Bernburg/Schönebeck l Bisher haben Reisende und Pendler die Möglichkeit, die beiden Oberzentren Sachsen-Anhalts alle zwei Stunden über Bernburg und den Salzlandkreis zu erreichen. Zu wenig, wie der Landrat des Salzlandkreises findet. Er verfasste einen Brief an Landesverkehrsminister Thomas Webel, indem er seiner Forderung Nachdruck verleiht.

Alle 60 Minuten

Der Landrat des Salzlandkreises fordert, unterstützt von den Bürgermeistern, deren Städte an der Strecke liegen, einen Einstundentakt. Alle 60 Minuten soll ein Zug von der Landeshauptstadt nach Halle via Bernburg und wieder zurück fahren. „Wir wollen jetzt die Bahnverbindung auf Landes- und auch auf Bundesebene heben“, sagte der Sozialdemokrat bei einem Pressegespräch. „Die Themen Ökonomie und Ökologie sind uns wichtig. Wenn wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln schneller, besser und ständig wiederkehrend fahren können, glaube ich, dass man den Zug häufiger als Alternative zum eigenen Auto wählt“, so der Landrat weiter.

„Wir wissen, dass so ein Projekt nicht von heute auf morgen umsetzbar ist. Aber Politik macht man auch nicht von der Frühschicht bis zum Feierabend“, erklärte der Landrat. Er sei gewillt, Projekte über die eigene Legislaturperiode hinaus zu beleben.

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Zeigen, wo Ziele liegen

Schließlich würden Bürger ihre „Lebensplanung“ ebenfalls langfristig gestalten. „Wir wollen den Leuten in der Region zeigen, wo wir hin wollen. Wenn wir jungen Leuten zeigen, wo unsere Ziele liegen, lohnt es sich für sie auch, in ein eigenes Haus zu investieren“, sagte Bauer. „Dann haben auch Handwerker auf einmal eine ganz andere Lobby hier in der Region.“ Man müsse der Generation, die heute ein Studium beginnen möchte, ein Zeichen setzen, dass Großstädte gut mit der Bahn zu erreichen seien.

Dass so ein Projekt zeit- und kostenintensiv sei, weiß man im Kreishaus. Vorhandene Infrastruktur müsse ausgebaut werden, wie Markus Bauer in einer Pressemitteilung, die Kreispressesprecher Marko Jeschor zu dem Termin im Kreishaus aushändigte, verlauten ließ. Notwendig sei beispielsweise „der Neubau der Verbindungskurve bei Calbe, für den wir uns seit über zehn Jahren einsetzen.“ Außerdem müsse die Auflassung beziehungsweise die technische Sicherung der zahlreichen Bahnübergänge geprüft werden, um die Fahrzeit deutlich zu verkürzen.

Bürgermeister stehen dahinter

„Wenn uns das gemeinsam gelingt, rücken die beiden Oberzentren Magdeburg und Halle dank des Salzlandkreises zusammen“, wird der Landrat in der Mitteilung zitiert. Die Bürgermeister seiner Region wisse der Landrat dabei hinter sich. Einer von ihnen: Calbes parteiloser Bürgermeister Sven Hause. „Wir planen zwei neue Wohngebiete in unmittelbarer Nähe des Bahnhaltepunktes Calbe-Stadt. Mit einer schnellen Taktung würden wir auch für Großstädter deutlich interessanter.“

„Schließlich“, so Bauer „gewinnt der ländliche Raum zwischen den beiden Großstädten die Bedeutung, die er strukturell einnehmen kann.“ Auch Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) begrüßt die Pläne des Landrates. „Schönebeck ist ein Mittelzentrum. Da ist jeder Ausbau im öffentlichen Personenverkehr wünschenswert.“ Natürlich müssten bei den Plänen nun die Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (Nasa) und die Deutsche Bahn AG mitspielen. Die Bahn müsse mit einsteigen und die erforderliche Infrastruktur aufbauen. Für aufwändige Planrechtsverfahren würden alle Partner gebraucht, so heißt es in der Mitteilung. „Die Planung und die Realisierung muss über die Bahn erfolgen“, erklärt Tilo Wechselberger, Fachdienstleiter für Kreis-, Wirtschaftsentwicklung und Tourismus.

Die Ziele des Landrates sind ambitioniert. Bauer hat mit seinem Brief an den Verkehrsminister einen ersten Schritt Richtung Zukunft gemacht.