Barby l Trotz eines ernsten Themas wirken die Senioren bei ihrer Mitgliederversammlung fröhlich. Der Vorsitzende des Seniorenvereins Elbe-Saale-Winkel, Winfried Otte, denkt sich für jede Mitgliederversammlung ein neues, aktuelles Thema aus. Diesmal ist das Motto „Der goldene Herbst“, bei dem die Mitglieder des Vereins Sicherheitstipps von den Regionalbereichsbeamten aus Barby, Lutz Maser und Bernhard Wessner, bekommen.

Hilfsbereitschaft hat Grenzen

Als Polizeioberkommissar Lutz Maser mit einem Dienstausweis im voll besetzten Saal herumgeht, schmunzeln sie, begutachten ihn aber gleichzeitig interessiert. Diese Einlage dient dazu, dafür zu sensibilisieren, dass Fremden, die sich als Polizeibeamte ausgeben, erst einmal mit Misstrauen zu begegnen ist. Wessner weist darauf hin, sich von angeblichen Beamten immer erst den Dienstausweis zeigen zu lassen. Druck, Foto und Stempel seien sorgfältig zu prüfen.

Im Zweifel wird dazu geraten, bei der Behörde anzurufen, von der der vermeintliche Beamte kommt. Weiterhin sei es ein bekannter Trick von Betrügern, nach der Toilette, einem Glas Wasser, Papier oder Bleistift zum Hinterlassen einer Notiz und dann nach einem Tisch zu fragen, um sich so Eintritt in die Wohnung zu verschaffen. Wessner, der den Vortrag vor den Senioren hält, warnt hier vor zu hoher Hilfsbereitschaft. Diese zahle sich nicht aus, und die Senioren seien oftmals nicht in der Lage, sich gegen eine Überwältigung durch die Täter zu wehren.

Bei einem weiteren Fall in der Region wurde am Telefon eine Enkelin aus Berlin angekündigt, die für die Kaution ihrer Wohnung 20.000 Euro brauchen würde. Tatsächlich sei es dann soweit gekommen, dass das Geld überwiesen worde. Dieser sogenannte Enkeltrick zeichnet sich dadurch aus, dass der Enkel selbst nicht in Erscheinung tritt. Die Ratschläge der Polizei in diesem Fall lauten: Misstrauisch sein, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die man aber nicht als solche erkennt. Auch sollten am Telefon keine Details zu familiären oder finanziellen Verhältnissen preisgegeben werden. Nach einem Anruf mit finanziellen Forderungen sei sofort Rücksprache bei Familienangehörigen zu halten.

Im Internet vorsichtig mit Daten umgehen

Auch das Internet bietet einige Betrugsgefahren. Insbesondere warnt die Polizei auch vor E-Mails, die dazu auffordern, persönliche Daten wie Passwörter oder Kreditkarteninformationen über einen Link oder ein Formular einzugeben. Seriöse Unternehmen würden solche Daten niemals per E-Mail oder einen Link anfordern. Deshalb raten sie, sich vor einem solchen Datenklau, der auch Phishing genannt wird, zu schützen, indem die Adresse des Unternehmens geprüft und selbst in den Browser eingegeben wird.

Eines versichern die beiden Regionalbereichsbeamten, Lutz Maser und Bernhard Wessner: Im Vergleich zu Großstädten sei es in Barby relativ sicher. Das liege zum einen daran, so Lutz Maser, dass auf dem Dorf die Nachbarn sich noch kennen, man passe aufeinander auf. „Oft werden zum Beispiel Sparkassenmitarbeiter skeptisch“, spricht Maser aus seiner Erfahrung als Regionalbereichsbeamter in Barby, „weil eine Person sehr viel Geld auf einmal abhebt, und machen dann die Polizei darauf aufmerksam“.

Ein anderer Grund, warum es in Barby relativ wenig zu Betrügereien kommt, ist, dass es nicht an der Autobahn liegt, so Maser. „Denn oft sind Betrüger in Banden organisiert, die direkt von der Autobahn kommen“, sagt der Polizeioberkommissar. Barby und seine Ortsteile seien jedoch oft nur über schmale Straßen erreichbar. „Stellen Sie sich vor, Sie würden einen Betrug in Breitenhagen versuchen“, sagt Maser, „da kommt Ihnen, wenn Sie weg wollen, ja sofort die Polizei entgegen“. Aufgrund der neuen Kommunikationsmöglichkeiten wie dem Internet, die es Betrügern noch leichter machen, nicht selbst in Erscheinung zu treten, nehme jedoch gefühlt die Unsicherheit zu.

Keine hohe Betrugsrate 2018

Doch Zahlen der Polizei des Salzlandkreises aus dem Jahre 2018 zeigen, dass es tatsächlich nicht viele Fälle von Betrug gegen ältere Menschen in Barby im vergangenen Jahr gegeben hat. Von insgesamt 16 Fällen von Betrug richteten sich drei gegen ältere Personen. Zwei davon blieben nur ein Versuch, einer war erfolgreich, teilt Klaus Peter Schneider, ein Sprecher der Polizei des Salzlandkreises, mit.

Jedoch, so Maser, sei es bei den hohen Geldsummen, die die Betrüger bei „Enkeltricks“ und ähnlichem erzielen, schon eine erfolgreiche Beute, wenn von 1000 Versuchen nur zwei bis drei erfolgreiche dabei sind.

Jedoch, so Maser, sei bei diesen Zahlen immer zu beachten, dass einige Fälle aus Scham nicht angezeigt werden.

Neben den Betrügereien beschäftigte jedoch auch der Fall eines Rentners, der vor genau einer Woche in seinem Wohnhaus überwältigt wurde, einen Teilnehmer. Bernhard Wessner antwortet damit, dass die Ermittlungen laufen, und sich die Polizei erst einmal nicht weiter zum Fall äußern werde.