Schönebeck/Hohenerxleben l Hübsch anzusehen ist sie. Ein Lächeln ziert das Gesicht. Der Körper ist glatt, die Farbe ein angenehmes Braun. In den Händen hält sie einen Turnschuh, er sticht durch seine weiße Farbe hervor. Die Figur hat natürlich einen Ehrenplatz bekommen. Im Regal, direkt über dem Fernseher, steht die „Salzlandfrau“. Und von dort aus erinnert sie Ingrid Frank stets an den 8. März im Jahr 2014. Denn damals ist sie als „Salzlandfrau“ vom Salzlandkreis ausgezeichnet worden. Damit wurde und wird ihr sportliches Engagement gewürdigt. Das ist eine Ehre, die der 74-Jährigen zu Recht zu Teil wird. Und sie weiß diese auch zu schätzen.

„Das war eine riesige Überraschung für mich“, sagt Ingrid Frank zurückblickend auf den Tag, an dem sie zu der traditionellen Festveranstaltung des Salzlandkreises anlässlich des Frauentages gegangen ist. Auf einmal wird sie auf die Bühne gerufen. Ihr wird angeboten, etwas zum Publikum zu sagen. Doch das kann sie in dem Moment nicht. Die Aufregung, die Überraschung, ihr fehlen die Worte. Das nimmt ihr keiner übel. Das Strahlen in ihrem Gesicht spricht Bände.

Ingrid Frank ist gerade einmal 1,45 Meter groß. Dafür steckt jede Menge Energie in ihr. „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Training eingestellt“, sagt die Schönebeckerin. Jeder Dienstag und jeder Mittwoch sind in ihrem Kalender geblockt. Das sind die Tage, die sie für ihre zwei Sportgruppen bereit hält. Das sind ihre Seniorensportgruppe von der Wohnsportgemeinschaft (WSG) Einheit und die Parkinsongruppe. Jede Woche, immer von 9.30 bis 10.30 Uhr, fordert die Übungsleiterin ihren Gruppenmitgliedern so Einiges ab. Dabei steht ganz klar der Spaß an der Bewegung im Fokus. „Man tut etwas für sich und pflegt die sozialen Kontakte“, sagt sie. Immerzu lässt sie sich etwas Neues einfallen. Ideen findet sie unter anderem bei Weiterbildungen.

Engagiert bei der Sache

Ihre Sportler wissen das Engagement ihrer Übungsleiterin zu schätzen. Dabei ist ihr Einsatz nicht ohne. Vor allem die Zeit mit der Parkinsongruppe, gibt Ingrid Frank zu. „Ich muss sehr viel im Blick behalten“, sagt sie und meint damit die körperlichen Beeinträchtigungen ihrer Sportler. Dabei wird ihr auch immer wieder das Schicksal der an Parkinson Erkrankten bewusst. Mit Mitleid will sie hier nicht anfangen. Jedoch spiele Rücksicht eine große Rolle. Und eben das Bewusstsein darum, dass die Parkinson-Sportler nicht alle Übungen machen können wie die Seniorensportler.

Beide Gruppen will sie nicht missen, schließlich leitet sie die Senioren nun schon seit 20 Jahren und die Parkinson-Leute seit 21 Jahren. Das ist eine Zeit, die zusammenschweißt. Und es ist eine Zeit, in der die Schönebeckerin immerzu unterwegs war. Neben der „Salzlandfrau“, für die sie der Vorsitzende der WSG Einheit, Klaus Plathe, vorgeschlagen hatte, konnte sich Ingrid Frank inzwischen über eine weitere Auszeichnung freuen. Anfang 2016 wurde sie zum Ehrenamtsempfang des Bundespräsidenten Joachim Gauck eingeladen. „Das war ein Highlight“, sagt sie stolz.

Und wie steht es heute um die Schönebeckerin und ihr Ehrenamt, wird sie vielleicht doch langsam müde der vielen Bewegung? „Für mich kommt es gar nicht in Frage aufzuhören“, sagt sie vehement. „Sport ist mein Leben“, führt sie aus. Und: „Ich bin froh, dass ich es noch kann.“

Immer in Bewegung

Es liegt Ingrid Frank schlichtweg im Blut, etwas zu tun, in Bewegung zu sein. Und vor allem liegt es ihr am Herzen, dabei nicht nur an sich zu denken. Dass sie für Weiterbildungen oder neue Sportgeräte in die eigene Tasche greifen muss, ist kein Geheimnis. „Meine Familie kennt mich nur sausend“, sagt die Schönebeckerin, die sich nicht nur für ihre Sportgruppen einsetzt. Ihre Kinder und Enkel sind ihr wichtig, deshalb steht sie hier gern Gewehr bei Fuß, wenn sie gebraucht wird.

