Schönebeck l Wenn mehrere etwas organisieren, bedarf es immer einen, der die organisatorischen Fäden in der Hand hält. So ist es auch bei der Mittelstands-, dann Regionalmesse „Hier“ gewesen. Doch es wird 2019 keine Neuauflage geben. Das hat das Organisationsteam (Org-Team) in großer Runde entschieden.

Das Team um Hans Weber vom Innovations- und Gründerzentrum (IGZ) Inno Life Bad Salzelmen hatte sich all die Jahre vor den Karren gespannt und war Ausrichter, wusste es doch ein starkes Org-Team aus Unternehmen und Wirtschaftsförderung der Stadt hinter sich.

2017 wurde aus der Mittelstands- die Regionalmesse – aus der Leistungsschau der mittelständischen Unternehmen der Region eine Berufsorientierungsmesse mit Wirtschaftsschau. 45 Aussteller und mehr als 1.000 Besucher sind 2018 gezählt worden.

Es war angekündigt

IGZ-Geschäftsführerin Britta Duschek sagt, dass ihr Vorgänger Hans Weber bereits bei der Auswertung der Messe im vergangenen Jahr verkündet habe, dass sich das „Inno Life“-Team nicht mehr in der Lage sehe, die umfangreichen administrativen Aufgaben abzusichern. Viel sei bei ihm auf- und zusammengelaufen. Doch Hans Weber ist Ende des Jahres in den Ruhestand gegangen. Ebenso eine Mitarbeiterin, die sich in der Messe-Vorbereitungszeit nur um diese Angelegenheiten gekümmert hat.

Doch das IGZ hat umstrukturiert, erläutert Britta Duschek. Die Stellen von Hans Weber seien nicht neu besetzt worden. Weber war mehrfach Geschäftsführer – der Gesellschaft für Struktur- und Arbeitsmarktförderung Salzland, der Beschäftigungsförderungs-, Qualifizierungs- und Innovationsgesellschaft und des IGZ. Stephan Schmidt und sie teilen sich die ihnen bekannten Aufgaben als Doppelspitze. Auch die Stelle der Mitarbeiterin entfalle.

Neuerfinden hat nicht geklappt

„Die Messe hat versucht, sich neu zu erfinden. Aber das ist nicht gelungen“, räumt Britta Duschek ein. Auch wenn die Zahlen für 2018 gut klingen würden: „Wir waren schon mal bei knapp 3.000 Besuchern und mehr als 50 Ausstellern.“ Vor allem an den großen Unternehmen und am Handwerk habe man sich die Zähne ausgebissen.

„Bei großen Unternehmen wird die Entscheidung in der Hauptgeschäftsstelle getroffen, oft weit weg von Schönebeck. Da ist die Einstellung, dass die Regionalmesse nichts bringt“, kann sie sich gut vorstellen. „Das Handwerk möchte gern eine direkte Verbindung sehen, also am Ende der Messe 50 Bestellungen oder Aufträge. Das ist aber so nicht leistbar.“ Ziel sei es immer gewesen, die Betriebe näher zusammenzubringen, Kontakte herzustellen.

„Wir würden gern die Räume im IGZ stellen und im Org-Team mitarbeiten. Aber den bisherigen administrativen Aufwand können wir nicht mehr absichern“, muss die Geschäftsführerin klar sagen. Sie gibt zu bedenken, dass sich andernorts die Stadt den Hut aufsetzt. So in Staßfurt beim Studien- und Berufsorientierungstag oder in Zerbst bei der Gewerbefachausstellung.

Stadt lehnt ab

Das lehnt die Verwaltung ab. „Die Stadt könnte dies weder finanztechnisch noch personell wie ein professioneller Messeveranstalter stemmen“, betont Sprecher Hans-Peter Wannewitz. Hinzu komme, dass sich „der zählbare Erfolg und das Interesse von Unternehmen ohnehin in Grenzen hielten und die bisherigen Räumlichkeiten sich als eher ungeeignet erwiesen“.

