Schönebeck l Viel vor hat die Ortsgruppe Schönebeck des Naturschutzbundes (Nabu). Das ist während eines Treffens von Naturschützern in der Elbestadt versichert worden. Anlass der Zusammenkunft war zum einen die Auszeichnung des Gruppenmitglieds Kerstin Golinsky aus Barby aufgrund der zehnjährigen Zugehörigkeit zum Nabu. Zum anderen nutzten die Ehrenamtlichen das Treffen, um auf bislang Erreichtes zurückzublicken.

Viele Nabu-Projekte

Zu den unter dem Strich durchaus vielen Projekten des Naturschutzbundes gehören die „Kleinen Waldfüchse“. Titel und Auszeichnung zugleich, die Mädchen und Jungen in Kindertagesstätten verliehen werden kann, wenn sie denn beim Thema Natur und Naturschutz gut aufpassen. Für den kindgerechten Unterricht sorgt vor allem Gudrun Edner vom Nabu. Sie geht mit den Kindern zum Beispiel in das Tannenwäldchen, macht sie auf die hier vorkommenden Tier- und Pflanzenarten aufmerksam und informiert über ihren Schutzstatus und die jeweiligen Bedürfnisse der Arten. Da sich wild lebende Tiere in aller Regel nicht einfach dann zeigen, wenn sie von Menschen gesehen werden wollen, drappiert Ehemann Gebhard Edner Vogelatrappen im Wäldchen. Zur Prüfung kommt dann sogar ein Förster aus Magdeburg nach Schönebeck. „Das alles geschieht spielerisch“, erläutert Gudrun Edner. Sie ist der Meinung, dass insbesondere das Kindergartenalter ein wichtiger Zeitpunkt ist, um kleine Menschen für (Lebens-)Themen zu sensibilisieren.

Kinder aber auch Erwachsene empfangen die Nabu-Leute regelmäßig in der Nachtigallen­oase in der Chausseestraße in Bad Salzelmen. Hier ist ein alter Kleingarten als natürliches und naturnahes Refugium hergerichtet worden. Besucher können die Vielfalt heimischer Pflanzenarten bestaunen sowie Vogel- und Insekten beobachten. Gleich ein Tipp: In die Nachtigallenoase lädt der Nabu am kommenden Sonnabend, 6. Januar, zur „Stunde der Wintervögel“ ein. Ab 10 Uhr können interessierte Bürger dabei sein, wenn die Experten vom Nabu die in einer Zeitspanne von 60 Minuten auftauchenden Vögel bestimmen und zählen. Auf diese Weise soll der Bestand näher bestimmt werden.

Problemkind Schleiereule

Apropos: Dass es in Schönebeck wieder mehr Turmfalken und Schleiereulen gibt, ist zu einem erheblichen Teil dem Naturschutzbund zu verdanken. „In allen Schönebecker Kirchen nisten Turmfalken, zum Teil auch Schleiereulen“, versichert Edner, der damit auch auf weitere Bundesgenossen beim Artenschutz aufmerksam macht: die Schönebecker Kirchengemeinden - inklusive des Burghofes. Gebhard Edner spricht von sechs Turmfalken-Paaren, die regelmäßig vier bis fünf Junge im Jahr aufziehen. Eine konstante Population sei entstanden. Die erhoffen sich die Ehrenamtlichen vom Nabu auch für die Schleiereulen. Deren Problem ist es, dass sie gerne in Scheunen oder alten Häusern nisten. Heutzutage sind aber fast alle Gebäude hermetisch abgeschlossen. Edner freut sich deshalb über Menschen und landwirtschaftliche Betriebe, die das ein oder andere Schlupfloch lassen.

Kein Heimatverein mehr

Zur Ortsgruppe Schönebeck des Nabu gehören aktuell 75 Mitglieder. Allerdings ist nur ein Teil von ihnen tatsächlich aktiv. „Keine zehn Prozent“, bedauert Karlheinz Schuppe. Er findet es übrigens bedenklich, dass in einer Stadt wie Schönebeck kein Heimatverein mehr existiert. Den gab es bis vor einigen Jahren, bis er sich auflöste. Das habe, meint Schuppe, auch mit der ungenügenden Unterstützung durch die Stadtverwaltung Schönebeck zu tun gehabt. Von einem Heimatverein, der in einem so großen Stadtgebiet möglich sein müsste und sollte, würden viele Synergieeffekte auch in Richtung Naturschutz ausgehen, ist Schuppe überzeugt.

Zu den Projektpartnern des Nabu gehören unter anderem die Städtische Wohnungsbau GmbH und die Stadtwerke GmbH. Welche Projekte fortgesetzt und welche neu hinzukommen, darüber wollen die Naturschützer bei ihrer Jahreshauptversammlung am 20. Januar sprechen.