Schönebeck l „24 Stunden für Sie da: Hebammen, Kinderkrankenschwestern, Fachärzte für Gynäkologie und Geburtshilfe, Pädiatrie und Anästhesie.“ Mit dieser Aussage wirbt das Ameos Klinikum am Standort Schönebeck für seine Entbindungsstation. Auf die Frage, wie viele Hebammen, Kinderkrankenschwestern und Ärzte aktuell auf der Station arbeiten, geht Krankenhausdirektor Lutz Möller nicht direkt ein, sondern sagt dazu: „Mit dem zur Verfügung stehenden Personal werden alle Frauen, Mütter und Kinder vollumfassend und in entsprechender Qualität versorgt.“

Dass die Qualität der Versorgung nicht leide, bestätigt eine Ameos-Angestellte, die namentlich nicht genannt werden möchte. Zu groß ist die Angst vor Konsequenzen. Aufrechterhalten werde die Versorgungsqualität auf der Entbindungsstation allerdings nur, weil insbesondere Hebammen und Schwestern fast täglich Überstunden machen, die teils in den Dienstplänen sogar mit eingeplant würden. „Eine Stunde länger arbeitet fast jeder täglich“, sagt die Angestellte.

Wenig Personal auf der Geburtsstation

Hintergrund sei, dass die Personalsituation auf der Schönebecker Entbindungsstation aktuell schlecht sei. Es fehle schlichtweg an Personal.

Fünf Hebammen seien es, die zur Zeit im Kreißsaal arbeiten. Im Drei-Schicht-System, wie Schönebecks Kranken-hausdirektor Lutz Möller mitteilt.

Rein rechnerisch sei laut der Ameos-Mitarbeiterin eine Hebamme aber immer im Urlaub oder baue freie Tage resultierend aus Wochenenddiensten ab. Entsprechend müssen sich zur Zeit vier Hebammen drei Schichten teilen. Ab Sommer dürfte sich die Situation allerdings noch weiter verschärfen. Eine der Hebammen habe nämlich gekündigt. Angesprochen auf diese Aussage sagt Lutz Möller: „Wie in jedem Betrieb gibt es auch in einem Krankenhaus eine natürliche Personalfluktuation – die Nachbesetzung wird über entsprechende Auswahl- und Nachbesetzungsverfahren geregelt.“

Mitarbeiter halten zusammen

Als Lösung habe die Klinikleitung am Standort Schönebeck laut der Mitarbeiterin Honorarhebammen ins Spiel gebracht. Zu einem Einsatz dieser sagt Lutz Möller: „Nur in besonderen Fällen, wie zum Beispiel bei gehäuften Krankheits- oder Langzeitausfällen zur Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Besetzung.“ „Da geht das Geld dann einfach hin, und der Rest soll sich mit einem Zukunftspaket, das keines ist, begnügen“, sagt die Ameos-Angestellte. Dennoch würden sich die Mitarbeiter der Entbindungsstation zusammenraufen, sie versuchen, da zu sein und das Beste aus der aktuellen Situation zu machen.

Das passt zu der Aussage des Krankenhausdirektors, nach der „weder am Standort Schönebeck, noch an einem anderen Ameos-Standort“ eine Frau, die in der Klinik entbinden wolle, abgewiesen worden sei.

Über 40 Prozent entbinden nicht im Salzlandkr

So haben auf der Entbindungsstation am Ameos-Standort Schönebeck an der Köthener Straße 2020 bereits 38 Kinder (Stand: 28. Januar 2020, Mittag) das Licht der Welt erblickt. Das teilte der Krankenhausdirektor auf Anfrage mit. Im Jahr 2019 seien bei Ameos Schönebeck 491 Kinder geboren.

Doch gibt es auch im Salzlandkreis Frauen, die zwar im Kreis wohnen, ihr Kind aber außerhalb des Kreises zur Welt bringen. Im Jahr 2018 (alle Zahlen stammen vom StatistischenLandesamt Sachsen-Anhalt in Halle) wurden im Salzlandkreis 1348 Lebendgeborene gemeldet. Die allerdings sind nicht alle auch im Salzlandkreis, in dem es neben der Entbindungsstation in Schönebeck eine solche auch in Aschersleben gibt, zur Welt gekommen.

563 Kinder sind außerhalb des Landkreises, aber noch in Sachsen-Anhalt geboren worden. Das sind rund 41,8 Prozent aller Babys, die im Salzlandkreis gemeldet wurden. Allein 225 von ihnen kamen 2018 in Magdeburg zur Welt, gefolgt von 160 im Landkreis Anhalt-Bitterfeld, 87 in Halle, 80 im Landkreis Harz und zehn in Dessau-Roßlau. Die Zahlen für die übrigen Kreise in Sachsen-Anhalt seien laut Statistischem Landesamt unbekannt oder geheim zu halten.

Keine Geburtsstation in der Börde

Zum Vergleich: Im Landkreis Harz sind im Jahr 2018 1519 Lebendgeborene registriert worden. Nur 55 von ihnen wurden aber außerhalb des Kreises, aber noch in Sachsen-Anhalt geboren. Weitere 45 in diesem Jahr außerhalb von Sachsen-Anhalt.

Eine besonders hohe Anzahl von Kindern, deren Mutter in einem anderen Kreis entbunden hat, als sie gemeldet ist, weist der Landkreis Börde auf. 1519 Babys wurden 2018 in der Börde gemeldet, 1141 von ihnen kamen laut Statistischem Landesamt in anderen Kreisen in Sachsen-Anhalt zur Welt, weitere 122 außerhalb Sachsen-Anhalts. Grund für diese enorm hohe Zahl: In den Kliniken im Landkreis Börde gibt es keine Entbindungsstation.

Klinikrundgang mit neuem Regionalgeschäftsfüh

Kurz vor dem aktuellen Elterninfoabend auf der Entbindungsstation am Ameos-Standort Schönebeck in der vergangenen Woche besprach ein Paar anlässlich der aktuellen Diskussionen um die Ameos-Kliniken die Möglichkeit, vielleicht doch in Magdeburg zu entbinden, verwarf diesen Plan aber schließlich doch.

Die Schönebecker Entbindungsstation war am Dienstag ebenfalls Teil des gemeinsamen Klinikrundgangs von Klinikdirektor Lutz Möller und dem neuen Ameos-Regionalgeschäftsführer Ost, Frank-Ulrich Wiener. Der hatte das Amt am Montag, 27. Januar 2020, von seinem Vorgänger Lars Timm, der freigestellt wurde, übernommen.