Da sich Stadt und IGZ den organisatorischen Hut nicht aufsetzen können und wollen, würden noch die Unternehmen bleiben, die im Org-Team über Jahre mitgearbeitet haben. Doch den immensen Organisationsaufwand könne ein Unternehmen nebenbei nicht leisten, so die einhellige Meinung.

Resonanz zu gering

„Auch die Messe 2018 war fraglich. Wir haben versucht, das Handwerk und die Unternehmen stärker zu aktivieren. Das ist nicht gelungen. Trotz Runden beim Oberbürgermeister und Einsatz des Wirtschaftsrates war die Messe für viele nicht interessant“, sagt Sigrid Meyer, Geschäftsführerin der Städtischen Wohnungsbau GmbH. „Auch bei den Auszubildenden war die Resonanz nicht ausreichend. Es gibt für sie im Jahr rund 30 Veranstaltungen im Kreis. Das ist irgendwie wahrscheinlich zu viel.“

Das räumt auch Detlef Eitzeroth, Vorstandsvorsitzender der Wohnungsbaugenossenschaft Schönebeck, ein. Die Ausrichtung zur Berufsbildungsmesse habe nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Und auch „insgesamt stand der finanzielle und zeitliche Aufwand in keinem Verhältnis“. Neuen Konzepten und Ideen stehe man offen gegenüber. Doch das verlange, „dass alle an einem Strang ziehen und nicht jeder seine eigene Suppe kocht“.

Einst große Hoffnung

„Die Hoffnung war groß, mit der Entwicklung des neuen Logos, dem neuen Namen und vielen guten Ideen, dass die Messe in eine Zukunft geführt werden kann. Die Anzahl der Aussteller und Besucher stimmte optimistisch. Andere Messe-Mit-Organisatoren sahen, sehen das offenbar anders“, so Frank Sieweck, Sprecher der Erdgas Mittelsachsen GmbH. Man bedauere, dass es die Messe nicht mehr gibt. Doch auch er muss einräumen: Das Unternehmen könne gern unterstützen, aber nicht als Ausrichter auftreten. „Das geht über unsere Kräfte.“

Die Messe erfordere ein neues Konzept, vor allem geeignete Ausstellungsräume und eine professionelle Messeveranstaltungsorganisation, teilt Annette Schreiber, Sprecherin der Stadtwerke, mit. Wirtschaftsrat, Wirtschaftsförderung und Unternehmerschaft seien im Austausch auf der Suche nach einem geeigneten Pendant.

Tag der offenen Gewerbegebiete

„Wir Unternehmer, speziell die Handwerker, haben vor einigen Jahren bereits dieses Format für uns in Frage gestellt“, merkt Mario Babock vom Wirtschaftsrat der Stadt an und nennt die örtlichen Gegebenheiten und den hohen Aufwand. „Wir sollten beginnen, die Bekanntheit der regionalen Betriebe zu fördern“, ist seine Meinung. So denkt der Vorstand des Wirtschaftsrates über einen Tag der offenen Gewerbegebiete nach. Ein Nebeneffekt könne das Gewinnen von Auszubildenden oder Fachkräften sein.

Eine Schau in jeweils einem der Gewerbegebiete Schönebecks ist auch eine Idee von Britta Duschek. Deshalb findet sie das Ansinnen des Wirtschaftsrates gut. „Ich begrüße jede Initiative, die in diese Richtung geht. Wir müssen unseren Bürgern zeigen, was wir alles haben, nur so können wir sie für die Region begeistern.“ Ein Tag der offenen Gewerbegebiete sei sehr ehrgeizig und mit einer herausfordernden Koordinierungsarbeit verbunden. „Ich würde kleiner anfangen und dann wachsen“, rät sie und bietet ihre Unterstützung an.