Calbe l Wer durch die Saalestadt fährt, erlebt einen Flickenteppich rechts und links der Straßen. Immer wieder ist die geschlossene Bebauung in der Innenstadt unterbrochen von freien Flächen, auf denen sich die Natur ausbreiten kann. Der Wechsel zwischen Bebauung und Grünflächen zeigt den Wandel eindrucksvoll, der sich 30 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer in der Kleinstadt vollzieht.

Zum Teil große Flächen, die einst von Betrieben genutzt wurden, liegen brach. In der Stadt gibt es an verschiedenen Orten eine ganze Reihe solcher Immobilien. Manchmal sind sie beräumt, andere werden weiter von Wind und Wetter bearbeitet. Der Kontrast könnte gerade in der Innenstadt kaum größer sein.

Innenstadt anpacken

Während sich an den Rändern von Calbe nun einiges bewegt und Investoren hier Grundstücke erschließen wollen, damit Familien dort Häuser errichten, bleibt die Innenstadt weiter stehen.

Nach Angaben von Bürgermeister Sven Hause arbeitet die Stadtverwaltung emsig an einem Baulückenkataster. Demnächst wolle die Verwaltung damit online gehen, kündigte er Mitte Oktober 2020 an. Hinter dem Baulückenkataster stecke jede Menge Arbeit, hob er hervor. Die Bauverwaltung müsse mit jedem Grundstückseigentümer Kontakt aufnehmen, der dort aufgeführt werden soll. Die Eigentümer müssten um Erlaubnis gefragt werden, ob sie damit einverstanden seien, dass ihr Grundstück abgebildet werden dürfe.

Einfacher Zugang

Ziel des Baulückenkatasters sei es, den interessierten Bürgern oder Investoren einen einfachen Zugang zu den Baulücken zu verschaffen. Die Auflistung soll es Interessenten ermöglichen, einfach Kontakt zu den Eigentümern herzustellen, wenn es darum geht ein Grundstück zu erwerben, um es künftig zu nutzen. Die Idee dahinter ist nicht neu, sondern von zahlreichen Städten bereits erfolgreich durchgeführt worden.

Mit der Initiative könnte sich der Blick der Bürger, die mit dem Gedanken spielen, ein Haus zu bauen, wieder mehr in die Innenstadt verlagern. Neben freien Grundstücken gibt es hier auch zahlreiche leerstehende Gebäude, die nach einer Sanierung wieder bewohnt werden könnten.

Altlasten im Boden

Bei leerstehenden Grundstücken gibt es zuweilen in der Stadt das Problem, dass eine Neubebauung nicht ganz einfach zu bewerkstelligen ist, weil im Boden noch Altlasten liegen. In Zukunft, hatte Bürgermeister Sven Hause bereits in der Vergangenheit gefordert, müsse sich das Bundesprogramm der Stadtsanierung mehr mit diesem Thema befassen und hier den Kommunen Möglichkeiten geben, diese Kosten zu stemmen, um die Grundstücke in den Zentren wieder nutzbar zu machen.

Mit Sorge betrachten einige Stadträte die aktuelle Entwicklung, bei der neue Wohngebiete am Stadtrand entstehen und in der Innenstadt die Zahl der freien und nicht genutzten Flächen und Gebäude nicht abnimmt. Die Kommune müsse hier bei der Stadtentwicklung mehr den Fokus auf die Nutzung der bereits erschlossenen und vorhandenen Grundstücke legen, fordern sie. Das mache die Kommune auch lebenswerter. Die Kleinstadt verliere an Attraktivität, wenn das Zentrum weiter Menschen verliere und keine jungen Familien nachkommen.

Ärger um Diesterwegschule

Ärger gibt es mitunter auch in der Stadt, wenn eine alte Ruine verschwindet oder teilweise zurückgebaut wird, wie aktuell die ehemalige Diesterwegschule. Nach einem Brand im Dachgeschoss hat der Landkreis nun begonnen, den oberen Teil des Gebäudes abtragen zu lassen. Der untere Teil soll aber stehen bleiben. Die ehemalige Bildungseinrichtung hat keinen Eigentümer mehr und gilt als herrenloses Grundstück.

Dass der Landkreis nicht das ganze Gebäude abreißen lässt, sondern den Bürgern die Ruine auch noch wetterfest macht, damit sie lange etwas davon haben, ärgert Stadtrat Torsten Göhr (ALC/SPD) gewaltig. Er frage sich, ob dies in anderen Kommunen auch so von der Kreisverwaltung gehandhabt wird. „Ich finde das unerträglich, dass diese Ruine im Stadtbild an dieser Stelle stehen bleibt“, sagt er. Deshalb rief er die Kreistagsmitglieder in der Saalestadt kürzlich auf, etwas dagegen im Kreistag zu unternehmen. Die Bürger der Saalestadt dürften sich dies nicht bieten lassen und müssten dagegen protestieren, meint er.