Schönebeck/Barby l Barby am Freitagabend. Nachdem bei der Leitstelle des Salzandkreises in Staßfurt ein Notruf aus der Stadt eingegangen war, musste das Team des alarmierten Rettungswagens, der nach Barby gefahren war, einen Patienten am Einsatzort reanimieren. Doch statt in einer der nahe gelegenen Ameos-Krankenhäuser in Schönebeck behandelt zu werden, wurde der Patient in eine Magdeburger Klinik gebracht und dort behandelt. Grund dafür: „Über den in Sachsen-Anhalt ab 1. Juli 2020 neu eingeführten Krankenhauskapazitätsnachweis (IVENA) [wurde] angezeigt, dass klinische Versorgungsressourcen für die weiterführende stationäre Behandlung von Notfallpatienten in den Kliniken in Schönebeck nicht zur Verfügung stehen“, teil der Salzlandkreis auf Volksstimme-Nachfrage mit. Zu deutsch: Ameos hat bestimmte Behandlungsmöglichkeiten abgemeldet.

Indirekt bestätigt das auch Lutz Möller, Direktor der Ameos-Kliniken am Standort Schönebeck am Montag: „Die Notaufnahmen der Ameos Klinikstandorte in Schönebeck können von den Rettungsdiensten wieder uneingeschränkt angefahren werden.“

Fragen werden nicht beantwortet

Doch welche dieser klinischen Versorgungsressourcen standen in den Ameos-Kliniken in Schönebeck konkret nicht zur Verfügung, sodass Notfälle am Wochenende nicht stationär weiterbehandelt werden konnten? Diese Frage beantwortet Lutz Möller, Klinikdirektor Ameos Schönebeck, am Dienstag nicht.

Zuvor hatte sich der Direktor am Montag ausweichend geäußert und erklärt, dass es wie in jedem anderen Krankenhaus zu punktuellen Ausfällen von zum Beispiel von Medizingerätetechnik beziehungsweise Infrastruktur kommen kann. „In diesen Fällen sind Krankenhäuser verpflichtet, dies der Leitstelle ordnungsgemäß zu melden, damit der Rettungsdienst hier eine adäquate Patientensteuerung vornehmen kann“, ergänzt Lutz Möller. Nach Volksstimme-Informationen basieren die Einschränkungen in der Versorgung unter anderem auf Personalmangel.

Abmeldung über Ivena

Informiert hatte Ameos die Leitstelle des Kreises über die Einschränkungen am Freitagnachmittag entsprechend neuer Landesvorgaben über Ivena, einer webbasierten Anwendung, mit der sich die Träger der präklinischen und klinischen Patientenversorgung in Echtzeit über die aktuelle Behandlungs- und Versorgungsmöglichkeiten der Krankenhäuser informieren können. Vereinbart war zwischen Ameos und dem Salzlandkreis eine solche Abmeldung von Versorgungsmöglichkeiten bislang via Fax oder Mail.

Doch nicht nur Notfallpatienten konnten kürzlich nicht in einer der beiden Ameos-Kliniken behandelt werden. Auch auf der Entbindungsstation gab und gibt es immer wieder Probleme. So wurden bereits mehrere Schwangere vom Ameos-Klinikum an der Köthener Straße in eine Magdeburger Klinik verlegt und wurden letztlich dort weiter behandelt. Über diese Umstände wurde die Volksstimme aus sicheren Quellen informiert und hat auch erfahren, dass ab September nur noch eine festangestellte Hebamme für die Station zuständig sein soll.

Vor-Ort-Labor an Wochenenden nicht besetzt?

Was die aktuelle Situation auf der Station angeht sagt Lutz Müller: „Mit dem uns zur Verfügung stehenden Personal werden alle Frauen, Mütter und Kinder vollumfassend und in entsprechender Qualität versorgt. Die Dienstpläne sind im Dreischicht-System abgedeckt.“ In besonderen Fällen würden Krankenhäuser auch auf Arbeitnehmer in Arbeitnehmerüberlassung zurückgreifen, wie zum Beispiel bei gehäuften Krankheits- oder Langzeitausfällen zur Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Besetzung, erklärt der Klinikdirektor.

Dass Schwangere verlegt werden mussten, soll laut Volksstimme-Informationen daran liegen, dass das Vor-Ort-Labor der Klinik in Schönebeck von der KH Labor GmbH, zeitweise nicht besetzt sei – insbesondere an Wochenenden. Personal sei gegangen und die Stellen teils nicht nachbesetzt worden.

Die KH Labor GmbH ist ein Tochterunternehmen der Ameos-Gruppe. Das Unternehmen versorgt die Ameos Kliniken in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus in Niedersachsen mit labordiagnostischen Leistungen im stationären und ambulanten Bereich.

„Dafür wurde zum Januar 2019 ein leistungsfähiges Zentrallabor am Klinikum Bernburg errichtet, welches gemeinsam mit den Präsenzlaboratorien der jeweiligen Krankenhäuser in Aschersleben, Halberstadt, Haldensleben und Schönebeck rund um die Uhr für die Patienten zur Verfügung steht“, erklärt Dr. Wolfram Woltersdorf, Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Ärztlicher Leiter Labordiagnostische Leistungen der KH Labor GmbH. „Die Personalbesetzung der Laboratorien unterliegt, wie auch in allen anderen Berufszweigen, einer natürlichen Fluktuation. Frei werdende Stellen werden über diverse Kanäle ausgeschrieben“, sagt Wolfram Woltersdorf, räumt aber ein: „In seltenen Fällen kann es durch Ausfallsituationen zu Engpässen kommen, wobei die eilige Diagnostik im Zentrallabor Bernburg erfolgt, den Kliniken vor Ort aber Infrastruktur für Schnelltests für vitale Parameter zur Verfügung stehen.“

Auf Nachfrage was die Fälle Schwangerer Frauen angeht, die verlegt worden sind, sagt Krankenhausdirektor Lutz Möller: „Bei einer vorübergehenden Einschränkung der Laborversorgung wird auch dies der Leitstelle gemeldet. In Bezug auf gebärende Mütter gehen wir hier den sicheren Weg und entscheiden aus medizinischer Sicht, ob die Entbindung anderenorts erfolgen muss.“

Als Notfall werden in den beiden Ameos-Kliniken vor allem Patienten aus dem Salzlandkreis und angrenzenden Gebieten behandelt. „Wohin Patienten vom Rettungsdienst gefahren werden, ergibt sich aus dem Rettungsdienstgesetz des Landes. Darin heißt es, dass die nächst gelegene geeignete Klinik anzufahren ist. Welche das ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Zum Beispiel der Art des Notfalls, Kapazitäten der Klinik“, erklärt der Salzlandkreis.

Im Gegensatz zur Hilfsfrist, die bei 12 Minuten liegt und die Zeit zwischen Notruf und Eintreffen der Rettungskräfte beschreibt, gibt es für den Transport zu einer Klinik keine Maximal-Zeitvorgabe. Entsprechend hat „eine Abmeldung einzelner Stationen [...] keinen unmittelbaren Einfluss auf diese Zeitvorgaben“, teilt der Salzlandkreis mit.