Bad Salzelmen l Rund um das Haus von Renate Müller und ihrem Mann Gerhard ist immer was los – zumindest geräuschtechnisch. Und das liegt meist nicht an den vorbei rauschenden Zügen auf den Schienen, die sich hinter dem Grundstück des Paares in Bad Salzelmen befinden, sondern vielmehr an den vielen kleinen und großen Ziervögeln, die Renate Müller züchtet.

Schon als junges Mädchen entdeckte Renate Müller ihre Leidenschaft für Vögel. Ein Arbeitskollege ihres Vaters hatte zu DDR-Zeiten einen Graupapageien – was zu dieser Zeit eine echte Besonderheit war. Und als Renate Müller dieses Tier zum ersten Mal gesehen hat, war es um sie geschehen.

Der erste eigene Wellensittich

Mit einem eigenen Wellensittich habe bei ihr dann alles angefangen. „Ich habe immer die verstoßenen Tiere genommen“, berichtet die 74-Jährige. So habe sie einst von einem Züchter einen „wunderbaren blauen Wellensittich“ bekommen, der einen kaputten Fuß hatte und deshalb für den Züchter nicht mehr interessant war.

Ein anderes verstoßenes Tier kam 2013 zu Renate Müller. In Gnadau hatten Spaziergänger einen ausgesetzten Graupapageien entdeckt. Renate Müller nahm das Tier nach einer Untersuchung zunächst in Obhut. Aus diesem „zunächst“ sind mittlerweile sechs Jahre geworden, und ihre „Paula“, wie sie den Vogel getauft hat, will Renate Müller heute auch nicht mehr missen.

Ein Graupapagei, der miaut

Nach einiger Zeit bei Familie Müller hat sich Paula nämlich ein Paar ganz besondere Fähigkeiten angeeignet. Zuweilen miaut der Graupapagei wie eine Katze. Und das nicht ohne Grund. Schließlich gibt es bei Familie Müller nicht nur viele Ziervögel, sondern auch zwei Hunde, Hühner und zwei Katzen.

Man könnte meinen, dass Hunde, Hühner, Katzen und Vögel sich eher weniger vertragen würden. Doch bei Familie Müller leben alle Tiere harmonisch zusammen. Graupapageiendame Paula, die nicht fliegen kann, geht sogar auf dem Boden des Grundstücks spazieren, ohne dass die Katzen sie angreifen.

Kanarienvoliere der Marke Eigenbau

Neben Graupapagei Paula und mittlerweile dutzenden Wellensittichen züchtet Renate Müller auch Kanarienvögel. Und die können Renate und Gerhard Müller immer beobachten, wenn sie in ihrer überdachten Sitzecke der Marke Eigenbau sitzen. Denn abgetrennt durch eine getönte Glasscheibe, sodass die Kanarienvögel die sitzenden Menschen nicht sehen können, befindet sich die Kanarienvoliere von Renate Müller – ebenfalls Marke Eigenbau.

Etwas abseits der Sitzecke befinden sich weitere Volieren. Neben den Wellensittichen bewohnt der grüne Papua-Neuguinea-Papagei Rico eine eigene Voliere nahe des Fußwegs zwischen dem Grundstück des Paares und den Bahnschienen.

Pfiffe für Spaziergängerinnen

Und weil Rico ein ziemlich kommunikativer Vogel ist, pfeift er nicht nur gern vor sich hin, sondern auch dem ein oder anderen Fußgänger frech hinterher.

„Als mein Mann einmal im Garten gearbeitet hat, hat Rico zwei weiblichen Kurgästen hinterher gepfiffen. Die haben natürlich gedacht, es sei mein Mann gewesen“, berichtet Renate Müller grinsend. Der konnte das Missverständnis allerdings schnell klären, und fortan seien die beiden Frauen in der Zeit ihres Aufenthalts in Schönebeck fast jeden Tag gekommen, berichtet Renate Müller. „Rico ist einfach ein Lümmel“, findet sie.

Vögel sprechen eigene Namen nach

Die Namen ihrer Vögel hat sich Renate Müller übrigens ganz bewusste ausgewählt. „Die Tiere sollen ihre Namen sprechen können, deshalb sind sie kurz“, erklärt die 74-Jährige.

Als Mitglied der Schönebecker Vogelzuchtvereins „Gut Hohl“, der wiederum dem Landesverband für Artenschutz und Vogelhaltung (AZ) angehört, dreht sich bei Renate Müller und ihren 14 Vereinsfreunden ab heute noch mehr um das Thema Vögel.

Landesschau in Schönebeck

Denn am kommenden Wochenende präsentieren nicht nur die Vereinsmitglieder aus Schönebeck, sondern auch zahlreiche Mitglieder des Dachverbandes AZ aus ganz Sachsen-Anhalt ihre Zuchterfolge. Und der Aufbau für die Ausstellung im Dr.-Tolberg-Saal beginnt bereits heute. Daniel Schäfer, Vorsitzender des Schönebecker Vereins, rechnet mit rund 200 Vögeln, die Interessierte am Wochenende im Dr.-Tolberg-Saal anschauen können.

Bevor allerdings die Besucher die Vögel zu Gesicht bekommen, werden die ausgestellten Tiere von Punktrichtern bewertet. Dabei gibt es gleich fünf Kategorien, in denen Preise verliehen werden: Kanarien, Krummschnäbel (Papageien und Sittiche), Finken, Wellensittiche und einheimische Vögel.

Schaulaufen der Vögel

Bewertet werden die Tiere nach Größe, Figur, Farbe und ihrer Körperhaltung. „Die müssen dann sozusagen Schaulaufen“, meint Renate Müller. Außerdem wird die schönste Voliere der Schau prämiert. Von diesen soll es laut Daniel Schäfer am Wochenende rund 18 Stück geben. Zudem gibt es in kleineren Schaukästen rund 180 weitere Vögel zu sehen.

Schirmherr der diesjährigen Ausstellung ist Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU), der als Kind selber Hühner gezüchtet hat. Er eröffnet die Schau im Dr.-Tolberg-Saal am Sonnabend um 10 Uhr. Geöffnet ist die mittlerweile 28. AZ-Landesschau am Sonnabend von 9 bis 17 und am Sonntag von 9 bis 16 Uhr.

Der Eintritt zur Schau ist für Kinder, die bis zur Tischkante reichen kostenfrei. Alle anderen Kinder zahlen einen Euro Eintritt und bekommen ein Freilos für die Tombo- la, deren Hauptpreis ein gesponsertes Fahrrad ist. Für Erwachsene liegt der Eintritt bei drei Euro.