Groß Rosenburg l Florian List ist seit seinem 10. Lebensjahr leidenschaftlicher Angler. Doch was er vor wenigen Tagen am Haken hatte, war ein Superlativ. Dem Rosenburger ging in der Saale ein Fisch an den Haken, genauer gesagt an den Kunstköder, der es in sich hatte. Es war ein Wels, 1,92 Meter groß und etwa 50 Kilogramm schwer. Nun zieht man so ein Fluss-Monster nicht so einfach wie eine Rotfeder aus dem Wasser: Der Drill dauerte eine Stunde und war anstrengend. Sehr anstrengend!

Florian List hatte Glück, dass seine beiden Kumpel Matze und Ron dabei waren, die ebenfalls Angler sind. Denn alleine hätte er es nicht geschafft, den einen Zentner schweren Super-Wels unweit der Fährstelle aus der Saale zu ziehen. Schon allein darum, weil er mit seinem Equipment vorsichtig umgehen musste. Denn das feine Angelgeschirr war an jenem Tag eigentlich für den Zander-Fang ausgelegt und nicht für riesenschwere Fressmaschinen, wie es Welse sind.

„Wallergriff“

Als Florian, der im wirklichen Berufsleben Elektromeister ist, endlich den Fisch ermattet hatte, konnte er ihn endlich „anlanden“. Weil handelsübliche Kescher natürlich für Flussmonster viel zu klein sind, stülpte sich List einen Handschuh über, griff dem Wels ins Maul und zog ihn so an Land.

Der Fachmann spricht dabei vom „Wallergriff“. (Der Wels wird in einigen Regionen Deutschlands auch als Waller bezeichnet.) Dabei packt man mit der Hand in den Unterkiefer des Welses, so dass man den Fisch anschließend ins Boot heben oder ans Ufer ziehen kann. Bevor dazu angesetzt wird, sollte man ihm einen kleinen Klaps auf den Kopf geben, der Betäubung wegen.

Starke Fluchtbewegung

In den meisten Fällen setzt der Wels zu einer letzten starken Fluchtbewegung an. Macht der Fisch nach dem Schlag keine Anzeichen eines erneuten Fluchtversuchs, so lässt sich der Griff ansetzen.

Jedoch muss der Angler in solchen Fällen einige Dinge beachten. Denn der Riese neigt dazu, plötzlich mit starken Kopfbewegungen zu schlagen. Hierbei stellen die Wallerhaken (Zähne) eine große Gefahr dar, die sich schließlich im Welsmaul befinden. Ohne Handschuh könnte sich der Petrijünger verletzen. Die Schnitte an der Hand neigen dazu, sich wie alle Tierbisse leicht zu entzünden.

All das zeigt, dass der Fang von Riesenwelsen nicht von Pappe ist.

Florian betont, dass er kein Tierquäler sei. Daher wurde der Fisch nur so lange am Leben gelassen, wie unbedingt nötig.

Fisch aufgeteilt

Und wie wird so ein etwa 15 Jahre altes „Monster“ verwertet? Kann man das Fleisch überhaupt noch essen? „Klar“, sagt der 38-Jährige, „wir haben ihn gleich vor Ort aufgeteilt und filetiert.“  

Vermutlich stammte der Wels aus der Elbe. Der dortige Welsbestand ist laut Anglerverband so gut, dass man sich keine Sorgen machen muss. Deshalb hat der Verband auch das Fangverbot von mindestens 90 auf 70 Zentimeter Fischgröße gesenkt.

Fischen geht es gut

Auch anderen Fischen gehe es gut. Das liege nicht nur an der besseren Wasserqualität, sondern auch an den Hochwassern der vergangenen Jahre, die viele Fische aus böhmischen Fischteichen am Oberlauf in die Elbe gespült hatten. Zu den Neulingen in der Elbe gehöre auch der Lachs, der nach seiner Aussetzung in den Nebenfluss Eger (tschechisch Ohře) wieder zurückgekehrt sei.