deren Flügel gestutzt, damit das nicht passieren kann“, sagt er. Doch bei Ausstellungstieren gehe das nicht, die müssen „komplett“ sein. Der züchterischen Schönheit und der Preisrichter wegen.

So begab es sich aber zu der Zeit, dass eine Gans ihrem Instinkt folgte. Vermutlich hatte sie zuvor gen Himmel den wilden Artgenossen sehnsuchtsvoll nachgeschaut. Und weil es sich um einen potenziellen Ausstellungsvogel handelte, hatte sie das Zeug, um voll durchzustarten.

Nun muss man wissen, dass Rehses Grundstück an einer viel befahrenen Landesstraße liegt. Gänse-Vater Martin gefror bald das Blut in den Adern, als er seinem preisgekrönten Vogel bei dessen unerlaubter Entfernung hilflos zusehen musste.

Doch alles wurde dann doch noch gut: Die Gans drehte eine Runde, guckte sich Patzetz aus der Vogelperspektive an und landete wieder weich auf dem Rehse-Hof.

Solche Geschichten erfährt man auf Kleintierausstellungen.