Dass Ingrid Frank inzwischen 74 Lenze zählt, sieht man der kleinen, quirligen Frau nicht an. Sie ist fit. Und das nicht nur dank ihrer wöchentlichen Sportstunden und den regelmäßigen Weiterbildungen. So geht die Schönebeckerin leidenschaftlich gern spazieren. Auch hierzu passt der Turnschuh, den ihre „Salzlandfrau“-Skulptur in den Händen hält und damit deutlich macht, in welchem Bereich sich Ingrid Frank ehrenamtlich engagiert.

Heidemarie Wünsche

Aller guten Dinge sind drei. Denn zwei Mal wurde Heidemarie Wünsche aus Schönebeck schon für ihr soziales Engagement für die „Salzlandfrau“-Auszeichnung vorgeschlagen. Zwei Mal hatte es nicht geklappt. Doch beim dritten Versuch: 2016 wurde sie für ihr Lebenswerk geehrt. „Damit hatte ich nicht gerechnet“, sagt sie. Zu der Veranstaltung ist sie unter einem Vorwand gelockt worden. „Ich wurde gefragt, ob ich als Fahrer einspringen kann“, erinnert sie sich. Da es bei der Schönebeckerin das Wort „Nein“ nicht im Wortschatz gibt, sagte sie also zu. Und so saß sie am 8. März 2016 im Publikum der feierlichen Veranstaltung. Nichtsahnend wohlgemerkt.

Heidemarie Wünsche engagiert sich seit 1974 im Sport. Heute ist sie trotz ihrer 69 Jahre noch als Übungsleiterin im Breitensport aktiv, sie leitet eine Radwandergruppe, eine Nordic-Walking-Gruppe sowie eine Gymnastikgruppe. Außerdem hilft sie als Ansprechpartner im Seniorenbüro der Arbeiterwohlfahrt in Schönebeck aus. Für Heidemarie Wünsche ist das alles selbstverständlich. Und wie sie beteuert, bleibe dabei auch Zeit für die Familie - das sind ihr Mann, ihre Kinder und die zwei Enkelkinder. „Rund um die Uhr mache ich etwas“, erzählt sie. Und dabei bekomme sie etwas Wesentliches zurück: die Dankbarkeit der anderen.

Dass Heidemarie Wünsche ausgerechnet für ihr Lebenswerk geehrt wurde, hat sie anfangs verwundert. Denn ans Aufhören denkt die Schönebeckerin noch lange nicht. Ihre „Salzlandfrau“-Skulptur hat sie übrigens zuhause im Wohnzimmer stehen. „Erst hatte ich sie im Seniorenbüro, aber ich möchte sie lieber zuhause haben, damit ich sie immer sehen kann“, sagt sie.

Ursula Pennigsdorf

„Ich habe die Auszeichnung stellvertretend für den Heimatverein bekommen“, sagt Ursula Pennigsdorf. Sie ist 2010 für ihr gesellschaftliches Engagement als „Salzlandfrau“ ausgezeichnet worden, weil sie in ihrem Dorf das kulturelle Leben wieder belebt hat: Dort gibt es seit 2005, seit Gründung des Kultur- und Heimatvereins, erst wieder verstärkt gemeinsame Aktivitäten auch über die Generationen hinweg. Bei Rockfestivals zum Beispiel sitzen die Senioren an der Kasse. Für sie ist die Auszeichnung eine Überraschung gewesen. „Da war ich baff“, sagt sie. Ihre Skulptur schmückt heute die Räume des Heimatvereins. Und: „Dass ich unter Volldampf stehe, das bleibt auch“, sagt die Hohenerxleberin.

Die Nominierungsvorschläge sind noch bis zum 31. Januar möglich. Ansprechpartner sind die Gleichstellungsbeauftragten. Die Veranstaltung zur Verleihung der Salzlandfrau findet am 8. März 2017 ab 14.30 Uhr im Carl-Maria-von-Weber-Theater Bernburg statt.