Pömmelte l Über dem Ringheiligtum ist der Himmel blau. Ein Meer von Margeriten wiegt sich im frühen Sommerwind. „Es ist erstaunlich was hier noch so alles wächst, wenn man es lässt“, deutet ein Endfünfziger auf die weiße Pracht. Der Mann erzählt seiner Begleiterin, dass bald die Echte Kamille folgen werde.

Er sei 2017 extra von Magdeburg mit dem Fahrrad nach Zackmünde gefahren, um Kamillenblüten zu sammeln. Für Tee gegen Magenbeschwerden oder Kompressen bei Ohrenentzündungen. Denn nur auf landwirtschaftlich unberührten Flächen könnten sich die Wildkräuter noch ausbreiten, bevor es die intensive Landwirtschaft verhindere.

Über dieser Szene tirilieren zahlreiche Feldlerchen, als sei es hier seit Jahrtausenden nie anders gewesen. Entzückt scheint sich der Mann mit dem weißen Vollbart gar nicht entscheiden zu können, was er als erstes fotografiert.

Bilder

Das Ringheiligtum Pömmelte ist wieder ein „magischer Ort“ geworden. Nicht nur die wiedererstandene 4300 Jahre alte Kreisgrabenanlage fasziniert mit ihrem Palisadenzaun aus 1800 Robinienstämmen. Auch die Natur scheint rekonstruiert.

Erdverfärbungen

In dieser Idylle holt ein tuckernder Bagger den schwärmenden Betrachter auf den Boden des 21. Jahrhunderts zurück. Die Maschine trägt behutsam die Mutterbodenschicht um 50 bis 60 Zentimeter ab. Darunter liegt heller Kies. Wer genau hinguckt, wird dunkle Erdverfärbungen erkennen: Kreisrunde, ovale oder fast eckige Flächen. Ein sicheres Zeichen für Archäologen, dass hier einmal menschliche Eingriffe stattfanden. Oft sind es Gräber, Abfallgruben oder Häuser, deren Umrisse so nach Jahrtausenden wieder sichtbar werden.

Grabungsleiter Dovydas Jurkenas vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt spricht von „unbewegtem Boden“. Die Menschen gruben mit ihren Holzspaten Löcher in den Kies, um Pfähle für Häuser zu setzen. Die Langhäuser jener Zeit hatten Viehboxen und Feuerstellen im Haus; Vieh und Menschen lebten unter einem Dach, wenn auch in abgetrennten Bereichen.

Siedlung dokumentieren

Ziel sei, die Siedlung in ihrer gesamten Ausdehnung zu dokumentieren. Frühere Grabungen hätten Hinweise auf mehr als ein Dutzend Langhäuser ergeben. Einige Grundrisse wurden vor Jahren mit weißen Glasscherbengranulat markiert. Nun werden noch weitere hinzukommen. Das Ringheiligtum sei damit die größte bekannte frühbronzezeitliche Siedlung in Sachsen-Anhalt.

Mit den frühesten Ergebnissen ist Ende Mai, Anfang Juni zu rechnen. Ab dem 5. Juni werde es jeweils dienstags und donnerstags ab 14 Uhr öffentliche Führungen zu den archäologischen Ausgrabungen geben. Ende Juni soll die Öffentlichkeit über die bis dahin gewonnenen Ergebnisse informiert werden. Bis dahin hält sich das Landesamt für Archäologie noch zurück.

Hoffen auf neue Erkenntnisse

Wie der aus Litauen stammende Grabungsleiter Dovydas Jurkenas sagt, erhoffe man sich, weitere Erkenntnisse über die endneolithisch-frühbronzezeitliche Kulturlandschaft der Region zu gewinnen.

Sind gegenwärtig sechs Mitarbeiter mit den archäologischen Ausgrabungen beschäftigt, sollen es im Sommer im Rahmen einer internationalen Kooperation mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der University of Southampton mehr werden. Englische und deutsche Studenten wollen hier gemeinsam graben.