Schönebeck l Mit einer großen Havarie startete die Stadtbibliothek Schönebeck in das Jahr 2009. Dort wurde am 2. Januar morgens ein Wasserrohrbruch festgestellt. Im Lesesaal stand das Wasser etwa zehn Zentimeter hoch und beschädigte nach ersten Einschätzungen tausende Medieneinheiten. „Ich habe die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als ich das gesehen habe. Ich hätte weinen können“, gab damals Gerlinde Maier, Leiterin der Stadtbibliothek Schönebeck, der Volksstimme zu Protokoll.

Ihr war die Verzweifelung anzusehen. Als sie am Silvestertag die Bibliothek inspizierte, war die Welt noch in Ordnung. Zwei Tage später bemerkte die Reinigungskraft gegen 5 Uhr einen erheblichen Wasserschaden. Irgendwann in der Zeit dazwischen muss ein Wasserrohr geplatzt sein. Das Nass ergoss sich ungehindert und über einen längeren Zeitraum auf die Bücher und füllte den Lesesaal. Besonders betroffen waren Bücher aus der Kinderliteratur und Sachbücher.

Ursache am Anfang ungeklärt

Wie es zu dem Schaden kam, war in den Tagen vor sieben Jahren noch ungeklärt. Heute weiß die Stadt, dass ein Wasserrohr gefroren war, das Eis entwickelte solche Kraft, dass das Rohr platzte. Eine Fachfirma begutachtete daraufhin die Gegebenheiten. Aus Sicherheitsgründen entschloss sich die Stadt, das Wasser abzustellen. „In der folgenden Woche mussten die Rohre noch geprüft werden. Es musste sichergestellt sein, dass das nicht nochmal passiert“, so die Bibliotheksleiterin.

Dass der Schaden in der Einrichtung so groß war, ist in der Bauweise begründet. Die Bi-bliothek ist in einer Ladenzeile untergebracht, die 1974 eröffnet wurde. Die Wasserrohre, die vermutlich genauso alt waren, führen nicht unterirdisch, sondern in der Zwischendecke durch die Räume.

Gleich am Morgen des 2. Januars wurden alle verfügbaren Kräfte der Bibliothek alarmiert. Auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung halfen, erinnert sich Gerlinde Maier noch heute an die Hilfe, die sie und ihre Mitarbeiter erfahren haben. Auch heute noch spricht die Leiterin von einem „guten Team“, das in dieser Notsituation sehr gut zusammengearbeitet habe. So wurden alle betroffenen Bücher zunächst in den Kulturraum abgelegt. „Am ersten Tag nach der Havarie kamen wir noch nicht dazu, um zu überprüfen, welche Bücher noch brauchbar sind und welche nicht“, erzählt Gerlinde Maier. Das passierte erst später und war sehr zeitaufwendig, weil jedes Buch und jede andere Medieneinheit in die Hand genommen und begutachtet werden musste.

Etwa 12 000 der insgesamt 35 000 Medieneinheiten wurden damals ausgelagert. Wie die Leiterin der Stadtbibliothek heute weiß, war der Schaden zwar groß, aber dennoch nicht so, wie vermutet. Insgesamt waren 1378 Medien nicht mehr zu retten.

Mit Sauger Wasser herausgepumpt

Mit einem Sauger wurde anschließend das Wasser ausgepumpt und der Lesesaal trocken gewischt. An einen Normalbetrieb war kurz nach der Havarie noch nicht zu denken. Nur eine Woche später öffnete das Haus wieder teilweise, was einer weltmeisterlichen Leistung gleichkam. Parallel dazu wurden die Bücher auf eine weitere Verwendung gesichtet.

Und heute? „Die Versicherung hat den kompletten Schaden übernommen“, berichtet Gerlinde Maier. Mobiliar, die Reparaturkosten und die Neubeschaffung der Bücher wurden finanziell übernommen. Außerdem ließ die Stadtverwaltung die Wasserzufuhr zur Bibliothek verändern, so dass so ein Schaden wie in dieser Form nicht wieder auftreten kann. Insgesamt, und darüber führte die Leiterin der Stadtbibliothek Buch, wurden rund 220 Stunden Aufräumarbeiten geleistet.

Auch Bürger, meist Nutzer der Stadtbibliothek, hatten damals ihre Hilfe beim Aufräumen angeboten. „Das ist ein sehr schönes Gefühl, weil es zeigt, dass wir bei den Menschen akzeptiert sind“, so Gerlinde Maier. Das zeigen auch die aktuellen Zahlen (Stand Ende März): Zu diesem Zeitpunkt gab 1626 aktive Leser, 23 128 Entleihungen, und 6155 Bürger besuchten die Stadtbibliothek. Der Trend: weiter steigend.