Schönebeck l Nicht nur im Schönebecker Dr.-Carl-Hermann-Gymnasium, sondern nun auch im Industriemuseum der Stadt werden Bilder beziehungsweise ein Bild von Ewald Blankenburg ausgestellt. Der Künstler ist in der Elbestadt kein Unbekannter, wie Autor Georg Brandes berichtete.

Der Künstler wurde 1920 in Schönerlinde bei Berlin geboren. Sein Vater, von Beruf Töpfer, starb an den Folgen einer Verletzung aus dem Ersten Weltkrieg. Von 1926 bis 1936 ging Blankenburg in Schönelinde zur Schule. „Bereits als Schüler malte er und wollte deshalb einen künstlerischen Beruf ergreifen“, schreibt Georg Brandes.

Studium in Berlin

Im Jahr 1938 erhielt er von der Stadt Berlin ein Stipendium für ein Bühnenbildnerstudium bei Prof. Nietsch an der Kunstgewerbeschule in Berlin Charlottenburg. Nach zweijährigem Studium legte er die Prüfung als Bühnenbildner ab, konnte den Beruf aber nicht ausüben, da er als Rekrut eingezogen wurde.

Bilder

Dann begann die „Schönebecker Zeit“. Nach amerikanischer Kriegsgefangenschaft kam er 1946 nach Schönebeck und lernte hier seine spätere Frau Magdalene kennen. „In Schönebeck war Blankenburg zunächst als freischaffender Künstler tätig. Danach arbeitete er zwei Jahre als Bühnenbildner am Magdeburger Theater, um sich dann wieder als freier Künstler zu betätigen“, berichtet der Schönebecker Georg Brandes weiter.

1947 hatte Blankenburg in Magdeburg mit Katharina Heise und Hans Oldenburger die Künstlergruppe „dalbe“ gegründet, mit der er an Ausstellungen in Halle, Quedlinburg, Dresden und Schönebeck teilnahm. „Zu dieser Zeit gab es in Schönebeck an der Oberschule einen klugen selbstbewussten Direktor namens Hinze, der sich über viele bürokratische Hindernisse hinwegsetzte.“ Er stellte Blankenburg als Zeichenlehrer ein und als solchen lernte Georg Brandes ihn zunächst auch kennen.

Protest gegen Bevormundung

Obwohl Blankenburg 1953 seine zweite Lehrerprüfung bestand, wurde er wahrscheinlich nach Weggang seines Mäzens Hinze an die Käthe-Kollwitz-Schule versetzt. Aus dem Protest gegen die Bevormundung des Künstlers durch den Nationalsozialismus entstand seine Abwehrhaltung gegen jede dogmatische Einengung der künstlerischen Aussage. „So ist es nicht verwunderlich, dass der geforderte sozialistische Realismus nicht seiner Kunstauffassung entsprach“, betont Brandes.

Blankenburg malte Bilder seiner engeren Umgebung, alte Häuser, verwinkelte Vorstädte, aber auch viele Landschaften. Betrachtet man diese Bilder, so lässt sich der Einfluss der Maler des deutschen Expressionismus deutlich erkennen. Besonders die flächig-konstruktive Gestaltung zeigt die Verwandtschaft seiner künstlerischen Auffassung zu seiner älteren Kollegin Katharina Heise.

„Obwohl Blankenburg seit 1952 Mitglied im Verband Bildender Künstler Deutschlands war, bekam er kaum noch öffentliche Aufträge. 1959 hatte er noch Ausstellungen in Leipzig, Halle und Altenburg, deren Besprechungen in dortigen Zeitungen durchaus positiv waren“, resümiert Georg Brandes.

Formalismus-Debatte

Zu oft stand er aber in Magdeburg im Mittelpunkt der Formalismus-Debatte, und Blankenburgs Werke wurden als „substanzlose Formspielereien“ diskreditiert. Er ging deshalb 1960 nach Bremerhaven und wurde dort als Lehrer an der Theodor-Storm-Schule angestellt. In Bremerhaven stellte 1967 die Kunsthalle viele Werke von ihm und dem Maler Hans Marutzki aus. Der Kunstverein und der Magistrat kauften Bilder von ihm.

In Mainz erregte Blankenburg mit der Präsentation einer großen Sammlung von Architekturlandschaften im Institut Francais im Oktober 1987 unter dem Titel „Blankenburg sieht Mainz“ die Aufmerksamkeit der Presse. Blankenburg sagte selbst zu seiner Malerei: „Ich baue meine Bilder, da muss alles stimmen, da gibt es keine Zufälligkeiten, keine Mätzchen.“ Mit breiten, ganz dem Material und Format angepassten Pinselstrichen malte er reine Ölbilder. Orange, Grün und Blau stehen neben Schwarz und Weiß. Eine heftige Farbigkeit erschreckt und fordert den Beschauer. Nichts ist mehr Naturform, alles ist übersetzt, streng komponiert und durchgearbeitet.

Mehr Informationen finden Sie unter: www.industriemuseum-schoenebeck.de und www.hermann-gymnasium.de.